Tim O’Reilly hat gerade auf der TOC 2010 die Verleger beruhigt, es sei für sie nicht das Wichtigste, “the coolest new enhanced ebooks” zu entwickeln (damit würden die Kreativen schon noch zu den Verlegern kommen). Aber Penguin stellt schon mal seine neuesten eBooks fürs iPad vor:
Charlie Brookers Mediensatire
Psychologisch, ästhetisch oder politisch – letzten Endes hängt viel davon ab, sich die Realität passend zurechtzuschneiden, wie Charlie Brooker anhand der Medien schön gezeigt hat. Dessen Analyse der amerikanischen TV-News war ja schon klasse. Und sein Beitrag über die Methode, einen Nachrichtenclip zu machen wird ja gerade so legendär, dass es auch im selbstgefälligen, behäbigen Deutschland angekommen ist – wenn nicht in den klassischen Medien, dann eben im Internet bei Sixtus vs. Lobo.
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Bernard-Henry Lévy: Kant ist eine Erfindung
Bernard-Henri Lévy ist offenbar einer Ente aufgesessen, auf die er sich ungeprüft in seinem neuesten Buch bezieht. Einen einigermaßen ausführlichen Artikel dazu findet man in der TimesOnline. Im Mittelpunkt der Affäre steht das Buch The Sex Life of Immanuel Kant von Jean-Baptiste Botul. Botul, so schreibt Bernard-Henry Lévy, habe ein für allemal erwiesen, dass Kant eine Fiktion sei. Das Pikante daran: Botul ist eine Erfindung eines französischen Journalisten – was Lévy selbst aus der Wikipedia hätte erfahren können.
Seitdem das bekannt wurde, verbreiten sich in Internet und Feuilleton Häme über Lévy, die meist nicht ohne Seitenhiebe auf seine Selbstinszenierung als eitler Medienstar auskommen.
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Copyright, Public Domain, Kreativität und Innovation
Das Center for the Study of the Public Domain veranstaltet eine Vorlesungsreihe zum Thema Geistiges Eigentum (Intellectual Property). Videoaufzeichnungen der Vorträge stehen auf der Webseite der Veranstaltungsreihe im RealMedia-Format zur Verfügung. Besonders interessant fand ich folgende Titel:
William F. Patry (Senior Copyright Counsel at Google, Inc.): Moral Panics and the Copyright Wars. A Reply to Jack Valenti [Link zur Webseite]
- Joseph Stiglitz (Nobelpreis Ökonomie): “The Economic Foundations of Intellectual Property” [Direktlink zum Video]
- Lawrence Lessig: Architecting Innovation [Direktlink zum Video]
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Der teutsche Journalismus, Google und Sascha Lobo
Die Einstellung der Deutschen zum Internet gehen mir seit Jahren auf die Nerven. Ignorantes Gemecker und arrogantes Gejammer in einem Land, dass von sich selbst behauptet, die Speerspitze der Dichter und Denker zu repräsentieren. Stammtisch, beschränkte Horizonte, fehlende Kreativität, und Humorlosigkeit.
Feigenblattaktionismus, um die unerwünschten Phänomene einzudämmen (was ist eigentlich mit der Internetkriminalität großen Stils?), und eine schiefe Argumentation bezüglich Googles.
Bei der Süddeutschen gibt es zu Googles Macht und dem Wunsch deutscher Medienvertreter, Geld von Google zu bekommen, ein vierminütiges Videointerview mit Sascha Lobo, Michael Konken (DJV) und dem Berliner Datenschutzbeauftragten.
Typografie: Eine Schrifttype zu Ehren Ralf Dahrendorfs
Der Zürcher Gestalter Stefan Huber hat im Auftrag des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) exklusiv eine Schrifttype entwickelt. “Diese Schrift wird künftig für alle WZB-Medien eingesetzt: für die ‘Mitteilungen’, die Visitenkarten, das Briefpapier, die Website – und für das Logo“, teilt das Zentrum mit. Die Ankündigung und den Zeichensatz in verschiedenen Varianten kann man in dieser PDF-Datei sehen. Mir gefällt die Schrift sehr gut. Joachim Güntner bespricht in der NZZ Online die neue Schrifttype “Dahrendorf” versierter als ich. Sein Fazit: “schöne Schrift, grosses Lob.“
Film: Philosophen auf der Straße
Astra Taylor hat einen Film mit acht Philosophen gemacht, die in alltäglicher Umgebung über ihre Sicht der Welt erzählen. Darunter Avital Ronell, Judith Butler, Peter Singer, Cornel West, Michael Hardt, Žižek und Martha Nussbaum. Der Film heißt “The Examined Life“. Auf YouTube sind zwei Videos dazu zu finden:
Schlechte Argumente
Julian Baggini hat seine Abhandlungen über bekannte, aber falsche Argumentationsformen, die er zum Teil schon in der Serie “Bad Moves” bei Butterflies and Wheels veröffentlicht hatte, jetzt in einem Buch herausgegeben: The duck that won the lottery – and 99 other bad arguments.
In diesem Zusammenhang kann man noch einmal auf das ausgezeichnete Buch von Hubert Schleichert hinweisen – Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren.
Evolution in der Werbung
Guinness hat im Jahr 2005 einen aufwändig gemachten Werbeclip veröffentlicht, der den Firmenslogan “Good things come to those who wait” auf originelle Weise ins Bild setzt: Das Leben auf der Erde hat einige hundert Millionen Jahre gebraucht, um endlich dem Menschen zu ermöglichen, ein gutes Bier zu genießen. Diese Geschichte wird durch einen Schnelldruchlauf rückwärts durch die Evolution dargestellt. Die Botschaft: gut, dass wir nicht als urzeitliche Schlammbewohner brackiges Wasser trinken müssen.
Esoterik und Pseudowissenschaft in den Medien
Die Wissenswerkstatt hat einen interessanten Überblick über den jüngsten abenteuerlichen Beitrag zum Wissenschaftsjournalismus, der kürzlich in der Welt zu lesen war (zur Existenz der Seele nach dem Tod). Zuvor hatten bereits die Blogs “Begrenzte Wissenschaft” und “Kritisch gedacht” darüber berichtet. Letzeres war mir bislang entgangen. Mit seinem Fokus auf Para- und Pseudowissenschaften gehört es hier auf meine Blogroll.
Pseudowissenschaft spielt eine ökonomische und eine politische Rolle – wir werden weiterhin viel von ihr hören.
Kein Platz für Nachruf auf Nozick, man brauchte mehr Platz für Bourdieu
Sascha Tamm berichtet, wie er vor 6 Jahren zunächst einen Nachruf auf Robert Nozick hätte schreiben sollen. “Doch kurz danach erhielt ich einen Anruf von eben diesem Blatt. Man habe sich entschlossen, einen sehr ausführlichen Nachruf auf Pierre Bourdieu zu bringen, der am selben Tag gestorben sei. Deshalb sei kein Platz für Nozick.”
Und völlig zurecht fährt er fort: “Das wirft ein Licht auf den Zustand der öffentlichen Meinung und eines großen Teils der Geistes- und Sozialwissenschaften. Was zählt, ist Betroffenheit und eine Sprache, die möglichst verwirrend ist. Was zählt, ist ein vermeintlich kritisches Bewusstsein … Doch das ist es, was viele der selbsternannten kritischen Geister nicht wollen: sich mit Argumenten und Prinzipien auseinandersetzen.“
Otto Neuraths universelle Silhouetten
George Pendle schreibt im Cabinet Magazine über Otto Neurath und seine Isotype-Symbole: Otto Neurath’s Universal Silhouettes. (Ein früher Eintrag in diesem Weblog zu Neuraths Isotype findet sich hier.)
Isotype ist Neuraths Beitrag zu einer möglichst allgemeinen und leicht verständlichen Distribution von Informationen durch neue visuelle Darstellungsformen. “The one constant throughout Neurath’s polymathic life was his interest in visual innovation.” Dieses Anliegen ist anti-elitär: “Not only would it help educate the common Viennese man, but he also believed it might widen the sphere of peaceful cooperation across the world. “The more cooperative man is,” he declared, “the more ‘modern’ he is.””
Von Otto Neurath als Visionär der multimedialen Wissenskultur und seinem Isotype-System handelt der Band “Bildersprache. Otto Neurath Visualisierungen” von Frank Hartmann und Erwin K. Bauer.
Neurath war Mitglied des Wiener Kreises. Die bebilderte Monographie von Manfred Geier bei rororo, “Der Wiener Kreis. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten” enthält einen guten Überblick über Leben und Werk seiner Mitglieder. Das Institut Wiener Kreis widmet sich der Dokumentation von Werk und Wirkung des Wiener Kreises.
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