Pierre Wagner schreibt bei Eurozine über falsche, weil verkürzende Vorstellungen von Analytischer Philosophie: “The linguistic turn and other misconceptions about analytic philosophy“. Ist Analytische Philosophie dezidiert antimetaphysisch? Heute macht Metaphysik einen großen Teil der analytischen Forschung aus – wenn auch nicht in der Art, wie sie von Hegel oder Bergson betrieben wurde. Ist Analytische Philosophie unhistorisch? Schon einer der “Gründerväter”, Bertrand Russell, hat umfangreich über die Geschichte der Philosophie geschrieben. Wichtige Interpretationen von Platon und Aristoteles stammen aus der Feder von analytischen Philosophen. Ist Philosophie die “Magd der Wissenschaften”? Nicht bei Quine, nicht bei Wittgenstein, und es lassen sich viele Belege in der heutigen Analytischen Philosophie für eine gegenteilige Meinung finden. Sind analytische Philosophen hauptsächlich linguistische Philosophen? Wie ist der “linguistic turn” zu verstehen? Jedenfalls nicht eindeutig in der Weise, so Wagner, dass alle analytischen Philosophen damit auf ein Programm festgelegt wären. Die Analytische Philosophie ist zu vielfältig, als dass sie sich ausschließlich mit einem der genannten Programmpunkte charakterisieren ließe.
Biografisches Detail über Alfred Jules Ayer
Peter Foges berichtet über ein biografisches Detail aus Alfred Jules Ayers letzten Lebensjahren. Ayer, dedizierter und stolzer Atheist, hatte 1988 aufgrund Sauerstoffmangels einen intensivmedizinischen Vorfall, den er beinahe nicht überlebt hatte. Foges berichtet, dass Ayer danach Vergnügen an metaphysischen Gesprächen mit einem Jesuiten fand, allerdings darauf bestand, dass sich an seiner atheistischen Überzeugung nichts geändert hat.
Texte des Wiener Kreises kostenfrei auf PaperC lesen
Die im Meiner Verlag erschienene Textsammlung “Wiener Kreis. Texte zur wissenschaftlichen Weltauffassung” mit Originaltexten von Rudolf Carnap, Otto Neurath, Moritz Schlick, Hans Hahn und anderen Mitgliedern ist online bei PaperC kostenlos zu lesen (Registrierung erforderlich, Druck und Download nur gegen Entrichtung eines Seitenpreises).
—
. .
Philosophische Bücher online: Birnbacher, Beckermann, Mill
Bei Paper C, einer Plattform, auf der Fachbücher kostenlos online gelesen werden können (Herunterladen oder Drucken kostet 10 Cent pro Seite), gibt es auch eine kleine Auswahl aktueller philosophischer Titel. Hier einige besonders prominente Beispiele:
Dieter Birnbacher – Natürlichkeit (2006)
Ansgar Beckermann – Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes (3. Auflage, 2008)
Die Analytische Philosophie verhilft der Philosophie zu Fortschritten
Brian Leiter zitiert eine interessante Passage von Jeff McMahan, in der dieser konstatiert, dass die Philosophie, und speziell die Ethik, in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht hat. Es kommt heute nicht mehr darauf an, ein persönliches philosophisches System zu verteidigen und die interessanten Fragen dadrunter abzuhandeln. Stattdessen würden einzelne Fragestellungen sehr detailliert behandelt und in einem kollektiven Unternehmen (der Diskussion) viel gründlicher beantwortet als dies eine einzelne Person je leisten könnte:
“Unlike many other disciplines in the humanities and social sciences, which in recent years were seduced by bad French philosophy into a lot of silly “post-modern” theorizing that exposed them to derision and reduced them to irrelevance, analytic philosophy is flourishing. … philosophy has become more of a collective endeavour than it was in the past … When the results of the individual efforts are combined, we may achieve a collective product that exceeds in depth, intricacy, and sophistication what any individual could have produced by working on the larger problem in isolation.” (Jeff McMahan, zitiert bei Brian Leiter)
Wittgensteins Bedeutung für die Psychologie
Band 27/2 (August 2009) der Zeitschrift “New Ideas in Psychology” ist dem Thema “Mind, Meaning, and Language: Wittgenstein’s Relevance for Psychology” gewidmet. Die Beiträge (u.a. von Rom Harré) handeln vom Regelbefolgen, von Normativität und Intention, Folk Psychology, der Analyse von Emotionen und weiteren Themen.
Die Modularität des Geistes
In der Stanford Encyclopedia of Philosophy ist ein neuer Artikel zur “Modularität des Geistes” (Modularity of Mind) von Philip Robbins erschienen. Ausgehend von Jerry Fodors Thesen in The Modularity of Mind (1983) erläutert Robbins drei Varianten der These: Fodorian modules, modest modularity und massive modularity. Der Artikel schließt mit einer Bibliografie und weiterführenden Internetlinks ab.
Übersicht über Carnaps “Der logische Aufbau der Welt”
Christopher Pincock hat einen Entwurf seines Überblicksartikels über Rudolf Carnaps “Der logische Aufbau der Welt” (1928) als PDF-Datei online gestellt: “… it is fair to say that the Aufbau, as the book is typically called, is one of the most important books for the history of analytic philosophy. … The main aim of this article is to help the non-specialist approach the Aufbau and begin to appreciate why so many philosophers have spent so much time trying to understand it.“
The Wittgenstein madhouse
Terry Eagleton, Drehbuchautor des Films “Wittgenstein”, schreibt im Guardian zu Alexander Waugh’s Buch “The House of Wittgenstein“. Ausführlich beschreibt er das “madhouse”, das die Familie Wittgenstein dargestellt haben soll. Eine Rezension des Buches ist es nur insofern, als Eagleton in nur zwei Sätzen darauf eingeht: “Alexander Waugh’s eminently readable, meticulously researched account of the Wittgenstein madhouse might have speculated a bit more on how this background helped to shape the most celebrated of all the Wittgensteins. It certainly casts some light on Ludwig’s extraordinary contradictions.”
Fotografien von Bertrand Russell
Zahlreiche, zum Teil sehr interessante Fotografien, von denen ich viele noch nicht kannte, findet man in der Bertrand Russell Gallery, und bei Bertrand Russell’s Photoghraphs von R. Muhammad.
Neuauflage von Freges Aufsatzsammlung
Bei Vandenhoeck & Ruprecht ist der von Günther Patzig herausgegebene Sammelband “Funktion, Begriff, Bedeutung”, der fünf Aufsätze von Gottlob Frege sowie ein Vorwort des Herausgebers enthält neu aufgelegt worden. Merkwürdigerweise weist die Seite des Verlags dies als “1. Auflage, 2008″ aus, obwohl diese Aufsatzsammlung unter dem gleichen Titel bereits 1962 bei Vandenhoeck & Ruprecht erschien. Davon habe ich beispielsweise ein Exemplar der “6. Auflage, 1986″. Ob sich in der neuen Auflage gegenüber der Ausgabe von 1962 etwas geändert hat, ist der Verlagsseite nicht zu entnehmen.

