Archive for category Erziehung
Teenager experimentieren mit Philosphie – Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber
Eine witzige Aktion hat sich Philosophy News ausgedacht: “If you don’t talk to your kids about philosophy, who will?” Angelehnt an die typischen pädagogischen Ratschläge, Kinder zu bestimmten (und gefährlichen) Themen aufzuklären, weist man hier auf die Gefahren des Denkens und der Logik hin (was derzeit in den USA wohl auch glatt als ernsthaftes Anliegen der die öffentliche Debatte beherrschenden religiösen Fundamentalisten durchginge).
Also, sprechen Sie mit Ihren Kindern, falls Sie Bücher von Kant oder Aristoteles bei ihnen finden!
Computer und Internet als elektronisches Fegefeuer
Noam Chomsky hat im März soziale Medien als “extremely rapid, very shallow communication” bezeichnet, die menschliche Beziehungen erodiere und sie “more superficial, shallow, evanescent” mache. In einem weiteren Interview hat er diese Einschätzung bekräftigt. In digitalen sozialen Medien hat Chomskys Auffassung jüngst durch eine Kritik von Nathan Jurgenson bei Salon Aufmerksamkeit erhalten. Der Twitter-User @wrongwatch hat das folgendermaßen kommentiert:
“Chompksy isn’t wrong about twitter being shallow, evanescent, whatever that means. But I can’t remember why”
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David Gelernter, der in seinem Buch “Mirror Worlds” von 1991 viele Entwicklungen des Internet sowie das Cloud-Computing vorweggenommen hat, plädiert in der FAZ dafür, dass Kinder jünger als 14 kein Handy und kein “iSpielzeug” haben sollten, weil sie sonst im elektronischen Fegefeuer landeten.
Die New York Times berichtet, dass im Silicon Valley Mitarbeiter von Firmen wie eBay, Google, Apple, Yahoo und Hewlett-Packard ihre Kinder auf die Waldorf-Schule schicken würden, in deren Klassenzimmer keine Computer erlaubt seien.
Axel Kossel beschreibt im Editorial der c’t, wie ihn seine Apps im Griff haben.
Für eine Kultur respektvoller Debatten – Martha Nussbaum
Posted by Björn in Argumentation, Erziehung, Rationalität on 2011/03/03
Martha Nussbaums Buch “Not for Profit” über die Relevanz der Geisteswissenschaften wird in Großbritannien und den USA viel diskutiert. Völlig zu Recht weist sie darauf hin, dass es sich um ein weltweites Problem handelt.
Ende letzten Jahres wurde im Blog “In Socrates’ Wake” in mehreren Beiträgen über “Not for Profit” diskutiert, und am 8. November 2010 antwortete Martha Nussbaum auf die Diskussion. Sie wies auf einige positive Aspekte des amerikanischen Systems hin, die es in dieser Form in Deutschland nicht oder nur ansatzweise gibt.
Außerdem diskutiert sie die Verantwortung der Geisteswissenschaft – und dieser Teil scheint mir in Manchem übertragbar auf die Situation in Deutschland, aber auch von ganz eigener Wichtigkeit zu sein.
Sie hält in den akademischen Disziplinen einen Respekt für ernsthafte Argumente ebenso für erforderlich wie das Ideal, dass widerstreitende Positionen mit Respekt und verständnisvoll untersucht werden müssen. Beides vermisst sie insbesondere in den Literaturwissenschaften (“literature departments”). Sie diskutiert dann einige amerikanische Besonderheiten, und streicht dann noch einmal die Bedeutung des “respektvollen Argumentierens” für die demokratische Kultur heraus.
Sowohl, was ihre Einschätzung dieser Wichtigkeit, als auch was die typischen Symptome des Ignorierens dieses Werts angeht, stimme ich ihr zu. Hiesige Debatten, etwa in der Politik oder im Internet, lassen in ganz erstaunlichem Maß die Fähigkeit und Bereitschaft vermissen, Themen sachgerecht darzustellen und alternative Positionen angemessenen zu diskutieren. Stattdessen werden die eher üblichen, ohnehin schon unverzeihlichen rhetorischen Fouls nicht selten von mehr oder weniger verschleierten ad-hominem-Attacken gekrönt.
Tatsächlich haben die Geisteswissenschaften die Aufgabe, den Studierenden die Fähigkeit zu intellektuellem Respekt beizubringen, und tatsächlich ist es erforderlich, diese Fähigkeit möglichst weit zu verbreiten. Destruktive Machtkämpfe in Debatten sind psychologisch und kulturell krank.
In Martha Nussbaums Worten: “I so often see opposing positions demonized and not engaged with seriously, and I think this is a grave failing of our culture.” Erforderlich ist “a way of putting forward one’s own position (by persuasive argument) that is not insulting but deeply respectful.”
Die Kümmerform von Bildung heute
Posted by Björn in Erziehung, Kulturphilosophie, Philosophie allgemein on 2011/02/26
Bei den Philosophischen Schnipseln gibt es einen interessanten Beitrag zum Bildungs(un)wesen in Deutschland heute mit einem Video, in dem Julian Nida-Rümelin sich dafür ausspricht, wieder an das humanistische Bildungsideal anzuknüpfen, in dem Menschen befähigt werden, eigene Urteile zu entwickeln und die ganze Persönlichkeit zu entfalten.
Nussbaum-Interview: Aufklärung im 21. Jahrhundert
Posted by Björn in Akademisches, Erziehung, Ethik, Kulturphilosophie, Moralphilosophie, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Politische Philosophie, Psychologie on 2011/02/16
Die RSA hat in der letzten Zeit Videos einiger Vorträge veröffentlicht, die im Netz viel Aufmerksamkeit fanden. Vor zwei Monaten war Martha Nussbaum eingeladen, über Aufklärung im 21. Jahrhundert zu sprechen. In den USA und Großbritannien ist ihr kürzlich erschienenes Buch “Not for Profit: Why Democracy Needs the Humanities” viel diskutiert worden, weil die Relevanz der Geisteswissenschaften in der politischen Agenda in Frage gestellt wird.
Im Video legt Martha Nussbaum einige ihrer Positionen zu Fragen der Moral und Politik in kurzer, anschaulicher Form dar. Es kann hier heruntergeladen werden (hier nur Audio).
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Entfaltung der Persönlichkeit trotz Internet
Posted by Björn in Emotionen, Erziehung, Internet, Kulturphilosophie, Medien, Psychologie, Second Life, Technik, Virtual Reality on 2010/10/24
In Freundschaften geht man ein Risiko ein – im Internet geht dieser Aspekt realer Beziehungen verloren, schreibt Roger Scruton in “Hiding behind the screen“. Fernsehen, Facebook, Second Life, iPod – deren Dominanz reduziert die Erfahrungsmöglichkeiten, die man braucht, um Selbstbestimmung (Fichte), Anerkennung (Hegel) und Entfaltung (Marx) zu erleben. Demgegenüber wird die Entfremdung durch den Fetischismus der Massenkultur (Adorno, Horkheimer) immer subtiler – und umfassender. Es fehlt an einer kritischen Haltung, die es den Menschen erlaubt, auf reale Erfahrungen und reale Emotionen Wert zu legen. Dazu gehört das Eingehen von Risiken – auch realer emotionaler Risiken, wie sie in naturwüchsigen Beziehungen drohen. Um zu einem moralischen Wesen zu wachsen, braucht es “risk, embarrassment, suffering, and love.“
Bildungsmisere – ein Problem nicht nur bei uns
Posted by Björn in Erziehung, Verschiedenes on 2010/06/29
Hier ein gut gemachtes Infographics-Video zu einem wichtigen Thema [via]. Bemerkenswert, dass man in den USA ebenso eine nationale Bildungsmisere beklagt wie bei uns.
TakePart: Participant Media – Waiting For ‘Superman’ – Infographic from Jr.canest on Vimeo.
Generation Me: Eine narzisstische (selbstverliebte) Jugend
Posted by Björn in Erziehung, Ethik, Kinder, Liberalismus, Moralphilosophie, Politische Philosophie, Psychologie, Sozialphilosophie on 2009/06/11
Jean Twenge und W. Keith Campbell analysieren Studien, die zeigen, dass es generationelle Unterschiede bezüglich des Narzissmus gibt: die jüngere Generation (“Generation Y”) sei erheblich individualistischer als die ihr vorausgehenden. Sie beschäftige sich stärker mit den eigenen Wünschen, sei selbstbewusster – aber auch unglücklicher als ältere Generationen. Das Befolgen von Pflichten und sozialen Regeln sei ihr weniger geläufig.
Aus der Kommunitarismusdebatte der 80er und 90er Jahre sind diese Diagnosen den Philosophen bereits vertraut. Sie hat uns darauf vorbereitet, über Umgangsformen mit diesem Phänomen nachzudenken. Eine Lösung haben wir noch nicht gefunden, was zu einem erheblichen Teil der ideologischen Unterfütterung geschuldet ist, mit der manche Positionen in dieser Debatte vertreten wurden. Wer vorgebliche Ursachen aus ideologischen Gründen überzeichnet, wer bei praktischen Alternativen das Kind mit dem Bade ausschüttet, der löst eben kein Problem. Dennoch ist die Debatte nach wie vor aktuell. Es gibt eine Vielzahl von wertvollen Beiträgen und umsichtigen Anaylsen. Die Bewahrung oder Wiederbelebung (oder Neuerschaffung) des Gemeinsinns in einer pluralistischen Gesellschaft (d.h. ohne Bezug auf orthodoxe oder okkulte Authoritäten) ist eine der wichtigsten sozialen Aufgaben unserer Zeit.
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Roger Scruton über die Notwendigkeit des Humanismus
Posted by Björn in Erziehung, Geschichte, Leute, Liberalismus, Philosophiegeschichte, Politik, Religion on 2009/03/24
Im American Spectator schreibt Roger Scruton eine Art nostalgische Verteidigung des Humanismus – The New Humanism: “I recognize that it was not only noble in itself, but was also a serious attempt to retain the belief in nobility without the theological vision on which that belief had once depended. It was, in effect, a proof of the ideal that it proposed: an example of how human beings can provide themselves with values, and then live up to them.“
Haben Zauberer- und Hexengeschichten einen negativen Einfluss auf Kinder
Posted by Björn in Erziehung, Kinder, Verschiedenes on 2008/10/30
Gut, dass das auch mal jemand Seriöses in der Öffentlichkeit fragt: Harry Potter fails to cast spell over Professor Richard Dawkins.
Da versucht man seine Kinder möglichst so zu erziehen, dass sie mit Chancen und Gefahren der Welt ohne unnötige Ängste und unrealistische Erwartungen zurechtkommen, und dann sind sie laufen konfrontiert mit Hexengeschichten, explodierenden Monstern, schreienden Geistern und Außerirdischen. Es ist zwar Zeitgeist und politisch korrekt, eher an Hexerei als an eine vernünftige Ausbildung zu glauben, ich finde das Angebot für Kinder in Medien und Büchern aber unterirdisch.
Podcasts: Rousseau und Zivilisation, Locke und Toleranz
Posted by Björn in Erziehung, Geschichte, Kulturphilosophie, Liberalismus, Politische Philosophie, Religion on 2008/07/14
Auf Philosphy Bites gibt es wieder neue Podcasts:
- Melissa Lane über Rousseau und seine Auffassung von der Zivilisation
- John Dunn über John Locke und religiöse Toleranz u.a.
Umgekehrte Geschlechterdifferenz in der Bildung
Posted by Björn in Ökonomie, Erziehung, Soziologie, Verschiedenes on 2008/03/04
Becker und Posner beschreiben in ihrem Blog “The new gender gap in education”: Frauen haben nicht nur aufgeholt, sondern sogar einen höheren Anteil bei höheren Bildungsabschlüssen. Vermutlich wird dies in den nächsten Jahrzehnten einen großen Einfluss bei der Einkommensverteilung und Besetzung von Schlüsselpositionen haben.