Nachrufe auf Hilary Putnam: Ein Leben mit Vernunft ist verwundbar

AM 13. März 2016 ist der amerikanische Philosoph Hilary Putnam gestorben. Die ersten Meldungen dazu habe ich hier aufgeführt. Mittlerweile sind einige Nachrufe hinzugekommen, die einen Überblick über Putnams philosophisches Denken geben. Dieses Denken ist vor allem ein undogmatisches, interessiertes und rationales Denken. Putnam hat bereitwillig seine Positionen überdacht und geändert, wenn er Fehler bemerkte. Dies ist leicht anhand seiner Veröffentlichungen festzustellen, die der Philosophie viele berühmt gewordene Hypothesen und Denkfiguren gegeben haben.

Insofern – dies hebt Martha Nussbaum in ihrem Nachruf hervor – ist Putnam ein Gegenbeispiel zum dogmatischen und intellektuell unbescheidenen Typus, der heute in Politik, Medien, Publizistik, aber befremdlicherweise durchaus auch wieder in der Philosophie, anzutreffen ist.

Dies kann man auch im deutschen Feuilleton und in Kulturredaktionen feststellen. Dennoch gibt es bei Deutschlandradio Kultur, wo man das ja kaum noch erwarten würde, einen von Thorsten Jantschek verfassten Nachruf auf Hilary Putnam.

Zuverlässig erwarten kann man solche Beiträge nach wie vor bei der NZZ. Hier beschreibt der in Kent lehrende Edward Kanterian die Entwicklung von Putnams Denken.

Update:
Ein weiterer Nachruf auf Putnam von Jürgen Kaube in der FAZ.

Hilary Putnam verstorben

Der amerikanische Philosoph Hilary Putnam ist gestorben. Die erste Meldung zu Putnams Tod war wohl die von Brian Leiter. Auch der Astrophysiker Sean Caroll schrieb auf Twitter:

Update: Nun gibt es auch Meldungen zu Hilary Putnam
– beim SRF
Corriere della Sera
– und bei La regione Ticino.

Odo Marquard gestorben

Odo Marquard ist am Samstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Es gibt bereits einige Nachrufe. Eine wohl von dpa vorbereitete Meldung findet sich in mehreren Medien, beispielsweise hier oder hier. Ausführlicher schreiben Jens Hacke in der SZ, der Gießener Anzeiger und Jürgen Kaube in der FAZ. Der Bayerische Rundfunk hat hier einen Sendemitschnitt.

Marquard empfahl, auf die Absolutheitsansprüche der Weltverbesserer und der Negativitätstheoretiker zu verzichten – ein Ratschlag, der aktueller kaum sein könnte. Und seine Diagnose von der Einsamkeit in unserer Zeit muss bei aller digitalen Kommunikation und sozialen Vernetzung wohl kaum revidiert werden. Marquard steht nicht zuletzt für einen Humor des Intellektuellen, der nicht krampfhaft und nicht böswillig ist. 1985 hielt er die Laudatio auf Loriot bei der Verleihung des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor.

Update: Weitere Nachrufe gibt es von Gregor Dotzauer im Tagesspiegel, Ludger Fittkau bei Deutschlandradio-Kultur, von Holger Noltze als Audio beim Deutschlandfunk, von Mladen Gladic bei der WELT, von Martin Meyer in der NZZ, und auch N24, der ORF, der Standard und das Giornale dell Umbria berichten

Interview mit Michael Ruse

Michael Ruse, Wissenschaftsphilosoph und Wissenschaftshistoriker, ist hierzulande der breiteren Öffentlichkeit vielleicht noch am ehesten durch seine Auseinandersetzungen mit dem Kreationismus bekannt. Clifford Sosis hat ein ausführliches Interview mit ihm geführt, das interessante biografische, wissenschaftshistorische und zeitgeschichtliche Aspekte berührt.

Gardiner über Bachs Persönlichkeit

Jemand, der faszinierende Werke schafft, muss deshalb als Person nicht überhöht werden. Vollkommen, “heilig”, sind die Wenigsten, ohne dass dies notwendig ihre Aufrichtigkeit oder Leistung schmälern muss (ein Argument, das man auch bei Aristoteles und Seneca findet). Im Gegenteil, gerade diese Menschlichkeit kann die Wege und die Werke von Personen besonders interessant machen – sagt im Fall von Johann Sebastian Bach der britische Dirigent John Eliot Gardiner bei Big Think.

Günter Figal ist als Vorsitzender der Martin-Heidegger-Gesellschaft zurückgetreten

Update: Anders als ich ursprünglich berichtet habe, ist Figal nicht erst in dieser Woche zurückgetreten. Radio Dreyeckland berichtete bereits am 9.1.2015 darüber und bietet ein Gespräch mit Figal als Podcast an – Google war bei meiner Recherche nicht mein Freund. Darauf aufmerksam geworden bin ich durch diesen mit vielen Informationen angereicherten Beitrag von Ralf Keuper.

Über die Bewertung von Martin Heideggers Werk besteht unter Philosophen durchaus kein Konsens – die Haltungen reichen von Verehrung (durchaus zahlreich) über Gleichgültigkeit bis zu heftiger Ablehnung. Hinzu kommt Heideggers persönliche Verstrickung in den Nationalsozialismus – seit Jahrzehnten wird diese unterschiedlich erklärt und bewertet. Doch seit der Veröffentlichung der “Schwarzen Hefte” Heideggers im letzten Jahr sind Viele, die sich von Heideggers Philosophie inspirieren lassen, schockiert von dessen antisemitischen Äußerungen und ringen um eine Haltung.

Günter Figal ist nun vorgestern als Vorsitzender der Martin-Heidegger-Gesellschaft zurückgetreten, weil er sie nicht mehr vertreten könne.

Gestern sprach er im Philosophischen Radio des WDR über Heidegger. Gleich zu Beginn und am Ende (ca. ab min. 46:00) der Sendung – hier als Podcast abrufbar – spricht Figal über seinen Schritt und erläutert die Gründe.

Auch bei Deutschlandradio-Kultur hat Figal im Detail die Situation, seinen Schritt und die notwendigen Aufgaben für die Zukunft erläutert (zu finden in der ARD-Mediathek).

Auf SWR2 berichtet Werner Witt über neue und alte Erkenntnisse über Heidegger und darüber, was zu tun ist.

Der SWR berichtete bereits am 15.1. über den Rücktritt Figals (Transkript hier).

Jaron Lanier – Kritik und Konzeption

Jaron Lanier ist deshalb einer der interessanten Autoren in Fragen der digitalen Kultur, weil er in seinen Texten philosophische Reflexionen mit Kritik verbindet, die sich aus einem phänomenologischen Gespür für wahrnehmungsästhetische, techniksoziologische, kulturelle und ethische Fragen ergibt. Und diese Kritik geht sodann einher mit einer positiven Konzeption einer humanen Technologie.

Lanier reflektiert über neue und alte Selbstverständlichkeiten und zeigt eine deutliche ideologiekritische Skepsis bezüglich quasireligiöser Aufladungen technologischer Weltbilder. Gerade die seit den 50er-Jahren etablierte Ideologiekritik (in Deutschland z.B. Frankfurter Schule, Topitsch, Kritischer Rationalismus) scheint im Bereich der Digitalen Technikutopien noch gar nicht verfangen zu haben, und daher ein ergiebiges Betätigungsfeld zu sein. Jaron Lanier gehört zu den Autoren, die diese Notwendigkeit bereits seit einigen Jahren ansprechen.

Literaturpreis für Rüdiger Safranski

Rüdiger Safranski erhält den Literaturpreis 2014 der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Stiftung würdigt damit Safranskis Biografien. Seine philosophische Essayistik zeichne sich durch Anschaulichkeit und Eleganz aus. Safranski hat Bücher unter anderem zu Schopenhauer, Nietzsche, die Romantik, Schiller und Goethe geschrieben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Autoren wie Uwe Tellkamp, Cees Noteboom, Daniel Kehlmann, Herta Müller, Hilde Domin und Sarah Kirsch.