Die Einstellung der Deutschen zum Internet gehen mir seit Jahren auf die Nerven. Ignorantes Gemecker und arrogantes Gejammer in einem Land, dass von sich selbst behauptet, die Speerspitze der Dichter und Denker zu repräsentieren. Stammtisch, beschränkte Horizonte, fehlende Kreativität, und Humorlosigkeit.
Feigenblattaktionismus, um die unerwünschten Phänomene einzudämmen (was ist eigentlich mit der Internetkriminalität großen Stils?), und eine schiefe Argumentation bezüglich Googles.
Bei der Süddeutschen gibt es zu Googles Macht und dem Wunsch deutscher Medienvertreter, Geld von Google zu bekommen, ein vierminütiges Videointerview mit Sascha Lobo, Michael Konken (DJV) und dem Berliner Datenschutzbeauftragten.
Der teutsche Journalismus, Google und Sascha Lobo
Blogs zur Psychologie
Katja Schwab stellt auf ihrem Psychologieblog einige andere Blogs zum selben Thema vor. Sie bedauert, nicht viel gefunden zu haben, insbesondere nicht aus Deutschland.
Blog-Charts und Technorati-Authority
Marc Scheloske vom Wissenschafts-Café (und der Wissenswerkstatt) macht einen ganz hervorragenden Job: er bündelt die Informationen aus den wissenschaftlichen Blogs der deutschsprachigen Blogosphäre, stellt Reflexionen dazu an, ruft Initiativen ins Leben und erstellt unermüdlich Analysen und Statistiken. Genauso großartig finde ich das, was Benedikt Köhler so alles auf die Beine stellt. Durch Marc und Benedikt ist viel Leben in die Bloglandschaft gekommen. Beide verstehen es, schlummernde Potenziale zu wecken, von denen alle etwas haben.
Ich schicke dies vorweg, um meine beiläufigen Überlegungen zum Stellenwert, den Charts und Statistiken für mich haben, ins rechte Licht zu rücken. Nach vier Jahren Bloggerei, in denen ich stets auch verschiedene Eitelkeitstools verwende – Google-Analytics, Blogscout, Webstatistiken (und dieses sang- und klanglos verblichene Ding damals bei blogg.de, dessen Namen ich vergessen habe), haben Charts und “Authority” bei Technorati und Co. keine besondere Bedeutung mehr für mich.
Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass meine Blogs nie in den Top-100-Charts auftauchten, oder daran, dass es mir, der seine Brötchen annähernd 50 Stunden die Woche fernab der Bloggerei verdient und Zeit für Familie und andere private Interessen braucht, nicht möglich ist, in kurzen Abständen ausführliche Beiträge für Weblogs zu verfassen und größere Diskussionsstränge in der Blogosphäre zu verfolgen. Ist die Zeit besonders knapp, zeigt sich, dass sich der Nutzen meines Weblogs darauf reduziert, für mich selbst Notizen und Links in leicht abrufbarer Form festzuhalten, immer mit ein wenig Hoffnung, dass noch jemand anderes damit etwas anfangen kann und vielleicht noch einen Hinweis oder eine Bemerkung ergänzt. Habe ich ein paar Minuten mehr, versuche ich manchmal, eigene Bemerkungen hinzuzufügen oder woanders zu kommentieren. (Jetzt hätte ich eigentlich keine Zeit, denn der Boden liegt voll mit vorsortiertem Papierkram, der vor dem Wochenende in die entsprechenden Ablagen verschwinden sollte – und um 8 bin ich zum Tanzen verabredet.)
Was meine Skepsis gegenüber Charts ein wenig bestärkt hat, ist meine Erfahrung, dass ich die Diskussionen und die Meinungsführerschaft der A-Blogs besonders unergiebig fand – ein Faktum, dass sich nach 4 Jahren intensiver Bloggerei sozusagen immer weiter von selbst erhärtet. (Aber das mag jetzt bei den Wissenschaftsblogs anders werden.) Charts generieren außerdem Hordenphänomene, die mehr über soziale Dynamik sagen, als dass sie wirklich Raum geben für weiterführende Diskussionen (wobei im übrigen per se nichts gegen “Hordenphänomene” und Gruppenkuscheln einzuwenden ist). Und sie produzieren einen aberwitzigen Eifer: in einem unbedeutenden privaten Weblog habe ich Trackbacks abgeschaltet. Einige Leute lassen sich davon nicht abhalten und fügen dann eben bei Bedarf einen manuellen Trackback ein – URL, sonst nix. Kein besonderer Bezug zu meinem Beitrag, nicht im Trackback, noch im Ziel, auf das der URL verweist.
Ein Leben für die und von der Technorati-Authority – das ist nicht das, was ich mir vom Bloggen erwarte.
Webstatistiken sagen nichts über Qualität, sei es intellektuell, sei es hedonistisch (sprich: Spaß). (Marc und Benedikt beispielsweise sagen das auch so.) Ich hatte meinen Spaß und meine Aha-Erlebnisse viel häufiger in den abseitigen Zonen der Blogosphäre als bei den erfolgreichen Bloggern.
Ich muss aufhören, darum kurz mein Fazit:
Prima, dass es Versuche gibt, aussagefähige Statistiken zu den Wissenschaftsblogs zu erstellen. Die Leute machen das ziemlich gut. Sie verfolgen außerdem damit ein eigenständiges wissenschaftliches Interesse, das bestimmte Fragestellungen zu beantworten sucht.
Für mich persönlich hat die Technorati-Authority keine Bedeutung mehr (obwohl ich immer wieder eitle Impulse verspüre, auch mal besser dastehen zu wollen). Und für meine Orientierung über das, was gut ist, helfen mir Charts auch nicht. Ein Weblog mit einem sehr guten Ranking muss bei mir die Hürde einer großen, empirisch gesättigten Anfangsskepsis überwinden.
Fischblog – ein Wissenschaftsblog
Das Fischblog hat in letzter Zeit (so lange lese ich dort noch nicht) einige gut geschriebene Beiträge gebracht, die helfen, das eigene halbsortierte Halbwissen zu sortieren oder dazu anregen, weiter nachzuforschen; – und solche lakonischen, aber nicht unausgewogenen Formulierungen machen einfach Spaß: “Ganz genau. Was also enthält die aktuelle Arbeit in Science Großartiges? Irgendwie nicht viel: Reichlich Bekanntes und einen nachweislich fehlerhaften Stammbaum. Tolle Wurst.” Oder auch: “Da haben also einige Neurologen mal wieder Probanden in die Röhre gestopft und dabei festgestellt, dass, siehe Benjamin Libets Experiment von 1979, der bewussten Entscheidung zu einer bestimmten Handlung eine Hirnaktivität vorausgeht.”
Schönes Themenspektrum da im Fischblog, und gut zu lesen.
Führen Blogs zu mehr Ideenaustausch oder zu größerer Polarisierung?
Mein Eindruck von den politischen Diskussionen in der deutschsprachigen Blogosphäre der letzten vier Jahre ist eher negativ. Ich kann mich nicht an viele Beispiele einer offenen und interessierten Diskussion gegensätzlicher Standpunkte erinnern, vielmehr dagegen an Gruppen- und Grüppchenbildung um einen Standpunkt herum, wobei die Diskussion einen bestimmten Radius des sozialen Netzwerkes nicht überschritt. Mein Eindruck ist zudem, dass dies ganz gut zum Diskussionsverhalten in der deutschen poltischen Kultur außerhalb des Internets passt.
Auf Crooked Timber gibt es einen interessanten Beitrag zu “Deliberation vs. participation in blogs“. Cass Sunstein vertritt in einem Videodialog mit Henry Farrell eine eher skeptische Auffassung zum Beitrag, den Blogs zur Diskussionskultur leisten:
“Cass is pretty skeptical about the virtues of Internet communication; he believes that it is quite likely to lead to political polarization and perhaps extremism, and not to the kinds of thoughtful, deliberative exchanges between left and right that he’d like to see.“
Allerdings haben Blogs möglicherweise ein größeres Potenzial in der Frage der Partizipation, also der Mobilisierung. Politische Kampagnen könnten davon profitieren. Sie müssten allerdings vermeiden, kontroverse Debatten in ihren eigenen Foren zu führen, um nicht den gegenteiligen Effekt hervorzurufen. Kampagnen müssen ihre Anhänger mitreißen – kritische Fragen würden sie dagegen verunsichern.
Heißt das auch, dass erfolgreiche Blogs unter ihren Lesern wenig Kontroversen auslösen – oder überhaupt eher unkontroversen Mainstream produzieren?
Nachtrag: Dazu passend fragt Richard Chappell nach “Good political blogs?” Um die gepflegte Kontroverse zu entfachen, würde ich einfach mal das Antibürokratieteam ins Rennen schicken.
Philosophie bloggen
Bereits im Februar hat Richard Chapell erläutert, wozu Blogs in der Philosophie gut sein könnten. Was er sagt, klingt ganz vernünftig (obwohl ich noch ein oder zwei Punkte ergänzen würde):
“so long as blogs don’t presume to provide everything, such limitations needn’t be a problem.“
Kommentare gehen wieder / Comments are open again
Da man ja selten dazu kommt, im eigenen Blog ohne Login zu kommentieren, habe ich nicht gemerkt, dass wohl schon seit Wochen die Kommentarfunktion defekt war. Nun ist das wieder in Ordnung gebracht. Danke an Fabe für den Hinweis.
Weblogs von Philosophen
Brian Leiter zählt weitere Weblogs von Philosophen auf:
David Chalmers
Colin McGinn
Tim Crane
In dieser bereits erwähnten Liste finden sich zahlreiche weitere Philosophenweblogs.
Aristoteles, E-Mails, Second Life und Freundschaft
Tim Madigan glaubt, dass E-Mail ganz im Sinne von Aristoteles hilft, Freundschaften zu pflegen.
Ich behaupte meinen Freunden gegenüber, dass dies auch für SMS, Weblogs und ganz besonders sogar für Second Life gilt. Normalerweise glaubt mir aber niemand Letzteres, obwohl die meisten von ihnen ohne Telefon und SMS in der Freundschaft nicht auskommen.
Flickr bedauert die bedauerliche Filtermaßnahme, kann bedauerlicherweise aber nichts machen
New announcement from Flickr Staff
Die wissen ja, dass die Leute ungehalten sind. Offenbar sind denen durch “irgendetwas” die Hände gebunden. Und das in einer substanziellen Frage. Das interne Flickr-Team mag einem vielleicht leid tun, Flickr als solches lässt diese Sache aber als ziemlich unlässig erscheinen.
Witzig außerdem – Zooomr hat die von Yahoo abgelehnte Antizensurregelung angenommen: “today Kristopher and I decided that we would formally adopt the anti censorship proposal that Yahoo rejected pretty much word for word.
Weblog
Weblog: das; eine Internetseite, der in gewissen zeitlichen Abständen Beiträge hinzugefügt werden, wobei in der Regel – was am Praktischsten erscheint – die neuesten Beiträge auf der Startseite erscheinen und die älteren in chronologischer Reihe dahinter folgen. Am häufigsten dürfte zu diesem Zweck eine Software zum Einsatz kommen, die es besonders leicht macht, Beiträge zu erstellen, zu verändern und zu löschen. Teilweise bestehen kuriose Kollektivvorstellungen derjenigen, die Weblogs schreiben oder lesen, dazu, inwieweit diese technischen Möglichkeiten – schreiben, ändern, löschen – legitim sind. Weblogs unterliegen dem Spannungsfeld zwischen privater Äußerung und öffentlichem Diskurs. Sie stellen eine neue technische Schnittstelle zwischen ursprünglich anonymer, intimer Privatheit und den sozialen Mechanismen der Öffentlichkeit dar. Daher eignen sie sich auch für Kommunikationszwecke, die auf eine größere Öffentlichkeitswirksamkeit zielen. Diese Wirksamkeit ist durch die Grenzenlosigkeit des Internets neuartig im Vergleich zu herkömmlichen Publikationsformen.

