Naturphilosophie in der Renaissance

In der Renaissance entstanden verschiedene neue Perspektiven auf die Gegenstände der Naturphilosophie. Auch das dominante aristotelische Weltbild wurde allmählich neu bewertet. Diese Entwicklungen trugen zur Entstehung der modernen Naturwissenschaften bei. Eva Del Soldato hat in der Stanford Encyclopedia of Philosophy einen neuen Artikel zur Naturphilosophie in der Renaissance veröffentlicht.

Texte des Wiener Kreises

Moritz Schlick hatte 1904 bei Max Planck über klassische Strahlenoptik promoviert. Die philosophischen Grundlagen und Konsequenzen der Naturwissenschaften waren in seiner akademischen Tätigkeit eines seiner Hauptarbeitsgebiete. Seit 1915 pflegte er einen regen Briefwechsel mit Albert Einstein, der öfter bei Schlick in Rostock Station machte. Nachdem Schlick an die Universität Wien gekommen war, begründete er den Wiener Kreis, dem Rudolf Carnap, Otto Neurath, Herbert Feigl, Victor Kraft und andere angehörten. In diesem Kreis gab es intensive Diskussionen über die Prinzipien einer wissenschaftlichen Weltauffassung, die entscheidend zur Herausbildung der Analytischen Philosophie und der Wissenschaftstheorie im 20. Jahrhundert beitragen sollten.

Bei Reclam ist 2013 eine Sammlung einiger zentraler Texte des Wiener Kreises erschienen: “Der Wiener Kreis: Ausgewählte Texte” – darin das Gründungsmanifest, Aufsätze zur Protokollsatzdebatte und zur wissenschaftlichen Erkenntnis allgemein oder auch die frühe Auseinandersetzung mit Poppers Falsifikationismus. Die Texte stammen von Schlick, Carnap und Neurath und der Vollständigkeit halber wurde im Anhang auch ein Text von Popper abgedruckt.

Eine umfangreichere Textsammlung (mit 803 Seiten) ist 2009 unter dem Titel “Wiener Kreis: Texte zur wissenschaftlichen Weltauffassung” bei Meiner erschienen.

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Der Large Hadron Collider fährt wieder an

Der Large Hadron Collider hat ein Upgrade bekommen und mit mehr Wumms unter der Haube wird er jetzt wieder in Betrieb genommen. Bei NPR schreibt der Physiker und Naturphilosoph Marcelo Gleiser über die zukünftigen Aufgaben. Auch die NZZ berichtet. Und die FAZ hat ein Interview mit Fabiola Gianotti, die ab 2016 Generaldirektorin des CERN sein wird.

Klaus Binders Übersetzung von Lukrez unter den Finalisten des Leipziger Buchpreises

Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse hat die jeweils fünf Finalisten in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung bekanntgegeben. Klaus Binders schon im Feuilleton gelobte Übersetzung von Lukrez’ “Über die Natur der Dinge” ist auch dabei.

Hier ein Interview mit Binder zum Buch bei der FR
Eine Rezension im Kulturradio.
Als Buchtipp im Video von Gert Scobel bei 3sat.
Micha Brumliks Rezension in der taz.

Lichtgeschwindigkeit – Die Reise eines Photons

Die Lichtgeschwindigkeit ist eigentlich verblüffend langsam. Oder ist der Raum fantastisch groß? Alphonse Swinehart hat eine schöne Visualisierung der Reise eines Photons von der Sonne bis über den Jupiter hinaus erstellt. Empfehlung: unten rechts den Vollbildmodus auswählen.
(Tipp für ungeduldige Zeitreisende: oben rechts wird die Zeit bis zum nächsten Objekt angezeigt, so dass man vorspulen kann. Alle anderen genießen ein Tässchen Tee oder Wein und brummen ganz tief “Ommmm”.) [via]

Owen Flanagan rezensiert Lynn Rudder Bakers Buch über den Naturalismus

Lynne Rudder Bakers neues Buch “Naturalism and the First-Person Perspective” ist 2013 bei Oxford University Press erschienen. Rudder Baker erläutert darin ihre Position, dass der Naturalismus eine Reihe von Tatsachen nicht zu fassen bekommt, beispielsweise Schmerzerfahrungen oder Gedanken, die ein Selbstkonzept enthalten. Der Naturalismus möchte solche Phänomene reduzieren oder aus dem Inventar dessen, was real ist, streichen. Daran scheitert er aber, so Rudder Baker.

Owen Flanagan, Autor einiger Bücher zur Philosophie des Geistes und über den Naturalismus, renzensiert dieses Buch nun in einer gut lesbaren Review bei NDPR.

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Es ist wahrscheinlich kein Quantendingsbumms

Quantentheorie ist kompliziert, und eine noch optimistische Annahme ist, dass nur die Fachleute sie verstehen. Dennoch muss sie immer häufiger herhalten für die Behauptung verschiedener Ansichten zu Themen von Gesundheit bis Willensfreiheit. David Wallace (Oxford, Philosophy of Physics) warnt jedoch mit Blick auf die Kognitionswissenschaften in seiner Replik “Protecting cognitive science from quantum theory” (in: Behavioral and Brain Sciences 27 (2004), pp. 636-637):

A satisfactory theory of macroscopic ontology must be as independent as possible of the details of microscopic physics.

Neutraler Monismus bei Bertrand Russell

Der Neutrale Monismus ist eine Alternative zu den Klassikern Dualismus, Idealismus und Materialismus. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde er von verschiedenen Autoren diskutiert, und findet sich in den aktuellen Überlegungen bei David Chalmers und Thomas Nagel wieder.

1921 schreibt Bertrand Russell in “The Analysis of Mind”, dass er der Auffassung von William James und den “Amerikanischen Realisten” teilweise zustimme, dass Geist und Materie aus einem neutralen Stoff (“stuff”) bestehen, der nicht geistig oder materiell sei.

“The Analysis of Mind” kann man bei Gutenberg.org und bei Archive.org lesen.

Philosophie der Positiven Psychologie

Aus philosophischer Sicht lädt die Positive Psychologie natürlich besonders gut zu methodologischen Überlegungen ein. Dieser Umstand trifft auf ein zunehmendes Interesse daran, einen Naturalismus zu beschreiben, der sozialphilosophisch und psychologisch sinnvoll ist. Über verschiedene Bemühungen in diese Richtung habe ich in der Vergangenheit schon berichtet.

In der Tidsskrift for Norsk Psykologforening, 42/10, 2005, 885-896 untersuchen Ingvild S. Jørgensen und Hilde Eileen Nafstad philosophische und epistemologische Grundlagen der Positiven Psychologie: “Positive Psychology: Historical, Philosophical, and Epistemological Perspectives“. Sie sehen die Positive Psychologie in einem weiteren Sinn in der Tradition der eudämonistischen Sozialphilosophie der Griechen, und insbesondere in psychologischer Hinsicht durch die Entwicklungstheorie des Charakters bei Aristoteles inspiriert.

Es bietet sich an, diese aristotelische Entwicklungsperspektive in einem naturalistischen Rahmen anzuwenden. Dazu ein paar Hinweise:

Einen Überblick über den Naturalismus findet man z.B. bei Gerhard Vollmer: “Auf der Suche nach der Ordnung” und in der leider vergriffenen, aber hervorragenden Textsammlung “Naturalismus” von Geert Keil und Herbert Schnädelbach. Keils kritischen Aufsatz “Naturalismus und Intentionalität” findet man hier.

Der Naturalismus ist selbst umstritten, und in der Debatte streitet man unter anderem um das, was Karl Popper das Demarkationsproblem genannt hat: was ist noch Wissenschaft, und was nicht? (Astrologie etc.) Massimo Pigliucci und Maarten Boudry haben 2013 eine aktuelle Aufsatzsammlung dazu herausgegeben: Philosophy of Pseudoscience: Reconsidering The Demarcation Problem.

Pigliucci (CUNY) ist bekannt als Kritiker von Pseudowissenschaften (Kreationismus …) einerseits, und Szientismus andererseits. In seinem Buch “Answers for Aristotle: How Science and Philosophy Can Lead Us to a More Meaningful Life” plädiert er dafür, naturwissenschaftliche und philosophische Methoden zu kombinieren.

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Christine Korsgaard – Das Gute in einer naturalistischen Konzeption

Ende Mai hat Christine Korsgaard die Pufendorf-Lectures in Lund (Schweden) gehalten. Das Thema: “The general aim of these lectures is to defend a conception of the Good that is compatible with a naturalistic conception of the world, or, to put it another way, it is to explain how the natural world came to contain things that are properly characterized as good and bad.

Die Audioaufzeichnung, einen Abstract und Links zu zwei aktuellen Aufsätzen von Korsgaard findet man bei Political Theory – Habermas and Rawls.

Frühere Referenten der Pufendorf-Lectures waren Nancy Cartwright, Thomas Scanlon und John R. Searle, deren Vorträge auf der Pufendorf-Webseite (s.o.) zu finden sind.