:-> Plato with emoticons :^D – um den heutigen Studenten den kognitiven Zugang zur Philosophie zu erleichtern. Witzig und pädagogisch fürs Erste vielleicht gar nicht so schlecht.
On the internet
Die Debatte über das Internet in Deutschland ist unbefriedigend. Argumente anderer Autoren werden allzuoft leichtfertig abgetan, statt eine differenzierte Position dazu einzunehmen. Es hat den Anschein, als sei man stolz auf die eigenen polemischen Fabulierkünste und begnüge sich dann damit. Pose statt Argument. Hype und Hysterie. Meiner Ansicht nach ist es für eine nüchtern-realistische Abwägung angebracht, das Internet zu entmystifizieren.
Cecilia Webber hat diese Situation in diesem Webcomic “dialektisch” eingefangen:

Aufgabe im Argumentationsseminar: “Nehmen Sie Stellung zu den Vor- und Nachteilen des Internet”.
Aggregierte Charts vom Kindle
Paul Lamere hatte im März Whispersync, das in Amazons Kindle eingebaut ist, mit Audioscrobler verglichen (hier berichtet) und sich gewünscht:
“I hope Amazon aggregates their Whispersync data and give us some Last.fm-style charts about how people are reading.”
Amazon hat nun tatsächlich einen ersten Schritt in diese Richtung getan, und listet nun die Highlight-Charts auf.
Gegen ein relativistisches Argument in der Google-China-Affäre
In den Folien zu seinem re:publica-10-Vortrag “Das Internet ist dezentral. Und andere gefährliche Mythen” (zu finden auch bei Carta) schreibt Sebastian Deterding:
“Umgekehrt wecken Googles Aktivitäten in China ein ganz anderes Unbehagen: Faktisch versucht hier ein US-amerikanisches Unternehmen einer souveränen Nation (China) technisch Werte und Normen vorzuschreiben.”
Auch wenn man diese Behauptung im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung Google vs. China hier und da schon vernommen hat, so ist sie einfach Unsinn. Das eigentliche moralische Argument übergeh ich mal, weil schon auf der sachlichen Ebene einiges an dieser Darstellung schief ist. Denn zunächst einmal ist es Google unbenommen, sein Geschäft so zu betreiben, wie Google es für richtig hält. Und vom sachlichen Verlauf her war es China, das Google vorschreiben wollte, wie dies zu geschehen hat.
In Sebastians Bemerkungen zu den Folien, also seinen Argumenten, die sich ja den Gefahren einer Zentralisierung widmen, ist diese Behauptung nur schwer einzuordnen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie aufgestellt wird. Weil es schick ist? Oder politisch korrekt? Zu sehen, wie verbreitet ein solcher Relativismus ist, weckt ebenfalls Unbehagen. Soll man vielleicht annehmen, böse Monopole kommen zwangsläufig aus den USA? Wie müsste man sie bewerten, wenn sie aus China kommen? Diese Fragen sollen keine polemische Unterstellung einer Position sein, die Sebastian hätte, aber sie folgen aus einer so unglücklichen Behauptung, wie er sie aufgestellt hat.
Tim O’Reilly hat übrigens vor wenigen Tagen die “Cloud” aus seiner Sicht dargestellt, und formuliert gewissermaßen optimistisch die Bedingungen, die wir erfüllen müssen, damit wir das Monopolszenario vermeiden können. Er kommt dabei zu einer ganz anderen Einschätzung von Google, Microsoft und einigen anderen Größen, als ich das in deutschen Beiträgen bisher gefunden habe.
Update: Und prompt belehrt mich Johnny Haeusler erfreulicherweise eines besseren: “Zukunft gestaltet man, indem man sich bemüht, die denkbar beste Version davon vorzubereiten.“
Peter Singer über Internet-Freiheit
In seinem Artikel “The Unknown Promise of Internet Freedom” plädiert Peter Singer für ein freies Internet. Australien will Internetsperren einführen. Eine Leserumfrage des Sydney Morning Herald zeigte, dass 96 % sich dagegen aussprachen und nur 2 % dafür. Die Umfrage hatte die größte Beteiligung aller bisherigen Umfragen der Zeitung, und das eindeutigste Ergebnis.
Der Umbruch durch das Internet sei vergleichbar mit dem, den die Dampfmaschine hervorgebracht hat. Sie schaffe eine Informationsfülle und Informationsfreiheit, die zuvor höchstens denjenigen zugänglich war, die auf eine große Bibliothek zugreifen konnten.
Marshall McLuhan über das globale Dorf
Marshall McLuhan hat schon in den 1960ern behauptet, dass die Welt mit den elektronischen Medien zum globalen Dorf wird, und viele kommunikationssoziologischen Implikationen daraus benannt. Bei seinen Erläuterungen in dem folgenden Video habe ich aber auch den Eindruck, dass er einige Seifenblasen produziert, mit denen wir uns auch in der Internetdebatte herumschlagen.
[via Open Culture]
Identität als postdialektisches Paradigma des digitalen Kontexts
Die digitale Identität hat sich nicht nur aufgelöst, das Konzept selbst ist ein Irrtum, wenn nicht bedeutungslos. Bei Derrida ist die kulturelle Narration ein Mittel, soziale Klasse zu lesen und aufzuheben. Das gilt um so mehr, insofern man den präsemantischen Diskursbegriff über Bord wirft. Rekonstruiert man das Subjekt unter Bedingungen der digitalen sozialen Vernetzung, so muss man zuvor die Illusionen der subkapitalistischen Kultur als atomare Figuren der Sublimation und der Abgrenzung semantisch nachschärfen. Erst eine Neosublimation wird der Rolle des digitalen Subjekts als eines kreativen Nodes gerecht, das seine kontextualisierten Motive ihm Rahmen einer kollektiven Intelligenz aktualisiert. Es kann sie nach außen verlagern, ohne dies als konzeptionellen Verlust der Autorschaft seiner Narration zu erleben. Das “Ihr” und das “Außen” hat keine Grenzen mehr zum “Ich” und zum “Innen”, die Differenz entfaltet sich in digitalen Netzen als postliberales Universum der freigesetzten Möglichkeiten. Es entsteht eine Dynamik, in der Kommunikation unter Zwängen von Macht überführt wird in die raison d’etre des Diskurses und seiner Teilnehmer, in einen erweiterten, postmaterialistischen Identitätsbegriff. So lässt sich das Paradigma von sozialdigitaler Realität heute auch jenseits der Absurdität Sartres denken, die – noch vor Baudrillard – der adäquate Ausdruck der Angst vor der Simulation war, deren zentrifugale Auswirkungen aber heute emanzipatorisch eingeholt und als distribuierte Realität sozusagen verflüssigt werden. Das Signifikat ist damit selbst zum Ursprung des Immerneuen geworden. Sofern das digitale Subjekt dies “nach innen” holt, tritt es als bewegter Beweger in einen Diskurs mit dem Außen, aus dem sich die neuen Substrate einer Identität und einer kollektiven, vielschichtigen Narration eines überindividuellen Subjekts ausbilden, die entlang der Signalwege von Myriaden von Netzknoten je einmalige Instanziierungen darstellen, denen der Identitätsbegriff nicht mehr gerecht wird.
1984: Mit Apple zurück nach vorne?
[via Boing Boing]
Das Video ist ein polemischer Remix des Werbespots, den Apple 1984 zur Einführung des Macintosh veröffentlicht hat. Die Polemik zielt auf Apples geschlossenes (“vertically integrated”) System, in dem das Unternehmen eine monopolistische Entscheidunsgmacht über Inhalte hat. Cory Doctorow hat vor ein paar Tagen auf Boing Boing darüber geschrieben.
Beachtlich ist, wie es Apple gelingt, neue Technologien in der Massenwahrnehmung mit seiner Marke zu verbinden. Als der iPod angekündigt wurde, gab es auch MP3-Player anderer Hersteller, und einige waren sogar besser (wie beispielsweise wie die Festplattenplayer von Archos). In den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung wurde aber der iPod zum Synonym für mobile Abspielgeräte. Kurz darauf wurde der Begriff Podcast geprägt, ein Neologismus mit Referenz an den iPod und den Begriff Broadcast. In den Weblogs hatten wir zuvor diskutiert, mit welchem Begriff man die Erstellung und Verbreitung von Audiodateien mit gesprochenen Inhalten durch individuelle Nutzer am besten bezeichnen könnte. Mir schwebte der Begriff “Audioblog” als am besten geeignet vor, aber “Podcast” mit seiner Referenz auf ein proprietäres kommerzielles Produkt setzte sich durch.
Bei der Ankündigung des iPhone hatte ich in der Tat den Eindruck, dass Apple vorhandene Technologien in einem neuen, wegweisenden Produkt vereint hatte. Dieses Produkt ist heute fest in der Massenwahrnehmung verankert, so dass Verwirrung entsteht, wenn man ein Android-Handy zeigt und verneinen muss, dass es sich um iPhone handele. Die Verwirrung zeigt sich in der Reaktion, dass ein Android-Handy nicht “das richtige Ding” sein könne, während es auf der anderen Seite offensichtlich Apps und Netzwerke zur Verfügung stellt.
Beim iPad ist es wieder ähnlich wie beim iPod. Eigenschaften und Funktionen sind nicht neuartig und können auch von anderen Herstellern geliefert werden. Aber es hat den Anschein, dass Medien und Öffentlichkeit geradezu einen einzigen Kristallisationspunkt brauchen und diesen willkürlich herstellen, um über ein Gerät mit solchen Funktionen zu reden.
Dazu passend: Geek and Poke – Why Is The iPad Better Than All The No-Names?
Günther Anders – Diagnosen auch für das Internetzeitalter
“Dass wir der Perfektion unserer Produkte nicht gewachsen sind; dass wir mehr herstellen als vorstellen und verantworten können; und dass wir glauben, das, was wir können, auch zu dürfen, nein: zu sollen, nein: zu müssen.” (Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen, Band 1, Vorwort zur 5. Auflage)
Habermas über die Rolle der Intellektuellen im Internetzeitalter
Jürgen Habermas’ Preisrede “Ein avantgardistischer Spürsinn für Relevanzen. Was den Intellektuellen auszeichnet” (zur Verleihung des Kreisky-Preises 2005 an ihn) war schon 2006 im Internet zu lesen (Teil1 und Teil 2 beim Standard) und wurde in einigen Weblogs diskutiert. So wurde Habermas’ Pessimismus bezüglich des öffentlichen Diskurses im Internet kritisiert.
In den letzten Tagen hat der Text im Netz wieder die Runde gemacht – ich nehme an, weil am Dienstag bei Transformations of the Public Sphere eine kondensierte Version des Textes, der 2009 in dem Band “Europe: The Faltering Project” (Polity Press, 2009) abgedruckt wurde, erschien: “An Avantgardistic Instinct for Relevances: Intellectuals and their Public“. Das PDF der vollständigen deutschen Version, die in der Essaysammlung “Ach, Europa” (2008) abgedruckt wurde, findet sich beim Renner-Institut. [via Political Theory - Habermas and Rawls]
In seiner Preisrede stellt Habermas fest, dass die Sphäre des Öffentlichen informeller werde und die gewohnten Rollen darin verschwämmen. Aufgrund der dezentralen, informellen Struktur des Öffentlichen im Internet und dem Mangel eines gefilterten Pools an Nachrichten stünden die Beiträge der Intellektuellen nicht mehr im Fokus. Diese Form der Öffentlichkeit basiere mehr auf Popularität als auf guten Argumenten. Intellektuelle sollten es als Privileg betrachten, nicht um Popularität zu buhlen und stattdessen ein Gespür für relevante Themen haben.
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Carrie Jenkins – Philosophie im Internet
Als wenn ich nicht schon genug Tabs geöffnet hätte!
Über ein Foto auf Twitpic bin ich auf die Philosophin Carrie Jenkins gestoßen – und bei ihr gibt es so viel im Internet zu sehen, dass ich hier erst einmal nur ein paar Links abladen kann:
Pappmaché-Figur von Rudolf Carnap auf einem Bücherregal
Ihr Youtube-Kanal, auf dem es beispielsweise einen Song über Willard Van Orman Quine und einen übers A priori gibt. Wirklich feine Musik.
Die Webseite der 21st Century Monads, eine Band von Philosophen mit Songtiteln wie “My paper was rejected again” oder “We can’t stop doing metaphysics”


