Pierre Wagner schreibt bei Eurozine über falsche, weil verkürzende Vorstellungen von Analytischer Philosophie: “The linguistic turn and other misconceptions about analytic philosophy“. Ist Analytische Philosophie dezidiert antimetaphysisch? Heute macht Metaphysik einen großen Teil der analytischen Forschung aus – wenn auch nicht in der Art, wie sie von Hegel oder Bergson betrieben wurde. Ist Analytische Philosophie unhistorisch? Schon einer der “Gründerväter”, Bertrand Russell, hat umfangreich über die Geschichte der Philosophie geschrieben. Wichtige Interpretationen von Platon und Aristoteles stammen aus der Feder von analytischen Philosophen. Ist Philosophie die “Magd der Wissenschaften”? Nicht bei Quine, nicht bei Wittgenstein, und es lassen sich viele Belege in der heutigen Analytischen Philosophie für eine gegenteilige Meinung finden. Sind analytische Philosophen hauptsächlich linguistische Philosophen? Wie ist der “linguistic turn” zu verstehen? Jedenfalls nicht eindeutig in der Weise, so Wagner, dass alle analytischen Philosophen damit auf ein Programm festgelegt wären. Die Analytische Philosophie ist zu vielfältig, als dass sie sich ausschließlich mit einem der genannten Programmpunkte charakterisieren ließe.
Gregor Betz stellt Argunet vor
Gregor Betz, einer der Entwickler von Argunet, einer Argumentationssoftware für regelgeleitetes Argumentieren und logisches Rekonstruieren (im Philoblog bereits hier vorgestellt) hat das Projekt in der Information Philosophie 4/2009 beschrieben. Ein Auszug daraus ist hier zu finden (leider ohne grafische Illustration).
Geschichte der Logik
Greg Restall betreibt eine Webseite, auf der er sich der “Great Moments in Logic” annimmt: Kripke, Quine, Cantor, Tarski, Carnap und andere. Leider kann man Beiträge nicht direkt verlinken / anspringen.
Übersicht über Carnaps “Der logische Aufbau der Welt”
Christopher Pincock hat einen Entwurf seines Überblicksartikels über Rudolf Carnaps “Der logische Aufbau der Welt” (1928) als PDF-Datei online gestellt: “… it is fair to say that the Aufbau, as the book is typically called, is one of the most important books for the history of analytic philosophy. … The main aim of this article is to help the non-specialist approach the Aufbau and begin to appreciate why so many philosophers have spent so much time trying to understand it.“
Schlechte Argumente
Julian Baggini hat seine Abhandlungen über bekannte, aber falsche Argumentationsformen, die er zum Teil schon in der Serie “Bad Moves” bei Butterflies and Wheels veröffentlicht hatte, jetzt in einem Buch herausgegeben: The duck that won the lottery – and 99 other bad arguments.
In diesem Zusammenhang kann man noch einmal auf das ausgezeichnete Buch von Hubert Schleichert hinweisen – Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren.
Neuauflage von Freges Aufsatzsammlung
Bei Vandenhoeck & Ruprecht ist der von Günther Patzig herausgegebene Sammelband “Funktion, Begriff, Bedeutung”, der fünf Aufsätze von Gottlob Frege sowie ein Vorwort des Herausgebers enthält neu aufgelegt worden. Merkwürdigerweise weist die Seite des Verlags dies als “1. Auflage, 2008″ aus, obwohl diese Aufsatzsammlung unter dem gleichen Titel bereits 1962 bei Vandenhoeck & Ruprecht erschien. Davon habe ich beispielsweise ein Exemplar der “6. Auflage, 1986″. Ob sich in der neuen Auflage gegenüber der Ausgabe von 1962 etwas geändert hat, ist der Verlagsseite nicht zu entnehmen.
Digitale Tools für Philosophen
In der Philobar gibt es ein paar Hinweise auf digitale Tools fürs Philosophieren, die bei Gelegenheit ergänzt werden sollen.
Dort ist auch der Link zu Argunet zu finden – ein freies Tool zur “kollaborativen Argumentrekonstruktion und -visualisierung.” Erinnert ein bisschen an Mindmapping, ist aber speziell auf die Rekonstruktion von komplexen Argumenten zugeschnitten.
“Ayer on Logical Positivism” bei YouTube
Bryan Magee hat 1977 und dann noch einmal 1987 für die BBC eine Interview-Serie zur Philosophie gemacht. Daraus ist das Buch “Talking Philosophy: Dialogues with Fifteen Leading Philosophers” entstanden. Ein Großteil der Gespräche ist legendär und von hervorragender Qualität: “Peter Singer on Hegel, Putnam on Philosophy of Science, Dworkin on Justice, Bernard Williams on Descartes, AJ Ayer on Logical Positivism, Burnyeat on Plato …” (Link)
Das Gespräch mit Alfred Jules Ayer über den Logischen Positivismus gibt es in vier Teilen bei YouTube:
Section 1:
Können Philosophen witzig sein?
“Everybody loves my baby, but my baby don’t love nobody but me”. From this, it logically follows that “I am my baby”.
Warum das witzig ist, erklärt Jonathan Wolff in seiner monatlichen Kolumne bei EducationGuardian.
Numminen sings Wittgenstein
M. A. Numminen singt einen bekannten Satz aus Wittgensteins Tractatus: Das Satiremagazin Titanic hat das Video mit dieser Darbietung als Piloten von Titanic-TV auf Youtube platziert.
[Via Gerd Brunzema]
Hier ist noch ein weiteres interessantes, diesmal dokumentarisches Video über Wittgenstein auf Youtube: Wittgenstein in Norway.
P.S.: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese Reflexionen Billy Connollys den von Wittgenstein aufgestellten Standards genügen:
[via vowe]
Ein neues Buch über Wittgenstein und Russel
Die Philobar berichtet, dass Gregory Landini ein Buch über die Auffassungen von Russell und Wittgenstein geschrieben hat: ‘Wittgenstein’s Apprenticeship with Russell‘ (Cambridge : Cambridge UP, 2007). Landini revidiert die übliche Sichtweise und versucht anhand der bislang unveröffentlichten Manuskripte von Russell zu zeigen, dass Russell und Wittgenstein als Verbündete an einem Forschungsprogramm arbeitete, dass logische Analyse und Rekonstruktion ins Zentrum der philosophischen Tätigkeit stellt.
Ein Auszug aus dem Buch ist hier verfügbar.

