Category: Politische Philosophie

Adam Smith – der Philosoph

Es ist erstaunlich, welches Bild von Adam Smith heute allgemein verbreitet ist. Nun, er war sozusagen im Zentrum der großen ideologischen Auseinandersetzungen der letzten zweihundert Jahre – allerdings von Gegnern und Anhängern dieser Ideologien dort hingestellt. In der Politik wird bekanntlich grob gehobelt, da nimmt man auf Einzelheiten keine Rücksicht. Dennoch ist es unverständlich, dass ausgerechnet ein Wissenschaftler, der auf ein überhöhtes Podest gehoben wird, so wenig bekannt, sein Bild so verzeichnet ist.
Nicholas Phillipson hat jetzt eine neue Adam-Smith-Biografie geschrieben, die beim New Statesman rezensiert wird. Eine kurze, aber vorzügliche deutsche Biografie hat Gerhard Streminger schon vor einigen Jahren in der Reihe Rowohlts Monographien veröffentlicht.

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Article written by Björn

Gegen ein relativistisches Argument in der Google-China-Affäre

In den Folien zu seinem re:publica-10-Vortrag “Das Internet ist dezentral. Und andere gefährliche Mythen” (zu finden auch bei Carta) schreibt Sebastian Deterding:

Umgekehrt wecken Googles Aktivitäten in China ein ganz anderes Unbehagen: Faktisch versucht hier ein US-amerikanisches Unternehmen einer souveränen Nation (China) technisch Werte und Normen vorzuschreiben.

Auch wenn man diese Behauptung im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung Google vs. China hier und da schon vernommen hat, so ist sie einfach Unsinn. Das eigentliche moralische Argument übergeh ich mal, weil schon auf der sachlichen Ebene einiges an dieser Darstellung schief ist. Denn zunächst einmal ist es Google unbenommen, sein Geschäft so zu betreiben, wie Google es für richtig hält. Und vom sachlichen Verlauf her war es China, das Google vorschreiben wollte, wie dies zu geschehen hat.
In Sebastians Bemerkungen zu den Folien, also seinen Argumenten, die sich ja den Gefahren einer Zentralisierung widmen, ist diese Behauptung nur schwer einzuordnen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie aufgestellt wird. Weil es schick ist? Oder politisch korrekt? Zu sehen, wie verbreitet ein solcher Relativismus ist, weckt ebenfalls Unbehagen. Soll man vielleicht annehmen, böse Monopole kommen zwangsläufig aus den USA? Wie müsste man sie bewerten, wenn sie aus China kommen? Diese Fragen sollen keine polemische Unterstellung einer Position sein, die Sebastian hätte, aber sie folgen aus einer so unglücklichen Behauptung, wie er sie aufgestellt hat.

Tim O’Reilly hat übrigens vor wenigen Tagen die “Cloud” aus seiner Sicht dargestellt, und formuliert gewissermaßen optimistisch die Bedingungen, die wir erfüllen müssen, damit wir das Monopolszenario vermeiden können. Er kommt dabei zu einer ganz anderen Einschätzung von Google, Microsoft und einigen anderen Größen, als ich das in deutschen Beiträgen bisher gefunden habe.

Update: Und prompt belehrt mich Johnny Haeusler erfreulicherweise eines besseren: “Zukunft gestaltet man, indem man sich bemüht, die denkbar beste Version davon vorzubereiten.

Article written by Björn

Ekel und Menschlichkeit in der Politik – ein Interview mit Martha Nussbaum

March 4, 2010 | Filed Under Emotionen, Ethik, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie, Rechte | Comments Off

Bei The Nation ist ein Interview mit Martha Nussbaum über ihr neues Buch “From Disgust to Humanity: Sexual Orientation and Constitutional Law” erschienen. Darin geht es darum, dass Aversionen gegen Fremdartiges nicht als moralische Rechtfertigung politischer Regelungen taugen.

I don’t think any emotion should be trusted on its own without being constantly in dialogue with moral principles. At every point, whether it’s anger or fear or any emotion–even compassion, which can, of course, lead you to favor your family against other people–you should always be asking, Is this consistent with the idea of a society of people who are free and equal?“.

Vor diesem Hintergrund seien Argumente gegen homosexuelle Ehen nicht haltbar, weil inkonsistent. “We don’t think that heterosexuals who are flaky, silly or awful, Britney Spears marrying on a whim and then divorcing almost immediately, we don’t think that that taints the institution of heterosexual marriage.“.

Nussbaum plädiert für eine Politik der Menschlichkeit, die auf der Fähigkeit beruht, andere Personen als uns ähnlich wahrzunehmen und sie zu respektieren. Unterschiedliche sexuelle Orientierungen rechtfertigen keine unterschiedliche Behandlung vor dem Gesetz. John Stuart Mill hat besonders sorgfältig die Frage gesellschaftlicher Regulierung privaten Verhaltens untersucht – daran möchte Nussbaum anknüpfen und hofft, dass seine Einsichten sich in diesen Fragen weiter verbreiten.

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Article written by Björn

Linksammlung 2009-01-27

Ein Video eines im November 2009 in Moskau gehaltenen Vortrages von Jürgen Habermas mit dem Titel “Religion, Law and Politics – On Political Justice in a Multicultural World Society” ist hier zu sehen. (Das Weblog Political Theory verlinkte es unter dem Titel “The Internal Relationship Between Human Dignity and Human Rights”. Von dort auch der Link zu einem Video einer Diskussion von Habermas mit russischen Kollegen).

Die Beiträge zur jüngsten Ausgabe der Hume Studies, Volume 34, Number 1, April 2008 sind als HTML- und als PDF-Version kostenlos erhältlich. Darin u.a.:
- Politeness, Paris and the Treatise
- Reason in Hume’s Passions
- A Conversation between Annette Baier and Anik Waldow about Hume’s Account of Sympathy
- The Miseries of Life: Hume and the Problem of Evil

Article written by Björn

Zensur

December 13, 2009 | Filed Under Politische Philosophie, Worte | 1 Comment

Die deutschen Zensoren – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - -Dummköpfe – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - – - -
(Heinrich Heine)

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Milton Friedman über Gier und Kapitalismus

July 31, 2009 | Filed Under Geschichte, Liberalismus, Politik, Politische Philosophie, Sozialphilosophie, Ökonomie | Comments Off


[via]

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Podcast und Bericht zu Amartya Sens Buchvortsellung

July 29, 2009 | Filed Under Buecher, Liberalismus, Politische Philosophie, Rechte, Sozialphilosophie, Ökonomie | Comments Off

Am Montag hat Amartya Sen an der LSE einen Vortrag aus Anlass der Veröffentlichung seines neuen Buches “The Idea of Justice” gehalten.

Die LSE bietet den Vortrag als MP3-Datei zum Download an.
Die Zeitung The Telegraph aus Kalkutta berichtet über das Ereignis.

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Porträt über und Vortrag von Amartya Sen

July 24, 2009 | Filed Under Buecher, Liberalismus, Links, Politische Philosophie, Sozialphilosophie, Ökonomie | Comments Off

The Independent hat ein ausführliches Porträt von Amartya Sen (Nobelpreis für Ökonomie 1998) [via greater or smaller].
Aus Anlass der Veröffentlichung seines neuen Buches “The Idea of Justice” hält Sen nächsten Montag an der London School of Economis einen Vortrag (6.30-8pm britische Zeit), der als Live Webcast verfolgt werden kann.



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Band mit Aufsätzen von Viktor Vanberg (Einführung Hans Albert)

July 18, 2009 | Filed Under Buecher, Liberalismus, Politische Philosophie, Sozialphilosophie, Ökonomie | Comments Off

Anlässlich des 65. Geburtstags Viktor Vanbergs haben Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth einen Band mit Aufsätzen Vanbergs herausgegeben, der nun als unveränderte Studienausgabe vorliegt: “Wettbewerb und Regelordnung“. Eine Einführung mit dem Titel “Viktor Vanberg und das sozialwissenschaftliche Erkenntnisprogramm” hat Hans Albert verfasst.
Vanberg war unter anderem Mitarbeiter James Buchanans, Leiter des Walter Eucken-Instituts und Professor für Wirtschaftspolitik. Seine Texte zeichnen sich durch klare Argumentation und leichte Lesbarkeit aus. Er untersucht die methodologischen und sozialphilosophischen Grundlagen eines Programms, das Buchanans Verfassungsökonmik und den durch den Evolutionsgedanken geprägten Liberalismus Friedrich August Hayeks ausformulieren will. Er plädiert für eine Ökonomik als erfahrungswissenschaftlich orientierte “Lebenswissenschaft”, und knüpft damit an Hans Alberts Kritik des ökonomischen “Modell-Platonismus” an.

Sein Ansatz steht in der individualistischen Tradition der Schottischen Moralphilosophie, den er 1975 in dem Buch “Die zwei Soziologien. Individualismus und Kollektivismus in der Sozialtheorie” dargestellt hat. Dieses Buch ist ein Meilenstein der sozialphilosophischen Literatur, in dem es die zwei gegensätzlichen Leitbilder, die die Sozialwissenschaften der letzten Jahrhunderte geprägt haben, analysiert.

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Außenminister Steinmeier (SPD) sendet Habermas Glückwunschschreiben

Außenminister Steinmeier hat Jürgen Habermas zu dessen 80. Geburtstag ein offizielles Glückwunschschreiben übersandt, das auf der Webseite des Auswärtigen Amtes nachzulesen ist.
Steinmeier schreibt, Habermas stehe als kritischer Aufklärer “in einer der besten Traditionen unseres Landes“. Ohne Habermas “wäre das Nachdenken über und das politische Handeln für ein soziales und demokratisches Europa nicht möglich“. “Ihre Anregungen und Hinweise haben mein politisches Denken und Handeln nachhaltig beeinflusst. Für ein soziales Europa, gegen Marktradikalismus und Neoliberalismus und für eine weltweite Verantwortungsgemeinschaft.” Habermas sei die europäische Stimme der Vernunft, die die “Neubegründung der großen europäischen Werte” gestärkt habe.

Der ehemalige Kulturstaatsminister unter Gerhard Schröder, Julian Nida-Rümelin, würdigt Jürgen Habermas im Tagesspiegel. Dabei blickt er zurück auf Gespräche mit Habermas beim Kulturforum der Sozialdemokratie in den Jahren 1998 und 2008.

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Generation Me: Eine narzisstische (selbstverliebte) Jugend

Jean Twenge und W. Keith Campbell analysieren Studien, die zeigen, dass es generationelle Unterschiede bezüglich des Narzissmus gibt: die jüngere Generation (“Generation Y”) sei erheblich individualistischer als die ihr vorausgehenden. Sie beschäftige sich stärker mit den eigenen Wünschen, sei selbstbewusster – aber auch unglücklicher als ältere Generationen. Das Befolgen von Pflichten und sozialen Regeln sei ihr weniger geläufig.

Aus der Kommunitarismusdebatte der 80er und 90er Jahre sind diese Diagnosen den Philosophen bereits vertraut. Sie hat uns darauf vorbereitet, über Umgangsformen mit diesem Phänomen nachzudenken. Eine Lösung haben wir noch nicht gefunden, was zu einem erheblichen Teil der ideologischen Unterfütterung geschuldet ist, mit der manche Positionen in dieser Debatte vertreten wurden. Wer vorgebliche Ursachen aus ideologischen Gründen überzeichnet, wer bei praktischen Alternativen das Kind mit dem Bade ausschüttet, der löst eben kein Problem. Dennoch ist die Debatte nach wie vor aktuell. Es gibt eine Vielzahl von wertvollen Beiträgen und umsichtigen Anaylsen. Die Bewahrung oder Wiederbelebung (oder Neuerschaffung) des Gemeinsinns in einer pluralistischen Gesellschaft (d.h. ohne Bezug auf orthodoxe oder okkulte Authoritäten) ist eine der wichtigsten sozialen Aufgaben unserer Zeit.

Article written by Björn

Russells Reith-Lecture online hören

Bei der BBC gibt es jährlich die Reith Lectures, deren Ziel so beschrieben wird: “Series of annual radio lectures on significant contemporary issues, delivered by leading figures from the relevant fields.
Die Lectures der vergangenen zehn Jahre werden regelmäßig auf der Webseite der BBC als Audiodatei zur Verfügung gestellt. Aber auch einige ältere sind dort abrufbar, darunter die erste aus dem Jahr 1948, von Bertrand Russell mit dem Titel “Authority and the Individual” (Format: Real Audio). [via]

Article written by Björn
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