Andy Clark hat im Journal of Medicine and Philosophy 32/2, 2007, einen Artikel zur Frage veröffentlicht, ob und warum implantierte Mensch-Maschine-Schnittstellen und insbesondere Gehirn-Maschine-Schnittstellen möglich sind: “Re-Inventing Ourselves: The Plasticity of Embodiment, Sensing, and Mind“.
Ausgehend von einer Warnung Bruce Sterlings im Internetmagazin WIRED 2004 – “there’s ethical hell at the interfaces” – untersucht Clark die denkbaren Möglichkeiten von Enhancement und Augmentation. Deren Bedingung ist die von Clark postulierte biologische Plastizität des Menschen, sein Potenzial für “sensory re-calibration” und “bodily re-configuration”.
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Neil Levy hat den Eureka Prize for Research in Ethics 2009 der Australian Catholic University erhalten. Der Webseite des Australian Museum zufolge ist Levy (University of Melbourne und Oxford University) ein Pionier der Neuroethik. Er vertritt die These, dass – informierte Einwilligung vorausgesetzt – psychopharmazeutische Behandlung der individuellen Authentizität keinen Abbruch tut. “Dr Levy also argues we need to stop seeing the brain as sacrosanct.”
Seine Positionen hat Levy in dem Buch Neuroethics: Challenges for the 21st Century
dargelegt. [via]
Update: Boing Boing hat einen Bericht zur Verwendung von chemischen Substanzen zu militärischen Zwecken. Er bezieht sich auf einen Artikel von Malcolm Dando in Nature: Biologists napping while work militarized. Um das Offenkundige explizit zu machen: Natürlich hat dieser Einsatzzweck nichts mit informierter Einwilligung zu tun. Ausführlicher äußert sich dazu Stephan Schleim: “Neuro-Waffen auf dem Vormarsch”.
Der neueste Podcast von Nigel Warburton auf Philosophy Bites ist mit Allen Buchanan über Enhancement. Was ist von neuen Technologien zur Verbesserung unserer biologischen Konstitution zu halten?
Bei Edge gibt es einen Artikel (und ein Video) von AC Grayling über die Bedeutung der jüngeren wissenschaftlichen Entwicklungen. Die Wissenschaft sei eine wunderbare kollektive Unternehmung und eine großartige Errungenschaft der Menschheit. Es komme darauf an, mehr Menschen an Kenntnissen darüber teilhaben zu lassen, auch um den bevorstehenden Wandel von kompetenten Leuten beurteilen zu lassen: “The point here is not about making more scientists necessarily, but making more people who are competent to observe what’s happening in science, to be interested in reading about it, to keep abreast of developments, to be excited by what is happening in science. And as responsible and informed citizens of this world of ours, to be part of the discussion about what we should and shouldn’t do with our science.” (Pressing questions for our century – A Talk With AC Grayling)
Vor einer Woche sprach Thomas Metzinger im Deutschlandradio über Neuro-Enhancement bzw. Cognitive-Enhancement, also medikamentöse Beeinflussung von Konzentration, Erinnerungsvermögen und Wachsamkeit. Das Transskript ist hier zu lesen.
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Für meine Begriffe einer der wichtigsten zeitgenössischen Philosophen ist Peter Singer – und einer der wichtigsten Progressiven, der es gegen den Trend schafft, mit Klarheit und Sorgfalt emanzipatorische Positionen zu formulieren und sich dafür einzusetzen.
Bei Philosophy Bites ist jetzt ein Podcast mit ihm zum Thema Animal liberation zu hören. Das Transskript kann man hier lesen. Und hier gibt es eine umfangreiche Liste von Online-Artikeln und Interviews von und über Peter Singer. [via Philosophy Bites]
Bei Information Philosophie ist ein Aufsatz von Theda Rehbock (online nur Leseprobe) und ein Vortrag von Bernhard H.F. Taureck zum Thema Menschenwürde und Bioethik erschienen.
Obwohl ich persönlich einen Begriff der “Menschenwürde” habe, ist er in ethischen Begründungen sehr problematisch, weil er weltanschaulich aufgeladen und von “Dogmen geprägt” (Norbert Hoerster) ist, die eine Verallgemeinerbarkeit als fragwürdig erscheinen lassen. Er ist eine Art Blackbox, die die weltanschaulichen Auffassungen eines Proponenten enthält, die explizit gemacht werden müssen, um die Begründung nachvollziehbar zu machen. (Siehe bspw. “Sanctity of Life and Human Dignity“, hg. von Kurt Bayertz, insbesondere die kommentierte Bibliographie.)
Tim Lewins (Department of History and Philosophy of Science, University of Cambridge) rezensiert bei TPM Online Michael Ruses Buch “Darwinism and its Discontents”. In Ruses Buch geht es nicht hauptsächlich um die folkloristische Debatte um “Intelligent Design”:
“…the book has a far broader scope. Ruse takes on a variety of different thinkers, from a variety of different periods, all of whom have challenged Darwinism in some way or another.“
Ruse untersucht eine Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen, die der natürlichen Selektion keine oder eine geringere Rolle in der Biologie einräumen. Auch die Relevanz von Darwins Theorie für die Philosophie wird überprüft. Dabei vertritt er eine mittlere Position, die davon ausgeht, dass sich die Philosophie mit Darwins Prinzipien auseinandersetzen muss, aber beispielsweise eine starke Formulierung der Evolutionären Ethik, die an den naturalistischen Fehlschluss erinnert, unhaltbar ist. Ruse setzt dem seine eigene “Darwinsche Ethik” entgegen. Tim Lewins gibt allerdings zu bedenken, ob es Ruse gelingt, einen Darwinismus zu skizzieren, dem auch andere Darwinisten zustimmen würden. Jedenfalls ist Ruse bemüht zu zeigen, dass es sich um eine richtige Darstellung von Darwins Ideen handelt – und diese Bemühungen machen das Buch so reichhaltig einerseits, aber auch schwer zu überschauen für Leser, die mit der Materie weniger vertraut sind.
In jedem Fall, so schließt Lewins seine Rezension, vermittelt das Buch einen guten Eindruck von den historischen, philosophischen und wissenschaftlichen Kontroversen, die um das Evolutionäre Denken entstanden sind.
James Rachels (1941-2003) hat sich als einer der ersten der Angewandten Ethik gewidmet und mit seinem Kompendium “Moral Problems” (1. Auflage 1971) viel dazu beigetragen, dass im amerikanischen Philosophiebetrieb die vornehmliche Beschäftigung mit metaethischen Fragen durch eine Hinwendung zu konkreten praktischen Probleme ergänzt wurde. Auf der James Rachels gewidmeten Webseite gibt es Informationen zu Leben und Werk des Philosophen, sowie zahlreiche Dokumente zum Download, darunter sein letztes Buch “The End of Life“. [via Leiter Reports]
In den Niederlanden ist Sterbehilfe seit 5 Jahren legal. In einem Interview in De Groene Amsterdamer sagt der Psychiater Boudewijn Chabot: “Die meisten Menschen assoziieren einen ‘guten Tod’ mit dem Dahinscheiden am Ende eines langen Lebens, gewaltlos und im Familienkreis.” “Die Menschen wollen nicht tage- oder wochenlang ohne Bewusstsein und völlig wehrlos, unter Verlust ihrer Würde, zu ihren Vorfahren geschickt werden.” [via Perlentaucher]
Der größte Produzent von Schweinefleisch hat angekündigt, die Haltung von Sauen in schmalen Einzelboxen schrittweise über die nächsten Jahre abzuschaffen. Für Peter Singer ist das ein “very major development“. Diese Entwicklung verdanke sich dem Einfluss der Konsumenten auf Lebensmittelhersteller wie McDonald’s, die dadurch wiederum veranlasst seien, ihre Lieferanten zur Einführung und Einhaltung ethischer Standards zu drängen. Singer führt weitere Beispiele aus den USA auf, in denen Konsumentenbewusstsein zur Verbesserung der Tierhaltung geführt habe. Der Schlüssel, sagt Singer, liege in der Schärfung des Bewusstseins der Konsumenten davon, was sie essen.