Die Welt aka teh internets bewegt ja dieser Tage die Frage, warum das Mannequin nur einen gelben Socken trägt. Der Werbefotograf scheint mir allerdings mit der Sockenlösung die unterschiedlichen Strumpfhosentypen kongenial ins Bild gesetzt zu haben. Verwirrender ist demgegenüber die Frage, was der Sockenträger da liest? Ein Buch der Edition Suhrkamp?
Die digitale Identität hat sich nicht nur aufgelöst, das Konzept selbst ist ein Irrtum, wenn nicht bedeutungslos. Bei Derrida ist die kulturelle Narration ein Mittel, soziale Klasse zu lesen und aufzuheben. Das gilt um so mehr, insofern man den präsemantischen Diskursbegriff über Bord wirft. Rekonstruiert man das Subjekt unter Bedingungen der digitalen sozialen Vernetzung, so muss man zuvor die Illusionen der subkapitalistischen Kultur als atomare Figuren der Sublimation und der Abgrenzung semantisch nachschärfen. Erst eine Neosublimation wird der Rolle des digitalen Subjekts als eines kreativen Nodes gerecht, das seine kontextualisierten Motive ihm Rahmen einer kollektiven Intelligenz aktualisiert. Es kann sie nach außen verlagern, ohne dies als konzeptionellen Verlust der Autorschaft seiner Narration zu erleben. Das “Ihr” und das “Außen” hat keine Grenzen mehr zum “Ich” und zum “Innen”, die Differenz entfaltet sich in digitalen Netzen als postliberales Universum der freigesetzten Möglichkeiten. Es entsteht eine Dynamik, in der Kommunikation unter Zwängen von Macht überführt wird in die raison d’etre des Diskurses und seiner Teilnehmer, in einen erweiterten, postmaterialistischen Identitätsbegriff. So lässt sich das Paradigma von sozialdigitaler Realität heute auch jenseits der Absurdität Sartres denken, die – noch vor Baudrillard – der adäquate Ausdruck der Angst vor der Simulation war, deren zentrifugale Auswirkungen aber heute emanzipatorisch eingeholt und als distribuierte Realität sozusagen verflüssigt werden. Das Signifikat ist damit selbst zum Ursprung des Immerneuen geworden. Sofern das digitale Subjekt dies “nach innen” holt, tritt es als bewegter Beweger in einen Diskurs mit dem Außen, aus dem sich die neuen Substrate einer Identität und einer kollektiven, vielschichtigen Narration eines überindividuellen Subjekts ausbilden, die entlang der Signalwege von Myriaden von Netzknoten je einmalige Instanziierungen darstellen, denen der Identitätsbegriff nicht mehr gerecht wird.
Als wenn ich nicht schon genug Tabs geöffnet hätte!
Über ein Foto auf Twitpic bin ich auf die Philosophin Carrie Jenkins gestoßen – und bei ihr gibt es so viel im Internet zu sehen, dass ich hier erst einmal nur ein paar Links abladen kann:
Ihr Youtube-Kanal, auf dem es beispielsweise einen Song über Willard Van Orman Quine und einen übers A priori gibt. Wirklich feine Musik.
Die Webseite der 21st Century Monads, eine Band von Philosophen mit Songtiteln wie “My paper was rejected again” oder “We can’t stop doing metaphysics”
Die Seite econstories.tv von John Papola und Russ Roberts will über ökonomisches Denken aufklären. Dort ist jetzt ein Musikvideo erschienen, in dem John Maynard Keynes und F. A. Hayek in Form eines Rap-Songs ihre Ansichten zu Ökonomie und Wirtschaftspolitik zum Besten geben. Der Text ist auf der Seite ebenfalls zu lesen. Das Alles ist ziemlich gut gemacht und auch inhaltlich erstaunlich gut – mit einer Ausnahme, die bei weissgarnix erwähnt wird, die das Video aber auch als “genial” bezeichnen. Dort findet sich in den Kommentaren auch eine deutsche Übersetzung.
Der Song ist bei econstories.tv kostenlos erhältlich.
Edgar Dahl hat in seinem Weblog Libertarian ein fabelhaftes Interview mit Woody Allen veröffentlicht, das er mit ihm in Allens Lieblingsrestaurant „Elaine’s“ geführt hat. Woody Allen plaudert zwanglos und gewohnt ironisch über sein Verhältnis zur Philosophie. Als Quelle seines Pessimismus führt er Schopenhauer an. Er hat die klassischen Autoren des Existenzialismus und deutschen Idealismus gelesen, und gibt als seinen Philosophielehrer Sandor Nadelmann aus. Ob es diesen Nadelmann wirklich gibt, habe ich nicht herausfinden können. Im Internet stieß ich nur auf eine Anekdote über Nadelmann, die Allen in den 80ern geschrieben hat und die voller Übertreibungen ist, sowie auf einen Artikel in der taz, dessen Autor diesen Namen vermutlich als Pseudonym verwendet.
Heute ist Maybe Day – nach einer Idee des Schriftstellers Robert Anton Wilson, wie John Higgs im Guardian berichtet. Mal einen Tag auf alle ideologischen Gewissheiten verzichten und über die Mauern hinweg die Vielfalt der Weltbilder zur Kenntnis nehmen.
Das amerikanische Wissenschaftsmagazin The Onion berichtet, dass vor drei Jahren ein verschollenes Werk Nietzsches aus dem Jahr 1880 wieder aufgetaucht ist, das in der amerikanischen Übersetzung den so schlichten wie pompösen Titel “Fat is dead” trägt. Darin geht es um die Nietzsche-Diät. “Iss das, wovor du Angst hast, denn die Angst macht dich dick. Lache darüber, wenn du es verzehrst – zusammen mit großzügigen Salatportionen“, so ein Auszug aus dem Diätplan. Die englische Übersetzung ist offenbar ebenso genuin wie werktreu: “Remember, as you stare into the lettuce, the lettuce stares also into you.”
Anwender berichten von erfolgreichen Diäten, aber Vorsicht ist dennoch geboten. Wie bei den Ernährungsempfehlungen von Schopenhauer oder Freud seien Nebenwirkungen möglich.