Neue Essays zu Rawls’ “Political Liberalism”

Nachdem John Rawls mit seiner “Theorie der Gerechtigkeit” (1971) zu einer Renaissance der politischen und praktischen Philosophie beigetragen hat, veröffentlichte er 1993 “Political Liberalism“, das ebenfalls ein Klassiker ist. Martha Nussbaum und Thom Brooks haben nun einen Band mit neuen Essays zu “Political Liberalism” veröffentlicht: “Rawls’s Political Liberalism“. Er enthält u.a. Beiträge von Nussbaum, Brooks, Onora O’Neil und Jeremy Waldron. Der Aufsatz von Brooks beschäftigt sich mit dem “Capabilities Approach and Political Liberalism“, wie der Titel sagt.

Gegen 10.000 Gebote – Adam Smith

Adam Smith wird immer wieder gegen Klischeevorstellungen verteidigt. Und da er weit mehr als nur der Ökonom war, wird er für eine realistischere Sichtweise in ganz unterschiedlichen Bereichen (Ökonomie, Moralpsychologie, Politische oder Rechtsphilosophie) empfohlen. Zu den prominenten Beispielen für eine solche “Wiederentdeckung” Smiths (hier des öfteren schon erwähnt) gehören unter anderem Ernst Tugendhat, Martha Nussbaum, Amartya Sen und Lisa Herzog. Das Spektrum der damit verbundenen Leitfragen erstreckt sich dabei bis weit ins Sozialdemokratische hinein.

Eine libertäre Sicht auf Adam Smith – also vom anderen Ende des Spektrums – hat der Ökonom Daniel D. Klein von der George Mason University. In diesem Vortrag will er zeigen, dass Smith schon in der Theorie der moralischen Gefühle subtil gegen Überregulierung und staatliche Eingriffe argumentiert habe.

Lisa Herzog über Märkte: Das Kriterium ist die Freiheit

3AM interviewt Lisa Herzog. Dabei geht es vor allem um die Überlegungen von Adam Smith und Hegel zu Märkten und wie diese heute noch relevant sind.

2014 hat Lisa Herzog zusammen mit Axel Honneth bei Suhrkamp eine Textsammlung zu Marktansichten vom 18. Jahrhundert bis heute veröffentlicht: “Der Wert des Marktes: Ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Dazu hat es einige Rezensionen gegeben – die informativste ist wohl die im Blog “Wirtschaftliche Freiheit“.

Elisabeth von Tadden hat Lisa Herzog im März 2014 interviewt. Ein Interview eher auf Internet-Niveau ist bei ZEIT-Campus Anfang 2015 erschienen.

Auf YouTube gibt es ein Interview mit ihr sowie eine Vorlesung über Schädigungen im Markt:

Neuer “Klassiker-Auslegen”-Band: Rawls’ “Politischer Liberalismus”

Gerade bei Thomas Gregersen im “Habermas-Rawls-Blog” gesehen: Otfried Höffe hat in der bewährten Reihe “Klassiker Auslegen” bei de Gruyter einen neuen Band zu John Rawls’ zweitem Hauptwerk herausgegeben: “John Rawls: Politischer Liberalismus”. Das Buch enthält Beiträge bekannter Autorinnen wie Otfried Höffe, Wilfried Hinsch, Elif Özmen, Charles Larmore, Christoph Horn und anderen.

Larry Siedentop über eine christliche Tradition des Liberalismus

Der Isaiah-Berlin-Schüler Larry Siedentop hat in seinem neuen Buch “Inventing the Individual: The Origins of Western Liberalism” eine alternative Entstehungsgeschichte des Liberalismus aus europäischen christlichen Wurzeln darzustellen versucht. Samuel Moyn schreibt dazu eine etwas ausführlichere Rezension in der Boston Review. Er findet Siedentops Perspektive interessant, aber nicht überzeugend. In der Stützung der Hypothese seien große Lücken und das Buch sei in weiten Teilen eine Beschreibung der christlichen mittelalterlichen Geschichte – aber eben keine Erklärung des behaupteten christlichen Ursprungs des Liberalismus, so der Rezensent.

Karl Popper zur Einführung

Karl Popper ist einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Nicht nur in der Wissenschaftstheorie, auch in der Politischen Philosophie und der Ideologiekritik sind seine Beiträge von bleibendem Wert. Als ausgesprochener Gegner von Totalitarismus, Irrationalismus und Obskurantismus hat er “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” geschrieben, das – wie die nahezu hysterische Ideologisierung öffentlicher Debatten der letzten Jahre zeigt – eine immense Aktualität besitzt. Insbesondere der irrationale Essentialismus und das Hordendenken werden von Popper einer systematischen Kritik unterzogen.

Eine sehr gute Einführung in Poppers Leben und einen anschaulichen knappen Überblick über sein Werk hat Manfred Geier 1994 mit dem Titel “Karl Popper” in der Reihe Rowohlts Monographien veröffentlicht. Die klare Sprache und das reichhaltige Bildmaterial machen das Buch zu einem Klassiker. Für einen ersten Einstieg in Poppers eigene Texte eignet sich das “Lesebuch” von Karl Popper, das von einem jungen Assistenten Poppers zusammen gestellt wurde.

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Buchtipp: Elif Özmen – Politische Philosophie zur Einführung

Elif Özmen, Professorin für Philosophie an der Universität Regensburg, hat 2013 in der bekannten Junius-Reihe ein Bändchen zur Einführung in die Politische Philosophie veröffentlicht. Die Beiträge dieser Reihe sind einheitlich kurz gehalten – um die 160 Seiten, und wollen damit keine umfassende und erschöpfende Darstellung eines Sachgebietes liefern, sondern einen Einstieg, in dem zentrale Fragen und aktuelle Probleme im Rahmen einer konzeptionellen Darstellung beschrieben werden.

Özmen referiert die wichtigsten und meistdiskutierten Positionen und Probleme der Politischen Philosophie der letzten Jahrzehnte, insbesondere die Beiträge von John Rawls, Jürgen Habermas und Martha Nussbaum. In der Philosophie sind besonders die Begründungsstrategien für politische Konzepte von Interesse, auf die Özmen ausführlich eingeht. Auch konfliktbeladene Themen wie Gemeinschaft, Individualismus und der Andere werden in diesem philosophischen Zusammenhang behandelt.

Das Büchlein zeichnet sich durch seine sprachlich klare Darstellung und die Fokussierung in der Darstellung der Theorien aus. Auf dem Markt der politischen Theorien gibt es freilich zahlreiche weitere Moden, wohl auch solche, die von bleibender Bedeutung sein werden. Mit diesem Einführungsband hat man jedenfalls eine Darstellung eines Kerns von Theorien und Problemen, mit denen man sich in jedem Fall vertraut zu machen und auseinander zu setzen hat.

Piketty gegen die “denkfaule Rhetorik des Antikapitalismus”

Im Guardian gibt Owen Jones ein Gespräch mit Thomas Piketty wieder, ergänzt um frühere Äußerungen. Piketty hat den ökonomischen Bestseller des Jahres 2014 geschrieben – der auch in Übersetzungen in zahlreiche Sprachen ein Erfolg ist. Das Buch jedoch ist mächtig, voller Daten und bereits Gegenstand ausgiebiger Diskussionen (siehe bspw. die Beiträge in diesem Blog). Ob es tatsächlich millionenfach gelesen wird, ist eher fraglich. Dem allgemeineren Anliegen Pikettys würde das jedoch durchaus entsprechen, denn – wie er dem Guardian sagt – er wünscht sich eine Demokratisierung ökonomischen Wissens.

Piketty versucht in seinem Buch eine wachsende soziale Ungleichheit zu belegen und wirbt für Maßnahmen, die entschieden dagegen steuern. Das hat aber nichts mit plattem Antikapitalismus zu tun, denn er sei “fürs Leben geimpft gegen die denkfaule Rhetorik des Anti-Kapitalismus”. Er glaubt nicht an den Kommunismus à la Sowjetunion oder DDR, sondern an Eigentum und Marktmechanismen. Der “Religionskrieg” zwischen links und rechts sei längst überholt. Seine Empfehlung gegen die Dynamik der Ungleichheit ist die Vermögenssteuer, die das Gesicht des Kapitalismus entscheidend ändere.