Qualitätsprobleme bei eBooks

Ein derzeit augenfälliger Nachteil von E-Books ist die nicht selten geringe Textqualität. Zahlreiche Rechtschreibfehler, manchmal kuriose Absätze, nicht funktionierende oder nicht existente Seitenverweise, überhaupt eine meistens fehlende Referenzierbarkeit (“Seitenzahlen”), Formatierungsprobleme, die sich offenbaren, wenn man die Schriftgröße ändert – dies sind einige der Ärgernisse, denen man als E-Book-Leser regelmäßig begegnet.

Joanna Cabot berichtet bei Teleread, dass Texte offenbar nach der Konvertierung ins E-Book-Format nicht mehr geprüft werden.

Neutraler Monismus bei Bertrand Russell

Der Neutrale Monismus ist eine Alternative zu den Klassikern Dualismus, Idealismus und Materialismus. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde er von verschiedenen Autoren diskutiert, und findet sich in den aktuellen Überlegungen bei David Chalmers und Thomas Nagel wieder.

1921 schreibt Bertrand Russell in “The Analysis of Mind”, dass er der Auffassung von William James und den “Amerikanischen Realisten” teilweise zustimme, dass Geist und Materie aus einem neutralen Stoff (“stuff”) bestehen, der nicht geistig oder materiell sei.

“The Analysis of Mind” kann man bei Gutenberg.org und bei Archive.org lesen.

ontosOpen – Einige kostenlose E-Books beim ontos-Verlag

Im Blog vom Blinden Hund habe ich den Hinweis gefunden, dass der ontos-Verlag eine Reihe von philosophischen Büchern als kostenlose E-Books abgibt: “ontosOpen offers Open Access publications of selected eBooks.” Für den Download ist ein ganz normaler Bestellvorgang, wie in Onlineshops üblich, erforderlich.

Die Reihe dürfte wohl vornehmlich für das Fachpublikum interessant sein. Die meisten Titel sind englischsprachig. Autoren sind unter anderem Nicholas Rescher, Herbert Hrachovec, Georg Meggle, Reiner Hedrich und Friedrich Stadler.

Freier Zugang zu “Erkenntis”

Die Zeitschrift “Erkenntnis” ist eine renommierte Fachpublikation, die man wohl am ehesten mit der analytischen Philosophie in Verbindung bringt. Die Zeitschrift hat eine bewegte Geschichte. Unter anderem musste sie 1939 ihr Erscheinen einstellen und wurde 1975 wieder ins Leben gerufen. Maßgabe für Beiträge war, wie Carl Gustav Hempel schrieb, “adherence to high standards of clarity of statement and cogency of reasoning”.
Alle Beiträge in “Erkenntnis” sind bis zum 31.12.2011 frei erhältlich.

Der neue EPUB3-Standard – eine fatale Weichenstellung?

Strahinja Marković, der Entwickler von Sigil, regt sich über Inhalte der neuen EPUB-Spezifikation auf. Seine Anmerkungen sind interessant.
Die im neuen Standard nun hinzugekommene optionale Unterstützung von JavaScript ist ihm ein Dorn im Auge, weil dadurch die Portabilität von eBooks auf unterschiedliche Lesesysteme behindert wird. Zwar warne die IPDF vor der Nutzung von Scripting mit der Feststellung: “it greatly increases the likelihood that content will not be portable across all Reading Systems and creates barriers to accessibility and content reusability“, aber niemand werde darauf hören, so Marković. Die Tore zur Portabilitätshölle seien nun geöffnet. Man werde epub-Bücher herstellen, die alleine für iBooks gedacht sind, und zwar mit teilweise schlechtem, zusammengestoppelten Code, so dass Nutzer anderer Lesesysteme das Nachsehen haben.
Wer vermeintlich “brilliante” Designideen und die notorische Interaktivität in sein eBook bringen will, der solle eine App erstellen, und nicht ein EPUB. Bücher bräuchten zwar keine Kuhglocken; aber die, die sie dennoch haben sollen, seien Apps, keine epubs.

Eine Erweiterung im neuen EPUB3-Standard, die sich Marković erhofft hatte, die aber nicht implememtiert wurde, ist die mandatorische Abdeckung einer minimalen Anzahl von Schriftzeichen. Einige epubs, die nur auf dem iPad getestet wurden, zeigen auf Lesegräten, die Adobes RMSDK verwenden, nur einen Haufen von Fragezeichen. Dieses Problem sei viel dringender als das Anliegen, bunte Videos in epubs abzuspielen.

Außerdem erwähnt Marković, dass Adobes Lesesystem ADE zwar nicht großartig, aber das beste verfügbare sei. Das Schlechteste dagegen sei mit Sicherheit iBooks. Apple schere sich nicht um die EPUB-Spezifikationen, und dies füge sich in die Reihe von absichtlichen Standardverletzungen, die Apple praktiziere. Markovićs Ausführungen sind besonders in diesem Punkt nicht jugendfrei.

Nachtrag zu diesem Thema: Liza Daly hat ihre Präsentation “Cost-effective enhanced ebooks with EPUB3” bei Slideshare bereitgestellt.

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Literatur, Kultur, Politik, Internet

Drei Artikel:

Die Provinz, die Schweden ist: Schwedische Kommentatoren sind mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Mario Vargas Llosa nicht einverstanden – weil er auf der falschen politischen Seite stehe. Johan Norberg wundert sich über seine Kollegen: disqualifiziert sich ein Schriftsteller, weil er einen Liberalismus in der Tradition von John Locke und Adam Smith befürwortet? Weil er sich vom Kommunismus abgewendet hat, weil er entsetzt ist über das Leid, das sozialistische Machthaber verursacht haben? “He moved on not because he was no longer able to sympathise with the poor and oppressed, but because he still did when others began to identify more with the revolutionaries than with the people in whose name they made the revolution. He saw that Castro persecuted homosexuals and imprisoned dissenters. While other socialists kept quiet and thought that the dream justified the means, Vargas Llosa began to ask himself the difficult questions about why his ideals looked more like prison camps than socialist utopias when realised.

James Buchan rezensiert beim Guardian Peter Watsons Buch “The German Genius”

Braucht Poesie Papier? Gefährdet die Veränderung der Medien den Reichtum und die Vielfalt künstlerischen Schaffens? Schrumpft der Kontext und veräbdert dadurch die Sprache, wie Don DeLillo meint?

How to find a good self-published e-book

Laura Miller schreibt bei Salon.com über ein massives Problem, das Leser mit E-Books haben werden – nämlich das, gute Bücher zu finden. Und wie machen sich introvertierte Autoren in einem Ozean von Veröffentlichungen bemerkbar?

“Everybody acknowledges that there have to be a few gems out in the slush pile — one manuscript in 10,000, say — buried under all the dreck. The problem lies in finding it. …
In other words, it’s a dirty job, but someone’s got to do it, and if the prophecies of a post-publishing world come true, it looks, gentle readers, as if that dirty job will soon be yours. …
Writers who are charming in person and happy to promote themselves and interact with fans will prosper, while antisocial geniuses may fail. (It’s unsettling to wonder how the Salingers, Pynchons, Naipauls and David Foster Wallaces of tomorrow will fare in a world where social networking and glad-handing are de rigueur. Why should extroversion be required of a great novelist?)”

Aggregierte Charts vom Kindle

Paul Lamere hatte im März Whispersync, das in Amazons Kindle eingebaut ist, mit Audioscrobler verglichen (hier berichtet) und sich gewünscht:
I hope Amazon aggregates their Whispersync data and give us some Last.fm-style charts about how people are reading.

Amazon hat nun tatsächlich einen ersten Schritt in diese Richtung getan, und listet nun die Highlight-Charts auf.

Realistische Lesecharts mit Amazons Kindle

Musicmachinery hat einen interessanten Blogpost über die Whispersyncfunktion in Amazons Kindle: Spying on how we read. Mit Whispersync speichert Kindle die Stelle im Buch, an der man gerade liest, so dass man beispielsweise auf dem iPhone, iPod oder dem Computer dort weiterlesen kann. Auch Lesezeichen, Notizen etc. werden so gespeichert. Das ist praktisch für den Leser, und eine Datengoldmine für Amazon. Der Blogpost schlägt vor, diese Daten zu aggregieren, so wie das Musikfreunde von last.fm kennen. So könnte man beispielsweise Hitlisten der nicht zuende gelesenen Bücher finden. (Wird Richard David Precht oder Alain de Botton wirklich gelesen, oder nur verschenkt?) Welche Bücher werden mehr als einmal gelesen? Werden Bücher in englischer Sprache schneller durchgelesen als deutsche oder französische? Welche Bücher werden am häufigsten durchgelesen und kosten dabei am wenigsten?
Solche Hitlisten könnten das Kaufverhalten tatsächlich entscheidend ändern. Reine Buchtrophäen – gekauft, aber nie gelesen – hätten es dann vermutlich schwerer.