Archive for category Ökonomie

Axel Honneth im TV-Interview

Im Schweizer Fernsehen wurde Axel Honneth zu seinem neuen Buch “Das Recht der Freiheit” interviewt. Das Interview kann als Video im Portal der Sternstunden Philosophie oder beim Suhrkamp-Verlag angesehen werden, oder von der Webseite der Sternstunden runtergeladen werden (Videolink, Audiolink). [via Habermas-Rawls-Blog]

In dem einstündigen Gespräch spricht Honneth von “einer seltsamen Aktualität” der Kritischen Theorie. “Ich hab das auch selber nie für möglich gehalten, weil ich immer dachte, es ist doch veralteter als man meint. Gerade so Überlegungen … zu dem, was man die Durchökonomisierung nennen könnte, dass tatsächlich mehr und mehr Lebensbereiche erfasst werden von einem ökonomischen Imperativ …“. Diese Diagnose sei besonders in Adornos “Minima Moralia” zu finden.

Weitere Beiträge zu Honneths Buch findet man im Philoblog ausgehend von diesem Link.

.

. .

, , , , , ,

1 Comment

Thomas Scanlon über Libertarianismus und Freiheit

Thomas Scanlon bezweifelt in der Boston Review, dass die politischen Programme des Libertarianismus (weniger Staat, weniger Steuern …) sich auf indidividuelle Freiheit als Grundwert berufen können.

, , , , , ,

No Comments

Demokratie und das Netz

Johnny Haeusler hat sich ein paar Gedanken zur Zukunft der Demokratie gemacht, und sie mit den aktuellen Netzdebatten in Deutschland verknüpft. Er selbst tendiert dazu, die “Furcht vor dem Niedergang der Demokratie als reine Dystopie anzusehen“, gibt aber doch zu bedenken, dass es historisch durchaus Belege für Gefährdungen der Demokratie gibt.

So ganz aus der Luft gegriffen ist die Sorge um die Demokratie nicht. Und auch der Bezug zur Netzdebatte ist gegeben. Wenn in der Modehauptstadt Berlin bei Diskussionen um das Internet von “Post-Privacy” und “Post-Democracy” die Rede ist, dann ist das nicht einfach nur ein Spaß, sondern erinnert an Stimmungen, die der Demokratie in Deutschland schon immer das Leben schwer gemacht haben. Man muss sich fragen, ob solche großzügigen historischen “Utopien” nicht dazu beitragen, das selbstverständlich gewordene Erreichte auszuhöhlen, – und wer davon profitieren wird. In der Vergangenheit waren das jedenfalls nicht die idealistischen Utopisten.

In der Gegenwart gibt es zahlreiche Anlässe, sich Sorgen zu machen. Die Entwicklungen in Ungarn und Russland – alle unterfüttert von einer esoterischen Ideologie – sind die schlagendsten Beispiele direkt vor der Haustür. In dem EU-Staat Ungarn zieht sich das bereits bis in die Bildungs- und Kulturpolitik.

Eine der größten gegenwärtigen Bedrohungen für die demokratische Zivilisation ist die Ökonomie. Allein schon die globale Finanzwirtschaft stellt die sozialen und kulturellen Errungenschaften in Frage. Das Schreckgespenst, dass sie politische Erschütterungen auslöst, nach denen wir von Freiheit und Gerechtigkeit nichts mehr wiedererkennen, ist allgegenwärtig. Dieses Muster ist in der Geschichte jedenfalls öfter anzutreffen. Und es wäre fatal, deshalb von “historischen Notwendigkeiten” zu faseln und sich darauf zu freuen, dass sich die Situation “verschärft”, um Missstände los zu werden, die im Vergleich mit dem, was dann in aller Regel folgt, wie harmlose kleine Stolpersteine wirken.

Ein Blick weit zurück: Der Historiker Theodor Mommsen hat vor 150 Jahren seine “Römische Geschichte” geschrieben. Er bewertet Ciceros Verteidigung der Römischen Republik gegen Caesars Aktivitäten als unausgegoren und sogar historisch unangebracht – die Republik war nicht mehr zu verteidigen, irgendwer muss schließlich aufräumen. Man kennt das – in Deutschland war das auch mal populär.
Die Bewertung dieser historischen Vorgänge vor über 2000 Jahren hat sich mittlerweile geändert. Bemerkenswert bleibt aber Mommsens Beschreibung der Umstände, unter denen es zum Niedergang der Republik kam. Überall im römischen Reich habe das “das allmaechtig regierende Kapital den Mittelstand zugrunde gerichtet“. Das Land wird aus ökonomischen Interessen verwüstet, Städte veröden, unzählige Menschen verarmen, das Proletariat wächst ungeheuer an. Eine Politik zum Allgemeinwohl existiert bzw. funktioniert so gut wie gar nicht. (Bd. 5, 12. Kapitel)
Auch im 11. Kapitel schildert Mommsen den krassen Unterschied von Arm und Reich, die Korruption und den fehlenden Schutz gegen explodierende Preise, Kriminalität oder Feuer.
Und das- so Mommsen – ist die “republikanische Herrlichkeit …, deren Untergang Cicero und seine Genossen in ihren Schmollbriefen betrauern.” (Bd. 5, 11. Kapitel)

Mommsens Fazit klingt ganz wie aktuelle Polemik – “Du möchtest eine historische Errungenschaft bewahren? Schmoll doch nicht!”

Um wieder in die Gegenwart zu kommen: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Gerät sie von allen Seiten unter Druck, hat sie einen schweren Stand. Wenn es auch noch an Bereitschaft fehlt, sie gegen ideologische Fantasien zu stützen, dann haben Partikularinteressen leichtes Spiel, an die Hebel der Macht zu gelangen. Die entscheidenden Faktoren, die dafür sorgen, dass Demokratie eine Zukunft hat, in der Balance zu halten, ist eine komplexe Angelegenheit. Zu polemisieren und historische Prophezeiungen zu machen, ist dagegen leicht. Ein wenig mehr Bescheidenheit und Realismus in der Analyse täte gerade den Netzdebatten, die die “große Veränderung” thematisieren, sehr gut.

, , , , , ,

No Comments

Keynes vs. Hayek – Teil 789

Soll die Öffentliche Hand investieren oder sparen? Soll man Keynes oder Hayek folgen? Die BBC hat dazu eine aktuelle Debatte vom 26. Juli an der London School of Economics als Podcast veröffentlicht.

, , , ,

No Comments

Tyler Cowen rezensiert Parfits “On what matters”

Interessante Rezension bei Marginal Revolution zu Derek Parfits “On what matters“:

Tyler Cowen ist nicht überzeugt von Parfits – einem seiner “favorite philosophers” – Hauptargumenten. Der zentrale Teil des Buches schreie nach Formalisierung “or at the very least citations to formalized game theory“. Und nicht nur das:

Parfit is operating in the territory of solution concepts and game-theoretic equilibrium refinements, but with nary a nod in their direction. By the end of his lengthy and indeed exhausting discussions, I do not feel I am up to where game theory was in 1990.

I read the standard game-theoretic results as implying that ethics is a far more indeterminate enterprise than Parfit might like to see. Any particular specification of rule consequentialism tends to require increasingly baroque refinements to cover all the different possible kinds of situations.

Parfits Diskussion des Konsequenzialismus verfehle “the questions defined by where the frontier — choice theory and not just philosophic ethics — has been for some time“. Bis diese Fragen nicht geklärt seien, sei eine Integration mit dem Kontraktualismus nicht möglich.

Außerdem wundert sich Cowen – wie ich auch – über die Danksagungsliste im Vorwort. Und er verweist neben der hier im Blog schon verlinkten positiven Rezension von Peter Singer auf eine weitere, eher kritische von Constantine Sandis.

Nachtrag: Jussi Suikkanen, der zusammen mit John Cottingham das Buch “Essays on Derek Parfit’s On What Matters” (Blackwell, 2009) herausgegeben hat, schreibt eine Kurzrezension, in der er einige Probleme von Parfits Buch anspricht, die sich seiner Methode verdanken: “What strikes me most now is the philosophical method which Parfit employs again and again throughout the book. It is the oldest tool in the philosophers’ kit. Parfit proceeds by attacking familiar versions of general ethical principles with innovative counterexamples. He then makes these principles more and more sophisticated until they survive the thought-experiments.

.

. .

, , , , , , , ,

3 Comments

Ulrich Beck, Jürgen Habermas, Bernard-Henri Lévy und andere fordern ein Ende der europäischen Ad-Hoc-Politik

In einem in der Zeit veröffentlichten offenen Brief fordern einige europäische Intellektuelle und Politiker ein Ende der unsystematischen Ad-Hoc-Politik in der EU. Auf die Krise in der Eurozone würden Entscheidungsträger nur reagieren, woraus Verwirrung und Misstrauen entstünden. Stattdessen müsse die politische Agenda wieder übernommen werden, um die institutionellen Mängel der Eurozone zu korrigieren. “Wir brauchen einen glaubwürdigen neuen Vorschlag für Wirtschaftsreformen und Wachstum … . Was wir nicht brauchen, sind immer neue Runden von Sparmaßnahmen, die weder Vertrauen noch wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit erzeugen.”

Zu den Unterzeichnern gehören Ulrich Beck, Peter Bofinger, Jürgen Habermas, Bernard-Henri Lévy, Gesine Schwan und andere.

Die englische Version findet sich im Guardian.

.

. .

, , , , , , ,

No Comments

Im Netz gelesen

1. Deutsche Wirtschafts- und Bildungspolitik aus amerikanischer Sicht: The German Example

2. Twitter-Searchtools

3. Debunking people’s belief in free will takes the intention out of their movements

4. Über die NSDAP-Mitgliedschaft bundesrepublikanischer Größen von denen jüngst Malte Herwig berichtete.

5. Mit Pop statt Theorie für die Wiederbelebung von Marx – natürlich mit Zizek: Der Philosoph als Standup-Comedian und Dauerperformer

, , , , , , , ,

No Comments

Die Kultur von Anzug und Krawatte

Die Finanzkrise scheint schon fast wieder vergessen. Über die kulturellen Hintergünde mag schon gar niemand mehr nachdenken. Der isländische Schriftsteller Hallgrimur Helgason ist da nicht so vergesslich:


Hallgrimur Helgason – Suit & Tie

, ,

No Comments

Wissenschaftliche Standards der Ökonomie prüfen

Eric Schliesser:

here is the weirdness: philosophers have spent a huge amount of energy exposing psycho-analysis, intelligent design, and Marxism as pseudo-science, yet we remain remarkably reluctant to say anything about our good friends, the economists.

.

. .

No Comments

Praktisch denken

In einem neuen Artikel bei “Metaphilosophy” konstatiert Philip Kitcher, dass die zeitgenössische (englischsprachige) Philosophie in einer Art scholastischer Selbsthingabe um sich selbst kreise. Es sei aber Aufgabe der Philosophen, sich mit Themen zu beschäftigen, die in der Gegenwart aktuell sind. [via Leiter Reports, interessante Kommentare]

Diese Frage lässt sich natürlich auch für die deutschsprachige Philosophie aufwerfen, und sie wird ja auch immer mal wieder diskutiert. Kitchers Darstellung scheint mir zutreffend zu sein. Er weiß wovon er spricht. Und meines Erachtens betrifft dies nicht nur eine “Schulrichtung”.

Tatsächlich gibt es natürlich Philosophen, die sich mit aktuellen Fragen der Zeit beschäftigen. Und es ist natürlich auch richtig, dass sich Philosophen mit Spezialfragen ihrer Disziplin beschäftigen müssen. Außerdem ist es auch so, dass die Öffentlichkeit nicht immer Beiträge von Philosophen zu Fragen der Zeit zur Kenntnis nimmt, sei es, weil sie nicht den Moden des Zeitgeistes entsprechen, oder weil sie in den betreffenden Debatten von schrillen Polemiken übertönt werden, die ja oft wirkungsvoller sind.
Es wäre schon Einiges gewonnen, wenn die Philosophen innerhalb ihres Faches häufiger Standpunkte zu aktuellen Fragen der Zeit diskutieren würden, in der Hoffnung, dass sich daraus Übersichten und Kommentare ergeben, die ein breiteres Publikum mit Argumenten versorgen.

Einen übrigens recht konkreten Artikel zu brennenden Fragen der Zeit hat der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz bei Vanity Fair veröffentlicht. Er kritisiert darin die krasse Ungleichheit in den USA, die, gestützt auf unzutreffende Argumente, durch die Politik verstärkt werde. Doch Stieglitz hält diese Ungleichheit für zerstörerisch.

Vielleicht sollten Philosophen auch häufiger mal bei Brigitte oder Schöner Wohnen schreiben.

, , , , , ,

No Comments

Der Sozialdemokrat Adam Smith

Wieder ein interessantes Stück über Adam Smith, das gängige Fehlinterpretationen sowie die üblichen Auswüchse der Ökonomie ins richtige Licht rückt, diesmal beim American Conservative:

“For one thing, Smith roundly mistrusted businessmen. In addition to the sallies already quoted, he insisted that businessmen, for all they may talk of freedom and fairness, ‘generally have an interest to deceive and even oppress the public.‘ One example out of many from The Wealth of Nations:

Our merchants and master-manufacturers complain much of the bad effects of high wages in raising the price, and thereby lessening the sale of their goods both at home and abroad. They say nothing concerning the bad effects of high profits. They are silent with regard to the pernicious effects of their own gains. They complain only of those of other people.’”

, , , ,

1 Comment

Tyler Cowen interviewt Peter Singer

Tyler Cowen (Marginal Revolution) interviewt Peter Singer zu seinem Buch “The life you can save”. Erschienen ist das Videointerview bei Bloggingheads.tv. Singer geht es um nichts Geringeres als die Beendigung von Armut. Die im Interview angesprochenen Themen sind:

Peter’s new book, “The Life You Can Save” (03:08)
What is the most effective way to end poverty? (06:45)
Genetically reprogramming humans to be more generous (05:35)
What charities does Peter give to? (06:27)
Advice for a young utilitarian (04:49)
How to achieve a higher happiness (03:17)

.

. .

, , , , ,

No Comments