Archive for category Politik
Sloterdijk for President
Posted by Björn in Humor, Leute, Politik, Verschiedenes on 2012/02/24
Der Musiker Heinz-Rudolf Kunze kann sich Peter Sloterdijk als Bundespräsidenten vorstellen. Dies würde dem Vorbild der klassischen griechischen Demokratie entsprechen und Sloterdijk außerdem zwingen, sich einfacher auszudrücken. Aber auch dem griechischen Philosophen Otto “Rehakles” Rehagel würde Kunze das Amt des Bundespräsidenten zutrauen.
Wahlkampfniveau
Posted by Björn in Politik, Verschiedenes on 2012/02/07
Neueste Attacken im amerikanischen Wahlkampf: Obama ist ein Platoniker (sprich: “wie die Europäer”) und Mitt Romney spricht Französisch! Die philosophische Aufklärung über Obama stammt übrigens von einem ehemaligen Berater für die Privatisierung der Britischen Eisenbahn.
Die Frankophobie-Karte wurde in diesem Wahlkampf allerdings offenbar zuerst von den Demokraten gezogen (nachdem in früheren Jahren die Republikaner dieses Argument darlegten), und jetzt ist Newt Gingrich auf diesen Zug aufgesprungen.
Wenn das Beherrschen einer Fremdsprache zum Vorwurf wird, liegt es nahe, das Schulsystem gründlich zu entrümpeln.
Axel Honneth im TV-Interview
Posted by Björn in Ökonomie, Leute, Politik, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2012/01/30
Im Schweizer Fernsehen wurde Axel Honneth zu seinem neuen Buch “Das Recht der Freiheit” interviewt. Das Interview kann als Video im Portal der Sternstunden Philosophie oder beim Suhrkamp-Verlag angesehen werden, oder von der Webseite der Sternstunden runtergeladen werden (Videolink, Audiolink). [via Habermas-Rawls-Blog]
In dem einstündigen Gespräch spricht Honneth von “einer seltsamen Aktualität” der Kritischen Theorie. “Ich hab das auch selber nie für möglich gehalten, weil ich immer dachte, es ist doch veralteter als man meint. Gerade so Überlegungen … zu dem, was man die Durchökonomisierung nennen könnte, dass tatsächlich mehr und mehr Lebensbereiche erfasst werden von einem ökonomischen Imperativ …“. Diese Diagnose sei besonders in Adornos “Minima Moralia” zu finden.
Weitere Beiträge zu Honneths Buch findet man im Philoblog ausgehend von diesem Link.
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Die Brutalität von Trotzki und Stalin
Posted by Björn in Geschichte, Politik, Verschiedenes on 2011/10/31
Richard Pipes, emeritierter Geschichtsprofessor der Harvard University, bezweifelt in seiner Rezension von Joshua Rubensteins Biografie über Leo Trotzki, dass Trotzki ein weniger grausames Monster als Stalin gewesen wäre, wenn er der Nachfolger Lenins geworden wäre. Dazu führt Pipes einige Tatsachen auf und bringt zustimmend ein Zitat von George Orwell, der Trotzki ebenfalls nicht für menschlicher hielt als Stalin: “The essential act is the rejection of democracy – that is of the underlying values of democracy“.
Thomas Scanlon über Libertarianismus und Freiheit
Posted by Björn in Ökonomie, Liberalismus, Politik, Politische Philosophie on 2011/10/21
Thomas Scanlon bezweifelt in der Boston Review, dass die politischen Programme des Libertarianismus (weniger Staat, weniger Steuern …) sich auf indidividuelle Freiheit als Grundwert berufen können.
Occupy Philosophy
Posted by Björn in Internet, Links, Politik, Verschiedenes on 2011/10/15
Das Blog Occupy Philosophy wurde eingerichtet, um die Solidarität professioneller Philosophen mit der Occupy-Wall-Street-Bewegung zum Ausdruck zu bringen.
Demokratie und das Netz
Posted by Björn in Antike, Ökonomie, Geschichte, Internet, Politik, Privacy, Privatsphaere on 2011/10/10
Johnny Haeusler hat sich ein paar Gedanken zur Zukunft der Demokratie gemacht, und sie mit den aktuellen Netzdebatten in Deutschland verknüpft. Er selbst tendiert dazu, die “Furcht vor dem Niedergang der Demokratie als reine Dystopie anzusehen“, gibt aber doch zu bedenken, dass es historisch durchaus Belege für Gefährdungen der Demokratie gibt.
So ganz aus der Luft gegriffen ist die Sorge um die Demokratie nicht. Und auch der Bezug zur Netzdebatte ist gegeben. Wenn in der Modehauptstadt Berlin bei Diskussionen um das Internet von “Post-Privacy” und “Post-Democracy” die Rede ist, dann ist das nicht einfach nur ein Spaß, sondern erinnert an Stimmungen, die der Demokratie in Deutschland schon immer das Leben schwer gemacht haben. Man muss sich fragen, ob solche großzügigen historischen “Utopien” nicht dazu beitragen, das selbstverständlich gewordene Erreichte auszuhöhlen, – und wer davon profitieren wird. In der Vergangenheit waren das jedenfalls nicht die idealistischen Utopisten.
In der Gegenwart gibt es zahlreiche Anlässe, sich Sorgen zu machen. Die Entwicklungen in Ungarn und Russland – alle unterfüttert von einer esoterischen Ideologie – sind die schlagendsten Beispiele direkt vor der Haustür. In dem EU-Staat Ungarn zieht sich das bereits bis in die Bildungs- und Kulturpolitik.
Eine der größten gegenwärtigen Bedrohungen für die demokratische Zivilisation ist die Ökonomie. Allein schon die globale Finanzwirtschaft stellt die sozialen und kulturellen Errungenschaften in Frage. Das Schreckgespenst, dass sie politische Erschütterungen auslöst, nach denen wir von Freiheit und Gerechtigkeit nichts mehr wiedererkennen, ist allgegenwärtig. Dieses Muster ist in der Geschichte jedenfalls öfter anzutreffen. Und es wäre fatal, deshalb von “historischen Notwendigkeiten” zu faseln und sich darauf zu freuen, dass sich die Situation “verschärft”, um Missstände los zu werden, die im Vergleich mit dem, was dann in aller Regel folgt, wie harmlose kleine Stolpersteine wirken.
Ein Blick weit zurück: Der Historiker Theodor Mommsen hat vor 150 Jahren seine “Römische Geschichte” geschrieben. Er bewertet Ciceros Verteidigung der Römischen Republik gegen Caesars Aktivitäten als unausgegoren und sogar historisch unangebracht – die Republik war nicht mehr zu verteidigen, irgendwer muss schließlich aufräumen. Man kennt das – in Deutschland war das auch mal populär.
Die Bewertung dieser historischen Vorgänge vor über 2000 Jahren hat sich mittlerweile geändert. Bemerkenswert bleibt aber Mommsens Beschreibung der Umstände, unter denen es zum Niedergang der Republik kam. Überall im römischen Reich habe das “das allmaechtig regierende Kapital den Mittelstand zugrunde gerichtet“. Das Land wird aus ökonomischen Interessen verwüstet, Städte veröden, unzählige Menschen verarmen, das Proletariat wächst ungeheuer an. Eine Politik zum Allgemeinwohl existiert bzw. funktioniert so gut wie gar nicht. (Bd. 5, 12. Kapitel)
Auch im 11. Kapitel schildert Mommsen den krassen Unterschied von Arm und Reich, die Korruption und den fehlenden Schutz gegen explodierende Preise, Kriminalität oder Feuer.
Und das- so Mommsen – ist die “republikanische Herrlichkeit …, deren Untergang Cicero und seine Genossen in ihren Schmollbriefen betrauern.” (Bd. 5, 11. Kapitel)
Mommsens Fazit klingt ganz wie aktuelle Polemik – “Du möchtest eine historische Errungenschaft bewahren? Schmoll doch nicht!”
Um wieder in die Gegenwart zu kommen: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Gerät sie von allen Seiten unter Druck, hat sie einen schweren Stand. Wenn es auch noch an Bereitschaft fehlt, sie gegen ideologische Fantasien zu stützen, dann haben Partikularinteressen leichtes Spiel, an die Hebel der Macht zu gelangen. Die entscheidenden Faktoren, die dafür sorgen, dass Demokratie eine Zukunft hat, in der Balance zu halten, ist eine komplexe Angelegenheit. Zu polemisieren und historische Prophezeiungen zu machen, ist dagegen leicht. Ein wenig mehr Bescheidenheit und Realismus in der Analyse täte gerade den Netzdebatten, die die “große Veränderung” thematisieren, sehr gut.
Keynes vs. Hayek – Teil 789
Soll die Öffentliche Hand investieren oder sparen? Soll man Keynes oder Hayek folgen? Die BBC hat dazu eine aktuelle Debatte vom 26. Juli an der London School of Economics als Podcast veröffentlicht.
Universität Oxford lehnt das Bildungsprogramm der Regierung ab
Posted by Björn in Akademisches, Politik, Verschiedenes on 2011/06/11
In Großbritannien herrscht viel Unmut und Aufregung, seitdem die neue Regierungskoalition ihr Programm der Bildungsfinanzierung verkündet hat. Geistes- und Kulturwissenschaften erhalten weniger Geld, mehrere Departments werden geschlossen, Studiengebühren werden erhöht.
Nun hat die Universität Oxford formell erklärt, sie besitze “no confidence” in diese Bildungspolitik. Der Historiker Robert Gildea nennt die politischen Maßnhamen “rücksichtslos, inkohärent und inkompetent”. Auch in Cambridge soll man an einem offiziellen Votum im Sinne von “no confidence” arbeiten.
David Humes 300. Geburtstag – 3. Teil
Posted by Björn in David Hume, Emotionen, Geschichte, Glück, Philosophiegeschichte, Politik, Politische Philosophie on 2011/05/09
Aus den zahlreichen Postings zu Humes 300. Geburtstag möchte ich noch Folgendes hervorheben:
Wie David Hume unglücklich in Mme. de Boufflers verliebt war und ihr dennoch lebenslang ein freundlicher Berater blieb.
Bei Crooked Timber nimmt Cosma Shalizi die Aufstände in Nordafrika zum Anlass, bei Hume nachzusehen.
Pazifismus im 1. Weltkrieg
Posted by Björn in Geschichte, Leute, Philosophiegeschichte, Politik on 2011/05/07
Hier ein Stück über britische Kriegsdienstverweigerer im 1. Weltkrieg und Bertrand Russells pazifistisches Engagement.
Skandal um die Zeitschrift SYNTHESE?
Posted by Björn in Biologie, Naturwissenschaft, Philosophie allgemein, Politik on 2011/04/27
Ein Special Issue der Zeitschrift Synthese wird derzeit heiß diskutiert, insbesondere deshalb, weil es die Herausgeber für notwendig erachteten, einen Disclaimer zu dieser Ausgabe zu veröffentlichen. Ein Aufsatz dieser Zeitschrift kritisierte die epistemologischen Grundlagen des Intelligent Design, und wurde durch eine persönliche Attacke eines Vertreters dieser politischen Bewegung beantwortet. Die Reaktionen darauf im Internet sind zahlreich und vielfältig. Einer der Hauptkritikpunkte besagt, dass die Herausgeber durch ihren Disclaimer eine sorgfältige philosophische Position zugunsten einer zweifelhaften, politisch motivierten Attacke diskrediert haben. Möglicherweise ist dieses Blogposting bei New APPS einer guter Ausgangspunkt mit weiteren Links zu dieser Debatte.
Hier ein informatives Update.