Archive for category Logischer Positivismus

Scholastische Streitereien

Es scheint akademischen Philosophen ein Bedürfnis zu sein, sich abzugrenzen. Zunächst natürlich einmal gegen die Vulgär- und Popularphilosophie. Aber dann auch gegen Traditionen und Denkschulen innerhalb des eigenen Faches. Invektiven in diese Richtung wird jeder Philosoph vermutlich kennen, wenn er sich nicht sogar selbst daran beteiligt.

Ein neues schönes Beispiel liefert die aktuelle Debatte um Clark Glymours Manifest, in dem nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Man würde Nichts verlieren, so Glymour, wenn einige Geisteswissenschaftler entlassen würden und mit dem Besen in der Hand arbeiten müssten. Ihm gefällt die “formale Philosophie” besser als die “kontinentale”, und er bezeichnet den von ihm bevorzugten Ansatz als “materiale Philosophie”. Die Beispiele, die er gibt, haben mit Computern, Statistik, Spieltheorie usw. zu tun. Mit Logik, Mathematik und Programmierkenntnissen könne man eben besser philosophieren als nur mit Intuition. Deshalb würde sich die “konventionelle” analytische Philosophie auch überflüssig machen (die “kontinentale” wurde zuvor ja schon in den Sack gesteckt). Die Arbeiten von Philosophen seien ohne Einfluss, und deshalb könne man Philosophy Departments schließen, außer sie würden Mittel in Millionenhöhe einwerben.

Insofern hat die Art von Scholastik, die Glymour betreibt und als materiale Philosophie bezeichnet, also auch materiale Konsequenzen. Seine großzügig selbstherrliche Einschätzung provozierte denn auch ein großes Hallo in den Weblogs, bspw. hier und hier. Eine deutliche Tendenz in den Kommentaren ist ein gewisser Überdruss darüber, dass derartige Haltungen wie die von Glymour immer noch virulent sind.

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Freier Zugang zu “Erkenntis”

Die Zeitschrift “Erkenntnis” ist eine renommierte Fachpublikation, die man wohl am ehesten mit der analytischen Philosophie in Verbindung bringt. Die Zeitschrift hat eine bewegte Geschichte. Unter anderem musste sie 1939 ihr Erscheinen einstellen und wurde 1975 wieder ins Leben gerufen. Maßgabe für Beiträge war, wie Carl Gustav Hempel schrieb, “adherence to high standards of clarity of statement and cogency of reasoning”.
Alle Beiträge in “Erkenntnis” sind bis zum 31.12.2011 frei erhältlich.

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Carnap-Video auf YouTube

Auf YouTube und anderen Videoplattformen gibt es nur wenige deutschsprachige Videos zur Philosophie. Noch weniger Philosophievideos gibt es dort, die nicht der Postmoderne, Heidegger oder Frankfurter Schule gewidmet sind.

Der blinde Hund hat erfreulicherweise bemerkt, dass vor kurzem ein dreiteiliges Video eines Interviews, das Willy Hochkeppel 1964 mit Rudolf Carnap geführt hat, gepostet wurde. So hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, Carnap im Originalton zu hören und zu sehen. Dem Urteil des blinden Hundes kann ich mich anschließen: “sympathisch zurückhaltend”. Unter anderem betont Carnap, dass Wissenschaftlichkeit Kooperation möglich macht, im Unterschied zu einer “monologischen” Philosophie. Weitere Themen sind Fortschritt in der Philosophie, Bedeutung und Entwicklung der Logik, insbesondere der induktiven Logik, und am Ende des letzten Teils gibt es ein paar interessante Bemerkungen zu Tatsachen- und Wertfragen.

Der erste Teil scheint unvollständig zu sein – er läuft nur 36 Sekunden und enthält offenbar nur das Intro. Der zweite und dritte Teil scheinen vollständig zu sein.

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Mehr zu Carnap.

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Neue Einträge in der Stanford Encyclopedia of Philosophy

In der Stanford Encyclopedia of Philosophy tut sich so viel, dass man allein hier genug Lesestoff für lange Herbstabende findet. Unter anderem zu folgenden Personen und Themen gibt es neue (oder revidierte) Artikel, die ich besonders interessant finde:

Jean Jacques Rousseau (neu)

Carl Hempel (neu)

Charlie Dunbar Broad (neu)

Hume’s Moral Philosophy (revidiert)

Leukipp (revidiert)

Demokrit (revidiert)

Aristoteles’ Psychologie (revidiert)

Aufklärung (neu)

Simone de Beauvoir (revidiert)

Otto Neurath (neu)

Folk Psychology als Theorie (revidiert)

Philosophie der Psychiatrie (neu)

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Was ist Analytische Philosophie? Nichts als Anti-Metaphysik oder Logik?

Pierre Wagner schreibt bei Eurozine über falsche, weil verkürzende Vorstellungen von Analytischer Philosophie: “The linguistic turn and other misconceptions about analytic philosophy“. Ist Analytische Philosophie dezidiert antimetaphysisch? Heute macht Metaphysik einen großen Teil der analytischen Forschung aus – wenn auch nicht in der Art, wie sie von Hegel oder Bergson betrieben wurde. Ist Analytische Philosophie unhistorisch? Schon einer der “Gründerväter”, Bertrand Russell, hat umfangreich über die Geschichte der Philosophie geschrieben. Wichtige Interpretationen von Platon und Aristoteles stammen aus der Feder von analytischen Philosophen. Ist Philosophie die “Magd der Wissenschaften”? Nicht bei Quine, nicht bei Wittgenstein, und es lassen sich viele Belege in der heutigen Analytischen Philosophie für eine gegenteilige Meinung finden. Sind analytische Philosophen hauptsächlich linguistische Philosophen? Wie ist der “linguistic turn” zu verstehen? Jedenfalls nicht eindeutig in der Weise, so Wagner, dass alle analytischen Philosophen damit auf ein Programm festgelegt wären. Die Analytische Philosophie ist zu vielfältig, als dass sie sich ausschließlich mit einem der genannten Programmpunkte charakterisieren ließe.

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Texte des Wiener Kreises kostenfrei auf PaperC lesen

Die im Meiner Verlag erschienene Textsammlung “Wiener Kreis. Texte zur wissenschaftlichen Weltauffassung” mit Originaltexten von Rudolf Carnap, Otto Neurath, Moritz Schlick, Hans Hahn und anderen Mitgliedern ist online bei PaperC kostenlos zu lesen (Registrierung erforderlich, Druck und Download nur gegen Entrichtung eines Seitenpreises).

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Rezension von Gatteis “Karl Popper’s Philosophy of Science”

Friedrich Stadler und Miles MacLeod rezensieren in den Notre Dame Philosophical Reviews Stefano Gatteis “Karl Popper’s Philosophy of Science: Rationality Without Foundations” (Routledge, 2009):

In sum, Gattei’s Karl Popper’s Philosophy of Science is an important reassertion of the value, novelty, and coherency of Popper’s programme. It is an important historiographical contribution, particularly because it leads us to reevaluate our tradition of painting Kuhn as an epistemological radical, when that title more properly belongs to Popper.

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BBC Interview mit Bertrand Russell auf YouTube

1959 hat die BBC ein Fernseh-Interview mit Bertrand Russell geführt, das in drei Teilen auf YouTube zu sehen ist: hier, hier und hier.


[via]

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Übersicht über Carnaps “Der logische Aufbau der Welt”

Christopher Pincock hat einen Entwurf seines Überblicksartikels über Rudolf Carnaps “Der logische Aufbau der Welt” (1928) als PDF-Datei online gestellt: “… it is fair to say that the Aufbau, as the book is typically called, is one of the most important books for the history of analytic philosophy. … The main aim of this article is to help the non-specialist approach the Aufbau and begin to appreciate why so many philosophers have spent so much time trying to understand it.

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“Ayer on Logical Positivism” bei YouTube

Bryan Magee hat 1977 und dann noch einmal 1987 für die BBC eine Interview-Serie zur Philosophie gemacht. Daraus ist das Buch “Talking Philosophy: Dialogues with Fifteen Leading Philosophers” entstanden. Ein Großteil der Gespräche ist legendär und von hervorragender Qualität: “Peter Singer on Hegel, Putnam on Philosophy of Science, Dworkin on Justice, Bernard Williams on Descartes, AJ Ayer on Logical Positivism, Burnyeat on Plato …” (Link)

Das Gespräch mit Alfred Jules Ayer über den Logischen Positivismus gibt es in vier Teilen bei YouTube:
Section 1:

Section 2

Section 3

Section 4

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Moritz Schlick Gesamtausgabe

Friedrich Stadler (Universität Wien und Institut Wiener Kreis) und Hans Jürgen Wendel (Universität Rostock, Moritz Schlick Forschungsstelle) geben bei Springer die Moritz Schlick Gesamtausgabe heraus. “Dieses internationale Forschungs- und Editionsprojekt wird im Rahmen einer bilateralen Zusammenarbeit zwischen dem Institut Wiener Kreis und der Universität Wien, der Forschungsstelle und Dokumentationszentrum für österreichische Philosophie in Graz und der Moritz-Schlick-Forschungsstelle am Institut für Philosophie der Universität Rostock realisiert.
Schlick war Mitbegründer des Wiener Kreises, der in der Zwischenkriegszeit auf der Grundlage der Arbeiten von Einstein, Russell und Wittgenstein den Logischen Emirismus begründete. Der Wiener Kreis wurde durch den Nationalsozialismus zersprengt, seine Mitglieder emigirierten großteils ins Ausland. Moritz Schlick wurde 1936 ermordet.
Die Gesamtausgabe beruht auf dem Nachlass und den veröffentlichten Schriften. In der ersten Abteilung (Veröffentlichte Schriften) sind die ersten fünf Bände bereits erschienen, der sechste (“Die Wiener Zeit”) erscheint im Juli 2008. In Band 3 sind die beiden moralphilosophischen Schriften “Lebensweisheit. Versuch einer Glückseligkeitslehre” und “Fragen der Ethik” endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

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Symbolische Wegweisersysteme

Da mich Otto Neuraths Isotype-System fasziniert, haben die symbolischen Wegweisersysteme von Lance Wyman meine Aufmerksamkeit geweckt. Bei Webesteem erklärt Wyman seine Arbeiten.

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