Archive for category Liberalismus
Zeigen Isaiah Berlins Briefe von 1946 bis 1960 den Autor in einem anderen Licht?
Posted by Björn in Buecher, Kulturphilosophie, Leute, Liberalismus, Philosophiegeschichte on 2009/07/20
Henry Hardy hat Briefe von Isaiah Berlin aus den Jahren 1946 bis 1960 herausgegeben. Darin macht Berlin keine gute Figur, so eine Rezension von A.N. Wilson im Times Literary Supplement: “the letters he dictated for fourteen years leave a nasty taste“. Die Beurteilung Wilsons ist selbst ungewöhnlich spitz, so dass der Leser nicht recht weiß, was seltsamer ist – die Kritik oder das Kritisierte. Berlins Briefe scheinen demnach den Autor als einen ängstlich auf seine Reputation bedachten Snob darzustellen, der, anders als es seine Bücher, Aufsätze und Reden erwarten lassen, in der persönlichen Korrespondenz flach und ohne menschliche Größe war. Ob dieses Bild zutrifft, bleibt angesichts von Formulierungen wie “The 800 pages are peppered with malice about poor A. L. Rowse (a more interesting man than Berlin and ultimately more intellectually distinguished)” allerdings zumindest zweifelhaft.
Band mit Aufsätzen von Viktor Vanberg (Einführung Hans Albert)
Posted by Björn in Ökonomie, Buecher, Liberalismus, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2009/07/18
Anlässlich des 65. Geburtstags Viktor Vanbergs haben Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth einen Band mit Aufsätzen Vanbergs herausgegeben, der nun als unveränderte Studienausgabe vorliegt: “Wettbewerb und Regelordnung“. Eine Einführung mit dem Titel “Viktor Vanberg und das sozialwissenschaftliche Erkenntnisprogramm” hat Hans Albert verfasst.
Vanberg war unter anderem Mitarbeiter James Buchanans, Leiter des Walter Eucken-Instituts und Professor für Wirtschaftspolitik. Seine Texte zeichnen sich durch klare Argumentation und leichte Lesbarkeit aus. Er untersucht die methodologischen und sozialphilosophischen Grundlagen eines Programms, das Buchanans Verfassungsökonmik und den durch den Evolutionsgedanken geprägten Liberalismus Friedrich August Hayeks ausformulieren will. Er plädiert für eine Ökonomik als erfahrungswissenschaftlich orientierte “Lebenswissenschaft”, und knüpft damit an Hans Alberts Kritik des ökonomischen “Modell-Platonismus” an.
Sein Ansatz steht in der individualistischen Tradition der Schottischen Moralphilosophie, den er 1975 in dem Buch “Die zwei Soziologien. Individualismus und Kollektivismus in der Sozialtheorie” dargestellt hat. Dieses Buch ist ein Meilenstein der sozialphilosophischen Literatur, in dem es die zwei gegensätzlichen Leitbilder, die die Sozialwissenschaften der letzten Jahrhunderte geprägt haben, analysiert.
Generation Me: Eine narzisstische (selbstverliebte) Jugend
Posted by Björn in Erziehung, Ethik, Kinder, Liberalismus, Moralphilosophie, Politische Philosophie, Psychologie, Sozialphilosophie on 2009/06/11
Jean Twenge und W. Keith Campbell analysieren Studien, die zeigen, dass es generationelle Unterschiede bezüglich des Narzissmus gibt: die jüngere Generation (“Generation Y”) sei erheblich individualistischer als die ihr vorausgehenden. Sie beschäftige sich stärker mit den eigenen Wünschen, sei selbstbewusster – aber auch unglücklicher als ältere Generationen. Das Befolgen von Pflichten und sozialen Regeln sei ihr weniger geläufig.
Aus der Kommunitarismusdebatte der 80er und 90er Jahre sind diese Diagnosen den Philosophen bereits vertraut. Sie hat uns darauf vorbereitet, über Umgangsformen mit diesem Phänomen nachzudenken. Eine Lösung haben wir noch nicht gefunden, was zu einem erheblichen Teil der ideologischen Unterfütterung geschuldet ist, mit der manche Positionen in dieser Debatte vertreten wurden. Wer vorgebliche Ursachen aus ideologischen Gründen überzeichnet, wer bei praktischen Alternativen das Kind mit dem Bade ausschüttet, der löst eben kein Problem. Dennoch ist die Debatte nach wie vor aktuell. Es gibt eine Vielzahl von wertvollen Beiträgen und umsichtigen Anaylsen. Die Bewahrung oder Wiederbelebung (oder Neuerschaffung) des Gemeinsinns in einer pluralistischen Gesellschaft (d.h. ohne Bezug auf orthodoxe oder okkulte Authoritäten) ist eine der wichtigsten sozialen Aufgaben unserer Zeit.
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Isaiah Berlins 100. Geburtstag
Posted by Björn in Geschichte, Kulturphilosophie, Leute, Liberalismus, Philosophiegeschichte, Politik, Politische Philosophie on 2009/05/28
Nick Fraser schreibt im Independent einen ausführlichen Artikel über Isaiah Berlin anlässlich dessen 100. Geburtstages. Berlin ist für seine Charakterisierung der Freiheit berühmt und bei manchen auch bekannt für seine kulturphilosophischen Studien. Fraser rühmt ihn für seine klare Analyse der politischen Verhältnisse und der potenziellen Konflikte und theoretischen Alternativen.
What he says about liberty seems to speak profoundly to our own apathetic moment. Berlin says, again and again, that freedom isn’t a bonus or an accessory, to be taken up or jettisoned at will. “Everything is what it is,” he concludes. “Liberty is liberty, not equality or justice or culture, or human happiness or a quiet life.”
Amartya Sen über die ökonomische Krise und eine Rückbesinnung auf Adam Smith und Arthur Pigou
Posted by Björn in Ökonomie, Liberalismus, Politik, Politische Philosophie, Psychologie on 2009/03/24
Amartya Sen hat in der New York Review of Books einen erfreulich klaren, analytischen Artikel über die Bewertung der aktuellen ökonomischen Krise und die erforderlichen intellektuellen Konsequenzen geschrieben: Capitalism Beyond the Crisis.
It is hard to ignore the fact that today, in addition to the Keynesian effects of mutually reinforced decline, we are strongly in the presence of “errors of…undue pessimism.” …
Despite huge injections of fresh liquidity into the American and European economies, largely from the government, the banks and financial institutions have until now remained unwilling to unfreeze the credit market. …
One of the problems that the Obama administration has to deal with is that the real crisis, arising from financial mismanagement and other transgressions, has become many times magnified by a psychological collapse. …
The present economic crises do not, I would argue, call for a “new capitalism,” but they do demand a new understanding of older ideas, such as those of Smith and, nearer our time, of Pigou, many of which have been sadly neglected.
Roger Scruton über die Notwendigkeit des Humanismus
Posted by Björn in Erziehung, Geschichte, Leute, Liberalismus, Philosophiegeschichte, Politik, Religion on 2009/03/24
Im American Spectator schreibt Roger Scruton eine Art nostalgische Verteidigung des Humanismus – The New Humanism: “I recognize that it was not only noble in itself, but was also a serious attempt to retain the belief in nobility without the theological vision on which that belief had once depended. It was, in effect, a proof of the ideal that it proposed: an example of how human beings can provide themselves with values, and then live up to them.“
Podcast mit Raymond Geuss
Posted by Björn in Liberalismus, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie on 2008/10/22
Raymond Geuss spricht im neuesten Podcast von Philosophy Bites über sein neues Buch (eine Rezension dazu habe ich gestern besprochen), in dem er Philosophen wie Robert Nozick oder John Rawls eine fundamentale Fehlausrichtung ihrer politischen Philosophie attestiert.
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Raymond Geuss’ neues Buch – Machtpolitik statt Moral
Posted by Björn in Buecher, Ethik, Liberalismus, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie on 2008/10/21
Adam Kirsch rezensiert Raymond Geuss neues Buch “Philosophy and Real Politics“. “I object to the claim that politics is applied ethics“, schreibt Geuss und richtet sich explizit gegen die “neo-kantianische”, liberale politische Philosophie, wie sie von Robert Nozick und John Rawls vertreten wurde. Diese seien abstrakt, unrealistisch, letzten Endes ideologische Mystifikationen. Geuss setzt dem ein marxistisch-leninistisches Politikverständnis entgegen, wonach das Bewusstsein durchs Sein korrumpiert ist, weshalb nicht moralische Gerechtigkeitserwägungen, sondern Macht der Untersuchungsgegenstand der politischen Philosophie sein solle. Er plädiert für einen “return from the present reactionary forms of neo-Kantianism to . . . neo-Leninism.”
Sein Rezensent Adam Kirsch weist darauf hin, dass der Verzicht auf moralische Analyse und Gerechtigkeitserwägungen konsistent in der Position des Thrasymachus ausgedrückt ist: “The unjust is lord over the truly simple and just: he is the stronger, and his subjects do what is for his interest, and minister to his happiness, which is very far from being their own“. Dann ist aber fraglich, wie man für ein Engagement gegen Unterdrückung und Machtmissbrauch und für Solidarität argumentieren kann.
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Rawls, Liberalismus und Libertäre
Posted by Björn in Ökonomie, Liberalismus, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2008/08/27
David Gordon, Mitglied des Ludwig von Mises Institute, beschreibt im American Conservative in einem ausführlichen Artikel, wie Libertarians die “leftist” Positionen von John Rawls aufgenommen haben: “Going Off the Rawls“. [via]
Will Kymlicka über Multikulturalismus in liberalen Demokratien
Posted by Björn in Liberalismus, Politik, Politische Philosophie on 2008/08/22
Bei Eurozine gibt es ein Interview mit Will Kymlicka über ethnische Politik in liberalen Demokratien. Seine These ist:
“The long-term goal, therefore, shouldn’t be to extinguish or to solve ethnic politics once and for all, but rather to “normalize” it.“
Podcasts: Rousseau und Zivilisation, Locke und Toleranz
Posted by Björn in Erziehung, Geschichte, Kulturphilosophie, Liberalismus, Politische Philosophie, Religion on 2008/07/14
Auf Philosphy Bites gibt es wieder neue Podcasts:
- Melissa Lane über Rousseau und seine Auffassung von der Zivilisation
- John Dunn über John Locke und religiöse Toleranz u.a.