Jaron Lanier – Kritik und Konzeption

Jaron Lanier ist deshalb einer der interessanten Autoren in Fragen der digitalen Kultur, weil er in seinen Texten philosophische Reflexionen mit Kritik verbindet, die sich aus einem phänomenologischen Gespür für wahrnehmungsästhetische, techniksoziologische, kulturelle und ethische Fragen ergibt. Diese geht Hand in Hand mit einer positiven Konzeption einer humanen Technologie.

Lanier reflektiert über neue und alte Selbstverständlichkeiten und zeigt eine deutliche ideologiekritische Skepsis bezüglich quasireligiöser Aufladungen technologischer Weltbilder. Gerade die seit den 50er-Jahren etablierte Ideologiekritik (in Deutschland z.B. Frankfurter Schule, Topitsch, Kritischer Rationalismus) scheint im Bereich der Digitalen Technikutopien noch gar nicht verfangen zu haben, und daher ein ergiebiges Betätigungsfeld zu sein. Jaron Lanier gehört zu den Autoren, die diese Notwendigkeit schon vor Jahren erkannt haben.

Den Troll ausblenden

Der Troll kehrt auf seiner moralischen Mission immer wieder an die Orte im Internet zurück, wo er meint, die Welt ändern und mit seiner Verkündigung beglücken zu müssen. In seinem beamtenhaften religiösen Eifer ist er wie ein Stalker.

Für Marginal Revolution gibt es nun ein User Script, um wenigstens nervige Kommentatoren zukünftig auszublenden – ein Beitrag, um Internetkommunikation wieder sozial zu machen. (Das Script läuft im Browser ohne zentrale Datenhaltung. Es ändert nicht die betreffende Seite selbst, sondern nur die Darstellung im eigenen Browser.) Der Troll kann weiter seine Zeit verschwenden ohne das Ausmaß seiner Irrelevanz zur Kenntnis zu nehmen – und alle anderen sparen ihre Zeit. Das Script sollte sich leicht für andere Seiten anpassen lassen.

Der Nachteil an dieser Lösung ist, dass man nicht sieht, wie schlecht ein Kommentarthread für Leute aussieht, die das Script nicht nutzen.

Sokrates über die Debattenkultur im Internet

Die sozialpsychologischen Mechanismen der Internetkultur sind einigermaßen trivial. Um hierzu dennoch große “Netzphilosophien” und “Systemtheorien” anzubieten, muss man denn schon die schlichten Sachverhalte möglichst obskur und getragen von religiösem Bekehrungseifer darstellen.

Einen der zentralen Mechanismen der “Netzdebatten” hat Sokrates beschrieben: “Denn was nach seinem eigenen Sinn gesprochen wird, daran freut sich ein jeder, was aber aus einem fremden, das ist ihm zuwider.” (Platon: Gorgias, 512b) Und wegen dieser nüchtern-realistischen Einschätzung empfiehlt Sokrates Vernunft und Moral als einzige intelligente Option.

“Das Internet muss weg” – Mocumentary über Netzneutralität

Ein gut erzählter und gut gemachter Film über einen Marktforscher (dargestellt von einem Schauspieler), der sich mit echten Experten, Usern, Unternehmern unterhält, um herauszufinden, was man gegen Netzneutralität tun kann … und zu ganz anderen Ergebnissen kommt. Hier die Webseite zum Film.