Archive for category Literatur
Sibylle Lewitscharoff über ihren Roman “Blumenberg”
Posted by Björn in Buecher, Geschichte, Leute, Literatur on 2012/01/26
In ihrem Roman “Blumenberg” schreibt Sibylle Lewitscharoff über das Lebensgefühl und die intellektuelle Orientierung der Studenten der 1980er Jahre. Für das Buch erhielt sie 2011 den Wilhelm-Raabe-Preis. Es ist eine literarische Mentalitätsstudie einer Zeit, in der junge Erwachsene ihr Lebensgefühl in No-Future, Pop- und Punkmusik fanden – und in der Intellektuelle wie Hans Blumenberg und Jürgen Habermas das akademische geistige Milieu prägten.
In einem Interview mit dem Standard spricht Lewitscharoff über ihren Roman, dessen junge Protagonisten kein glückliches Ende finden. Die geistige Landschaft dieser Zeit war durch einen riesigen Überbau geprägt. Bei Habermas fand man sein Futter an realitätsbezogener Zeitdiagnose “in verdaulichen Portionen vor. Bei Blumenberg wurde man in Ausuferungen hineingetrieben: in die Antike, in die Scholastik, in die Musik. … Wohin soll so ein armer Student jetzt mit seiner Bewunderung?”
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Unterrichtsmaterial von David Foster Wallace
Posted by Björn in Akademisches, Leute, Links, Literatur, Verschiedenes on 2011/12/01
Der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace hat an verschiedenen Universitäten unterrichtet. Sein Promotionsstudium in Philosophie brach er 1992 ab, um einen Lehrauftrag an der Illinois State University anzunehmen. Einen Artikel über seinen Unterricht gibt es bei Slate.
Die Ansprüche an seine Studenten waren hoch. Die von ihm ausgegebenen Unterrichtsmaterialien enthalten Benotungshinweise, Vokabellisten, Literaturlisten und “Warnungen”. Einige dieser Unterlagen sind auf dieser Webseite einsehbar.
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Über Pynchon über Gödel
Posted by Björn in Literatur, Logik, Verschiedenes on 2011/08/16
Ole Thomassen Hjortland bloggt darüber, dass in Thomas Pynchons Buch “Gravity’s Rainbow” (dt. “Die Enden der Parabeln“, übersetzt von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz) Kurt Gödels Unvollständigkeitstheorem eine Rolle spielt, und dass Steven C. Weisenburger in seinem Companion zu Gravity’s Rainbow eine Erläuterung des Unvollständigkeitstheorems gibt.
Neue Vermutungen zum Tod von Albert Camus
Posted by Björn in Leute, Literatur, Philosophiegeschichte, Verschiedenes on 2011/08/07
Der Guardian berichtet, dass der italienische Corriere della Sera darüber spekuliert habe, dass der tödliche Autounfall von Albert Camus vom sowjetischen KGB verursacht worden sei. Der tschechische Schriftsteller Jan Zábrana habe berichtet, dass Camus’ Kritik am sowjetischen Vorgehen in Ungarn zu dem KGB-Befehl geführt habe, einen Reifen des Wagens, mit dem Camus verunglückte, zu manipulieren.
Dem Guardian zufolge hält der Camus-Experte Olivier Todd diese Geschichte für unglaubwürdig.
Nachtrag: Spiegel Online berichtet jetzt auch darüber.
Poschenrieder und Safranski über Schopenhauer
In der Sendung “Sternstunde Philosophie” des Schweizer Fernsehens vom 26.09.2010 sprechen Christoph Poschenrieder und Rüdiger Safranski über Arthur Schopenhauer. Anlass ist die Veröffentlichung von Poschenrieders Schopenhauer-Roman “Die Welt ist im Kopf”. Die Aufzeichnung der Sendung ist im Videoportal des SF zu sehen.
Stephen Frys Sprache (animiert)
Posted by Björn in Kulturphilosophie, Kunst, Literatur, Sprache on 2010/10/25
Vor ca. zwei Jahren hat Stephen Fry auf seiner Webseite einen wunderbaren Podcast über Sprache veröffentlicht. Matthew Rogers hat aus einem Ausschnitt daraus eine kinetische Typografie gemacht, die es vielleicht gerade dem Nicht-Muttersprachler noch einfacher macht, dem ohnehin schon klaren Vortrag Frys zu folgen. Der Inhalt ist inspirierend: es ist ein Aufruf zum genussvollen, schöpferischen Umgang mit Sprache.
Stephen Fry Kinetic Typography – Language from Matthew Rogers on Vimeo.
Literatur, Kultur, Politik, Internet
Posted by Björn in Buecher, EBooks, Geschichte, Internet, Kulturphilosophie, Literatur, Medien, Philosophiegeschichte, Politik, Sprache on 2010/10/24
Drei Artikel:
Die Provinz, die Schweden ist: Schwedische Kommentatoren sind mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Mario Vargas Llosa nicht einverstanden – weil er auf der falschen politischen Seite stehe. Johan Norberg wundert sich über seine Kollegen: disqualifiziert sich ein Schriftsteller, weil er einen Liberalismus in der Tradition von John Locke und Adam Smith befürwortet? Weil er sich vom Kommunismus abgewendet hat, weil er entsetzt ist über das Leid, das sozialistische Machthaber verursacht haben? “He moved on not because he was no longer able to sympathise with the poor and oppressed, but because he still did when others began to identify more with the revolutionaries than with the people in whose name they made the revolution. He saw that Castro persecuted homosexuals and imprisoned dissenters. While other socialists kept quiet and thought that the dream justified the means, Vargas Llosa began to ask himself the difficult questions about why his ideals looked more like prison camps than socialist utopias when realised.”
James Buchan rezensiert beim Guardian Peter Watsons Buch “The German Genius”
Braucht Poesie Papier? Gefährdet die Veränderung der Medien den Reichtum und die Vielfalt künstlerischen Schaffens? Schrumpft der Kontext und veräbdert dadurch die Sprache, wie Don DeLillo meint?
Stephan Wackwitz über Verehrung und Verkitschung von Walter Benjamin
Zum 70. Todestag von Walter Benjamin schreibt der Germanist und Schriftsteller Stephan Wackwitz bei WELT Online über Walter Benjamin und wie er in den letzten Jahrzehnten rezipiert wurde. Als Wissenschaftler sei Benjamin, abgesehen von seiner Dissertation über den frühromantischen Dichtungsbegriff, gescheitert, als Schriftsteller sei er genial. “Die einleuchtendste (und deprimierendste) Erklärung für den Siegeszug der poetischen Theorie Walter Benjamins jedoch ergibt sich aus der Beobachtung, dass seine Wiederentdeckung zusammenfiel mit dem Aufstieg einer akademischen Strömung, der es nicht mehr auf die Erfüllung tradierter wissenschaftlicher Standards ankam, sondern auf die Herstellung einer diffusen und wissenschaftlich nicht mehr zu kontrollierenden Bedeutsamkeit.”
Heute seien die Geisteswissenschaften zwar bürokratisiert und trivialisiert, dafür würden in Katalogtexten und Essays Prunkzitate von Benjamin inflationär verwendet.
Benjamins literarischer Essay sei das glanzvolle Zentrum seines Werks, das ihn zu einer literarischen Größe mache. Dagegen müsse man “damit aufhören, aus seinen verzwickt geistvollen, aber fast durchgehend falschen Theorien den verschwiemelten Theoriequark anzurühren, als dessen Zutatenlieferant er immer noch herhalten muss.“
Foto von Rimbaud aufgetaucht
Posted by Björn in Geschichte, Literatur, Verschiedenes on 2010/04/20
Der Telegraph berichtet, dass zwei französische Buchhändler kürzlich auf einem Flohmarkt eine Fotografie entdeckt haben, auf der der erwachsene Arthur Rimbaud zu sehen ist. Das Foto ist auf der Webseite abgebildet. Victor Hugo bezeichnete Rimbaud, der schon mit 37 Jahren starb, als “kindlichen Shakespeare”.
Enttäuschung über Derrida
Posted by Björn in Buecher, Kulturphilosophie, Leute, Literatur, Philosophiegeschichte, rezensionen on 2010/02/26
David Mikics hat eine intellektuelle Biografie über Jacques Derrida geschrieben – “Who Was Jacques Derrida?” – die von David Kaufmann im Onlinemagazin Tablet rezensiert wird. In den 80er-Jahren war Mikics ein Anhänger Derridas – zu einer Zeit, als Derridas Dekonstruktivismus die amerikanischen Geisteswissenschaften dominierte: so vehement, wie Derridas Skeptizismus vertreten wurde, so heftig wurde er kritisiert. Mikics zeichnet die biografischen Stationen von Derridas subversiver Polemik nach, und zeigt die Widersprüche seiner Position. Derridas moralisch-praktische Indifferenz sind der wichtigste Grund für Mikics, die Philosophie des Stars der 80er aufzugeben.
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Oxforder John-Locke-Lectures als Podcast
Posted by Björn in Literatur, Verschiedenes on 2008/05/04
Die Philosophische Fakultät der Universität Oxford stellt die aktuellen John Locke Lectures auf ihrer Webseite als Podcast bereit. Dort sind auch die Lectures aus dem vorherigen Jahr als Podcast sowie die der Jahre 2005 bis 2001 teilweise als PDF erhältlich. Zu Lectures von Philosophen, die vor 2000 in Oxford eingeladen waren (z.B. der in Deutschland bei jungen Philosophen oft unbekannte Robert Nozick, John McDowell oder Ernst Tugendhat) gibt es keine elektronischen Materialien.
Philosophische Zugänge zu Shakespeare – eine Rezension von Martha Nussbaum
Posted by Björn in Buecher, Ethik, Literatur, Verschiedenes on 2008/05/04
Martha Nussbaum rezensiert in The New Republic drei Bücher, die sich mit den philosophischen Aspekten von Shakespeare beschäftigen, darunter eines von Colin McGinn. Doch nur eines wird ihrer Ansicht nach der Aufgabe gerecht, die Literatur als Quelle eines philosophischen Rätsels über die menschlichen Verhältnisse zu würdigen, ohne sie zu einem Einführungstext für Studienanfänger zu degradieren, nämlich “Double Vision. Moral Philosophy and Shakespearean Drama” von Tzachi Zamir (Princeton University Press):
“The philosopher needs to turn to literature because literature gets at depths of human experience, tragic or comic, that philosophical prose does not reach; but then the philosopher will need to show the imprint of that complexity, to reveal something of the pain or the joy that the work evokes from his or her own character. Double Vision owes its success precisely to this capacity for philosophical puzzlement, for laying the plays newly open both to emotional experience and to serious reflection.“