Verursachen radikale pädagogische Reformen die schwedische Schulmisere?

Das schwedische Schulsystem ist in den PISA-Studien in den letzten Jahren dramatisch abgerutscht. Was ist der Grund? Privatschulen und freie Schulwahl werden oft als Verursacher genannt.

Tino Sanandaji hat in der konservativen National Review eine andere Meinung: “Sweden Has an Education Crisis, But It Wasn’t Caused by School Choice“. Die radikalen pädagogischen Reformen weg vom klassischen Unterricht hätten ungünstige Auswirkungen (siehe unteres Drittel des Artikels). Das “Rousseauian experiment in pedagogic method” habe zu einem Kollaps der Disziplin und der nicht-kognitiven Fähigkeiten der Schüler geführt, der auch von der PISA-Studie angesprochen wird. Auch die Lerndaten wie beispielsweise das Lerntempo zeigten einen massiven Rückgang.

Zwar gibt es in Schweden viele frei wählbare private Schulen, diese seien in der Pädagogik aber an die staatlichen Vorgaben gebunden. Daher gäbe es gerade keinen freien Markt in der Pädagogik, an dem man ablesen könne, welche Pädagogik bessere und welche schlechtere Ergebnisse zeitige.

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In Deutschland plädieren gerade zwei Philosophen für eine Reform des Schulwesens: Julian Nida-Rümelin und Richard David Precht haben je einen eigenen Vorschlag in Buchform vorgelegt, die Bildung in Deutschland zu reformieren.

Teenager experimentieren mit Philosophie – Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber

Eine witzige Aktion hat sich Philosophy News ausgedacht: “If you don’t talk to your kids about philosophy, who will?” Angelehnt an die typischen pädagogischen Ratschläge, Kinder zu bestimmten (und gefährlichen) Themen aufzuklären, weist man hier auf die Gefahren des Denkens und der Logik hin (was derzeit in den USA wohl auch glatt als ernsthaftes Anliegen der die öffentliche Debatte beherrschenden religiösen Fundamentalisten durchginge).

Also, sprechen Sie mit Ihren Kindern, falls Sie Bücher von Kant oder Aristoteles bei ihnen finden!

Computer und Internet als elektronisches Fegefeuer

Noam Chomsky hat im März soziale Medien als “extremely rapid, very shallow communication” bezeichnet, die menschliche Beziehungen erodiere und sie “more superficial, shallow, evanescent” mache. In einem weiteren Interview hat er diese Einschätzung bekräftigt. In digitalen sozialen Medien hat Chomskys Auffassung jüngst durch eine Kritik von Nathan Jurgenson bei Salon Aufmerksamkeit erhalten. Der Twitter-User @wrongwatch hat das folgendermaßen kommentiert:

“Chompksy isn’t wrong about twitter being shallow, evanescent, whatever that means. But I can’t remember why”

David Gelernter, der in seinem Buch “Mirror Worlds” von 1991 viele Entwicklungen des Internet sowie das Cloud-Computing vorweggenommen hat, plädiert in der FAZ dafür, dass Kinder jünger als 14 kein Handy und kein “iSpielzeug” haben sollten, weil sie sonst im elektronischen Fegefeuer landeten.

Die New York Times berichtet, dass im Silicon Valley Mitarbeiter von Firmen wie eBay, Google, Apple, Yahoo und Hewlett-Packard ihre Kinder auf die Waldorf-Schule schicken würden, in deren Klassenzimmer keine Computer erlaubt seien.

Axel Kossel beschreibt im Editorial der c’t, wie ihn seine Apps im Griff haben.