Archive for category Politik

Der nicht mehr neokonservative Francis Fukuyama

Francis Fukyama, der nach dem Ende des Sowjetmarxismus durch das (in der Regel von links wie rechts missverstandene) “Ende der Geschichte” bekannt wurde, hat vor einiger Zeit den Neokonservativen den Rücken gekehrt. Newsweek hat mit ihm über seine Gründe dafür und darüber gesprochen, wie er die aktuellen Entwicklungen der Weltpolitk sieht.

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Praktisch denken

In einem neuen Artikel bei “Metaphilosophy” konstatiert Philip Kitcher, dass die zeitgenössische (englischsprachige) Philosophie in einer Art scholastischer Selbsthingabe um sich selbst kreise. Es sei aber Aufgabe der Philosophen, sich mit Themen zu beschäftigen, die in der Gegenwart aktuell sind. [via Leiter Reports, interessante Kommentare]

Diese Frage lässt sich natürlich auch für die deutschsprachige Philosophie aufwerfen, und sie wird ja auch immer mal wieder diskutiert. Kitchers Darstellung scheint mir zutreffend zu sein. Er weiß wovon er spricht. Und meines Erachtens betrifft dies nicht nur eine “Schulrichtung”.

Tatsächlich gibt es natürlich Philosophen, die sich mit aktuellen Fragen der Zeit beschäftigen. Und es ist natürlich auch richtig, dass sich Philosophen mit Spezialfragen ihrer Disziplin beschäftigen müssen. Außerdem ist es auch so, dass die Öffentlichkeit nicht immer Beiträge von Philosophen zu Fragen der Zeit zur Kenntnis nimmt, sei es, weil sie nicht den Moden des Zeitgeistes entsprechen, oder weil sie in den betreffenden Debatten von schrillen Polemiken übertönt werden, die ja oft wirkungsvoller sind.
Es wäre schon Einiges gewonnen, wenn die Philosophen innerhalb ihres Faches häufiger Standpunkte zu aktuellen Fragen der Zeit diskutieren würden, in der Hoffnung, dass sich daraus Übersichten und Kommentare ergeben, die ein breiteres Publikum mit Argumenten versorgen.

Einen übrigens recht konkreten Artikel zu brennenden Fragen der Zeit hat der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz bei Vanity Fair veröffentlicht. Er kritisiert darin die krasse Ungleichheit in den USA, die, gestützt auf unzutreffende Argumente, durch die Politik verstärkt werde. Doch Stieglitz hält diese Ungleichheit für zerstörerisch.

Vielleicht sollten Philosophen auch häufiger mal bei Brigitte oder Schöner Wohnen schreiben.

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Kommission statt Konsequenzen?

Angela Merkel hat heute erklärt, dass eine Ethikkommission eingesetzt wird, die über die Kernenergie beraten wird. Ist das Pseudopolitik? Ethikkommissionen sind da sinnvoll, wo es für die Bewertung der in Frage stehenden Sachverhalte aus der Vergangenheit noch keine bewährten Maßstäbe gibt. Das ist bei der Kernenergie nicht der Fall: alle Sachverhalte liegen klar zutage, und deren Bewertung ist sehr einfach durchzuführen. Was eine Ethikkommission da erreichen soll, ist fragwürdig. Ich bin gespannt, wer in diese Kommission berufen werden wird, und wie man deren Arbeit rechtfertigen wird. Bislang ist nur bekannt, dass Klaus Töpfer (CDU) und der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, die Kommission leiten sollen.

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Wahrheit und Lüge in der Demokratie

Da haben sie im Bundestag bei der Aussprache zu Guttenbergs Promotionsverhalten die moralische Latte ganz schön hoch gehängt. Dem interessierten und unparteilichen Beobachter konnte es womöglich kalt den Rücken runterlaufen. Wurde da wirklich die Moral verteidigt, oder war sie nur ein billiges Kampfmittel im unmoralischen Sumpf der Rhetorik auf allen Seiten? Glaubwürdigkeit, Wahrheit, Zuverlässigkeit wurden ins Feld geführt und trafen auf eine Realität, in der ja schon länger gelegentlich der Eindruck aufkommt, als würden diese rationalen Standards von Parteipolitikern aller Coleur nicht immer eingehalten. Gerade bei den medial hochgepuschten Skandalen haben die Lautsprecher von rechts und von links in puncto Wahrhaftigkeit und moralischer Stichhaltigkeit selten eine gute Figur abgegeben. Sollen wir also ernsthaft glauben, dass es diesmal um akademische, demokratische und moralische Standards ging?
Gewiss – Klingeln gehört zum Geschäft, und die Hoffnung auf Politik ohne Pauken und Trompeten darf man zwar hegen, aber ihre Verwirklichung wohl kaum erwarten. Man kennt das – aus dem alten Rom ebenso wie aus dem modernen, aus Washington genauso wie aus Berlin: ausufernde Polemik, bombastische Worthülsen, schmutzige Verleumdungen, populistische Übervereinfachung. In undemokratischen Systemen steht die Lüge im Rang der Wahrheit. In demokratischen ist sie wenigstens der Idee nach möglich: zahlreiche Regularien, Institutionen und formale Prozesse sorgen für die notwendigen checks and balances, um den weniger moral- und demokratiefesten Teilnehmern nicht völlig freie Hand beim Verbiegen der Realität zu lassen. Tugendlose Unholde sind recht schmerzfrei beim Treiben ihres Unwesens. Wir sollten darauf achten, dass sie es uns nicht auch noch als moralisch wertvoll andrehen. Der Fall gestern war – unabhängig vom beteiligten Personal und der gegebenen Parteienkonstellation – wieder mal einer der verdächtigen: es fielen die Stichwörter Wahrheit, Lüge und Demokratie. Deren Realisierung müssen wir verteidigen, vor deren Instrumentalisierung müssen wir auf der Hut sein.
Auch wer meint, dass es im Fall Guttenberg mit einem einfachen Kopfschütteln nicht getan ist, muss nicht der Ansicht sein, dass mit dem begrifflichen Kaliber, das hier rhetorisch abgefeuert wird, der behaupteten moralischen Sache gedient ist. Aber das war ja bei ungezählten inszenierten Skandalen zuvor auch schon so. Und das muss man nicht als gegeben hinnehmen.
Ich habe meine Zweifel, dass in Fällen wie diesen die Rede von der Zäsur, also einer Veränderung der Demokratie, der Demokratie dient, weil die Erfahrung zeigt, dass nicht jeder, der sich als Anwalt einer Sache ausgibt, diese Sache uneigennützig vertritt.

Update: Diesen Ausführungen eines Nicht-Politikers kann ich mich eher anschließen.

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Nach der Autokratie

Was folgt nach der Autokratie in den arabischen Staaten? Diese Frage stellt diese Karikatur.

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Energie-Armut: Alter, Armut und Heizkosten in UK

Diese interessante Infografik veranschaulicht ein wachsendes Problem in Großbritannien: immer mehr ältere Menschen können sich die Energiekosten zum Beheizen ihrer Wohnung im Winter nicht leisten. 1,7 Millionen Haushalte sollen bereits in “Energie-Armut” leben.

Zahlen aus Deutschland sind mir nicht bekannt. Aber bei ständig steigenden Energiekosten wird dieses Problem auch nicht an den sozial Schwachen hierzulande vorbeigehen.

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Peter Singer über offene Diplomatie und WikiLeaks

Peter Singer reflektiert in einem kurzen Kommentar über den politischen Anspruch von WikiLeaks. Er bringt auf gewohnt klare Weise einige zentrale Argumente zusammen, die Befürworter und Gegner in ihrer aufgeregten Propaganda bislang selten angemessen würdigen. Seine Haltung zu WikiLeaks ist differenziert, gerade auch deshalb, weil Informationen differenziert gehandhabt werden müssen: “Suppose that US diplomats had discovered that democrats living under a brutal military dictatorship were negotiating with junior officers to stage a coup to restore democracy and the rule of law. I would hope that WikiLeaks would not publish a cable in which diplomats informed their superiors of the plot.

Offene Informationen sind für Demokratien einerseits, faire und friedliche Abläufe in der Weltpolitik andererseits unverzichtbar – WikiLeaks zielt auf einen eklatanten Mangel, den politische Regimes überall auf der Welt haben. Es bleibt zu hoffen, dass wir bekommen, was wir brauchen. “It is therefore regrettable that the most likely outcome of the recent revelations will be greater restrictions to prevent further leaks.

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Stasi-IM am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung

Ein langjähriger Mitarbeiter des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung in Dresden soll zu DDR-Zeiten als IM der Stasi Informationen beschafft haben. Dabei soll er auch, wie die NZZ berichtet, “einen Doktoranden der Philosophie wegen seines Abgleitens in subjektiven Idealismus denunziert” haben. Das Kuratorium des Instituts wird sich am Dienstag mit der Angelegenheit befassen. Vorwürfe gegen den Mitarbeiter und Verantwortliche werden von verschiedenen Seiten laut. Nach einem Bericht der WELT brachte ein “mit ehemaligen MfS-Kadern gut vernetzter” Altstalinist den Fall ins Rollen, als er aus Ärger über Äußerungen des Institutsmitarbeiters einen “Drohbrief” an das Institut geschrieben haben soll.

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Kampagnen und Polemik

Paul Krugman meint, die Demokraten in den USA sollten einfach aggressiver in ihren Kampagnen auftreten, wie es die Republikaner auch immer tun. Schließlich habe Harry Reid damit Erfolg gehabt.
Interessant, aber ob’s stimmt? War Reids Gegenkandidatin vielleicht einfach zu schlecht? Und ist die Welt besser, wenn Demokraten nicht auch noch polemisch, sondern lieber vernünftig argumentieren (d.h., können wir noch mehr von der Scheiße überhaupt vertragen?) Natürlich wundert man sich, wie die Republikaner und andere rechte Spinner mit ihren abstrusen Äußerungen durch- und ankommen.

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Literatur, Kultur, Politik, Internet

Drei Artikel:

Die Provinz, die Schweden ist: Schwedische Kommentatoren sind mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Mario Vargas Llosa nicht einverstanden – weil er auf der falschen politischen Seite stehe. Johan Norberg wundert sich über seine Kollegen: disqualifiziert sich ein Schriftsteller, weil er einen Liberalismus in der Tradition von John Locke und Adam Smith befürwortet? Weil er sich vom Kommunismus abgewendet hat, weil er entsetzt ist über das Leid, das sozialistische Machthaber verursacht haben? “He moved on not because he was no longer able to sympathise with the poor and oppressed, but because he still did when others began to identify more with the revolutionaries than with the people in whose name they made the revolution. He saw that Castro persecuted homosexuals and imprisoned dissenters. While other socialists kept quiet and thought that the dream justified the means, Vargas Llosa began to ask himself the difficult questions about why his ideals looked more like prison camps than socialist utopias when realised.

James Buchan rezensiert beim Guardian Peter Watsons Buch “The German Genius”

Braucht Poesie Papier? Gefährdet die Veränderung der Medien den Reichtum und die Vielfalt künstlerischen Schaffens? Schrumpft der Kontext und veräbdert dadurch die Sprache, wie Don DeLillo meint?

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Hysterie statt Rationalität

Was ich in der letzten Zeit als lähmend empfinde, und was meines Erachtens tatsächlich auch Beobachter und Teilnehmer in verschiedenen Bereichen lähmt, ist das implizite Verbot, die “nicht-richtigen” Positionen zur Kenntnis zu nehmen, zu untersuchen und zu diskutieren – und das auf ganz unterschiedlichen Feldern der Politik, der Kultur, der Technologie. Wer es dennoch wagt, kann mit hysterischen Reaktionen rechnen.
Es ist der Mechanismus des Schulhofs, des Fanclubs, des Stammtischs, der die wichtigen Debatten prägt.

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Öffentlich oder privat? Was Sokrates uns heute sagt

Angus Kennedy rezensiert bei Spiked das neue Buch von Bettany Hughes – “The Hemlock Cup”. Kennedy beschreibt zunächst Sokrates’ Einstellung zur Rolle der philosophischen Diskussion in der öffentlichen Debatte. Sokrates’ Fragen konnten seine Gesprächspartner nerven. Zwar sagt er in der “Apologie”, für die Gesundheit ist es klüger, im Privaten zu philosophieren und der Politik fern zu bleiben. Allerdings spielte die Politik und die politische Diskussion in der Öffentlichkeit des antiken Athens eine ungleich größere Rolle als heute bei uns. Sokrates hätte die Art, wie heute Sprache in Politik und Wirtschaft verbogen wird, scharf kritisiert. Deshalb, so Kennedy und Hughes, brauchen wir ihn heute als Vorbild, um Werte, Sinn und Wissen wieder zu verstehen.

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