Archive for category Akademisches
Akademische Philosophie in Deutschland
Posted by Björn in Akademisches, Leute, Philosophie allgemein, Verschiedenes, Wissenschaft on 2012/04/13
Bei Brian Leiter gibt es eine Diskussion über die Situation und Zukunft der akademischen Philosophie in Deutschland. Ausgangspunkt ist ein Beitrag von Detlef von Daniels, der die Einrichtung eines “Exzellenzclusters” in Frankfurt unter den “Auspizien” von Rainer Forst und Klaus Günther kritisch in einem größeren Zusammenhang diskutiert.
Verschiedene Thesen stehen im Verlauf der Diskussion im Raum. Im Mittelpunkt dürften die Fragen stehen, ob die akademische Philosophie in Deutschland noch internationalen Rang hat, und ob man die negativen Effekte der schlechten Finanzierung der Universitäten durch Konzentration auf Exzellenzinitiativen in irgendeiner Hinsicht wettmachen kann.
Für den Außenstehenden, aber nicht ganz Uninformierten ist die Diskussion auch deshalb interessant (oder uninteressant), weil sie auch – wie immer bei solchen Themen – einen Einblick in die Sozialpsychologie der akademischen Elite gewährt.
Die professionelle Unfähigkeit zu schreiben
Posted by Björn in Akademisches, Analytische Philosophie, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Psychologie, Rationalität, Wissenschaft on 2012/03/24
John Gray rezensiert in der Literary Review ein Buch von Mikkel Borch-Jacobsen und Sonu Shamdasani über Sigmund Freud und die frühen Jahre der Psychoanalyse: “The Freud Files: An Inquiry into the History of Psychoanalysis“. Er geht auf bekannte Streitpunkte der “Freud Wars” ein, gibt seine eigene Einschätzung dazu ab und ergänzt ein paar interessante Details. So soll Karl Popper seine Kritik, dass Freuds Psychoanalyse unfalsifizierbar und deshalb nicht wissenschaftlich sei, nicht erst in der “Offenen Gesellschaft” und in “Conjectures and Refutations”, sondern bereits um 1919 formuliert haben.
Aber ein anderer Aspekt der Rezension von John Gray beschäftigt mich hier: Freud sei ein deutlicher und direkter Autor gewesen, wohingegen das besprochene Buch von Borch-Jacobsen und Shamdasani oft unverständlich sei (als Gegenbeispiel lobt er Janet Malcolms “Psychoanalysis: The Impossible Profession” und “In the Freud Archives“). Gray bezeichnet dies als “the professional inability to write, which has become a requirement of academic life” – also die professionelle Unfähigkeit zu schreiben, die eine Anforderung des akademischen Lebens geworden sei.
Schaut man sich die im akademischen Betrieb jeweils vorherrschende Scholastik an – Analytische Philosophie, Postmoderne, “Kontinentale” Philosophie oder welche Geschmacksrichtung auch immer – so fällt die fehlende Bereitschaft, und möglicherweise ja auch Unfähigkeit, auf, den einen oder anderen allgemein verständlichen Text zustande zu bringen. Nun kann man über die Kriterien für Verständlichkeit geteilter Meinung sein. Ich würde hier zwei Anforderungen in Anschlag bringen: Nachvollziehbarkeit der Position für Interessenten mit anderen Hobbies, sowie einen Informationsgehalt, der über die 5 oder 6 Jahre, nach denen eine heiße Spezialistenthese wieder für alle Zeiten vergessen wird, erhalten bleibt.
Ich will damit nicht sagen, dass dies Standards für akademische Forschung sind. Es sind ausreichend Megabytes vorhanden, um kurioses Vokabular, interessante Formeln und kreative Schlussfolgerungen zu veröffentlichen. Verständlichkeit, Klarheit, Nachvollziehbarkeit sind vielleicht keine Kriterien, oder keine wichtigen, für wissenschaftliche Forschung. Aber zur Darstellung für ein interessiertes Publikum, dass über die drei Dutzend Fachkollegen hinausgeht, sind sie es. Die Fähigkeit, diese Kriterien anzuwenden, wird nur selten unter Beweis gestellt. Vielleicht ja auch, weil es mit dem Kult von Superhelden nicht vereinbar wäre.
Ihre Ablehnung meiner Bewerbung muss ich leider zurückweisen
Posted by Björn in Akademisches, Humor, Internet on 2012/02/10
In den USA läuft gerade die jährliche Runde der Vergabe neuer Stellen in den Philosophie-Departments. Das Blog “Philosophy Smoker” hat deshalb dieses wunderbare Antwortschreiben eines Bewerbers auf die Mitteilung, dass seine Bewerbung nicht angenommen wurde, veröffentlicht.
Der Text macht immer wieder mal die Runde im Internet. Eine frühe Variante aus dem Jahr 1996 findet sich hier. Und dieses Posting nennt einen Aufsatz von Neil Postmann von 1988, der das Antwortschreiben erwähnt.
Daniel Dennett erhält Erasmus-Preis
Posted by Björn in Akademisches, Biologie, Leute, Philosophie allgemein, Philosophie des Geistes, Psychologie, Verschiedenes on 2012/01/26
Daniel C. Dennett erhält den diesjährigen Erasmus-Preis für seine Beiträge zur Verdeutlichung der “kulturellen Bedeutung der Naturwissenschaften”.
Dennett habe die wichtigen kulturellen Fragen unserer Zeit aufgegriffen – von Religion und Darwinismus bis zu Bewusstsein und Künstlicher Intelligenz. Mit wissenschaftlichem Optimismus demonstriere Dennett die Wichtigkeit von Wissen, kritischem Denken und intellektueller Offenheit.
Der Preis ist mit 150.000 Euro dotiert und wird im Herbst 2012 überreicht werden. Zu den früheren Preisträgern zählen Karl Jaspers, Vaclav Havel und Sigmar Polke.
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Weitere religionsphilosophische Förderprojekte der Templeton Foundation
Posted by Björn in Akademisches, Philosophie allgemein, Religion on 2012/01/23
Die Templeton Foundation, die wissenschaftliche Projekte mit großzügigen Zuwendungen fördert, tut dies in bestimmten Fachgebieten. Eines davon ist “Philosophy and Theology“, in dem religionsphilosophische Studien zum Teil mit Millionenbeträgen unterstützt werden – siehe z.B. diese Meldung oder auch andere.
Nun hat John Hawthorne für sein Projekt “New Insights and Directions for Religious Epistemology” eine Förderzusage von 1,3 Millionen Pfund erhalten. [via]
Ein derzeit noch laufendes Projekt (87.000 Pfund, bis 2013) ist das von Dieter Schönecker (Siegen) unter dem Titel “Alvin Plantinga’s ‘Warranted Christian Belief’ in Germany“, dessen Ziel es ist, die Religionsphilosophie in Deutschland wieder zu stärken und Plantingas Buch ins Deutsche zu übersetzen.
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Geld als Kriterium für Philosophie
Posted by Björn in Akademisches, Analytische Philosophie, Philosophie allgemein, Wissenschaft on 2012/01/11
Clark Glymour hatte ja in seinem Manifest zur Philosophie (Bericht hier) aufgrund der von ihm diagnostizierten Nutzlosigkeit der “kontinentalen” und der “analytischen” Philosophie geschlussfolgert, dass man auf verschiedene Philosophiedepartments verzichten könnte – außer sie würden Förderbeträge in Millionenhöhe akquirieren.
Das führt unmittelbar zu der Frage, woher Geld zur Förderung von Philosophie kommt. Natürlich nur von da, wo es welches gibt. Und das würde dann faktisch definieren, was praktizierte Philosophie ist. Es gibt nämlich bestimmte typische Arten von Geldgebern. Eine Art, die Kennern sofort ins Auge springt, hat Keith de Rose erwähnt. Sein Beispiel ist die Templeton Foundation, die in den letzten Jahren schon diverse Millionen verteilt hat, um philosophische Untersuchungen von Spiritualität und Religion zu fördern (siehe zum Beispiel diese kommentarlose Notiz) – und dies in Zukunft weiter tun wird. Also ein Sachgebiet, das Clark Glymour vermutlich eher nicht im Sinn hat. Zurecht stellt Keith de Rose fest: Man kann, wenn man Glymours Kriterium anwendet, daraus nur schließen, dass das, was in den nächsten Jahren richtige Philosophie ist, mit Religion und Glauben zu tun hat.
Man sieht daran ganz gut, 1.) welche Kanalisierungseffekte ein Vorschlag wie der von Glymour haben wird, und 2.) wie gut sich ein “Szientismus” / “Positivismus” im schlechtesten Sinn und religiöse Vorstellungen ergänzen.
Nüchtern soziologisch muss man aber wohl auch feststellen, dass wir in einer Glymour-Welt leben. Als Beleg ein Zitat von Eric Schwitzgiebel: “In ancient Greece, the sophists were the ones getting grants”.
Auszeichnung für Ursula Renz
Posted by Björn in Akademisches, Buecher, Emotionen, Philosophiegeschichte on 2011/12/30
Ursula Renz hat für ihr Buch “Die Erklärbarkeit von Erfahrung: Realismus und Subjektivität in Spinozas Theorie des menschlichen Geistes”, erschienen bei Klostermann, den Preis des Journal of the History of Philosophy für die beste Veröffentlichung zur Philosophiegeschichte im Jahr 2010 erhalten.
Eine Rezension des Buches hat Martin Saar im September bei NDPR veröffentlicht.
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Scholastische Streitereien
Posted by Björn in Akademisches, Analytische Philosophie, Argumentation, Logischer Positivismus, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte on 2011/12/29
Es scheint akademischen Philosophen ein Bedürfnis zu sein, sich abzugrenzen. Zunächst natürlich einmal gegen die Vulgär- und Popularphilosophie. Aber dann auch gegen Traditionen und Denkschulen innerhalb des eigenen Faches. Invektiven in diese Richtung wird jeder Philosoph vermutlich kennen, wenn er sich nicht sogar selbst daran beteiligt.
Ein neues schönes Beispiel liefert die aktuelle Debatte um Clark Glymours Manifest, in dem nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Man würde Nichts verlieren, so Glymour, wenn einige Geisteswissenschaftler entlassen würden und mit dem Besen in der Hand arbeiten müssten. Ihm gefällt die “formale Philosophie” besser als die “kontinentale”, und er bezeichnet den von ihm bevorzugten Ansatz als “materiale Philosophie”. Die Beispiele, die er gibt, haben mit Computern, Statistik, Spieltheorie usw. zu tun. Mit Logik, Mathematik und Programmierkenntnissen könne man eben besser philosophieren als nur mit Intuition. Deshalb würde sich die “konventionelle” analytische Philosophie auch überflüssig machen (die “kontinentale” wurde zuvor ja schon in den Sack gesteckt). Die Arbeiten von Philosophen seien ohne Einfluss, und deshalb könne man Philosophy Departments schließen, außer sie würden Mittel in Millionenhöhe einwerben.
Insofern hat die Art von Scholastik, die Glymour betreibt und als materiale Philosophie bezeichnet, also auch materiale Konsequenzen. Seine großzügig selbstherrliche Einschätzung provozierte denn auch ein großes Hallo in den Weblogs, bspw. hier und hier. Eine deutliche Tendenz in den Kommentaren ist ein gewisser Überdruss darüber, dass derartige Haltungen wie die von Glymour immer noch virulent sind.
Rainer Forst erhält Leibniz-Preis
Posted by Björn in Akademisches, Leute, Politische Philosophie on 2011/12/15
Rainer Forst wird mit zehn weiteren Wissenschaftlern mit dem Leibniz Preis der DFG ausgezeichnet. Hier die Pressemitteilung der Uni Frankfurt mit einer Würdigung der Arbeit von Forst.
Das Theorieblog und das Habermas-and-Rawls-Blog berichten auch.
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Michael Ruse kritisiert Alvin Plantingas neues Buch
Posted by Björn in Akademisches, Argumentation, Biologie, Buecher, Naturwissenschaft, Religion on 2011/12/15
Michael Ruse äußert sich im Chronicle of Higher Education zu Alvin Plantingas neuem Buch über Religion und Theismus. Plantinga, der in früheren Auseinandersetzungen mit Ruse behauptet hatte, kein Befürworter des Intelligent Design zu sein, akzeptiert diese Auffassung nun doch in seinem Buch, so Ruse. Außerdem kritisert Ruse, dass Plantinga und andere Vertreter religiöser Auffassungen immer wieder die Thesen ihrer Gegner verzerren, auf Einwände keine Antwort liefern und Abweichler drangsalieren: “because of their unsophisticated versions of these beliefs, they simply are not prepared to engage in mature, responsible scholarship. And they bully those who are.”
Plantingas Buch erhält viel Aufmerksamkeit, wie jüngst erst in der New York Times.
Vor zwei Jahren hatte Plantinga mit Daniel Dennett in Chicago diskutiert – ein offenkundig einseitig-parteilicher Bericht hatte in den Philosophieblogs die Runde gemacht. Darin heißt es, Dennett sei nicht auf die Argumente Plantingas eingegangen und habe eher eine spöttische Haltung an den Tag gelegt. Kommentare zu diesem Bericht (hier und hier) legen aber nahe, dass es Plantinga war, der Dennetts Einwand nicht zur Kenntnis nahm.
Unterrichtsmaterial von David Foster Wallace
Posted by Björn in Akademisches, Leute, Links, Literatur, Verschiedenes on 2011/12/01
Der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace hat an verschiedenen Universitäten unterrichtet. Sein Promotionsstudium in Philosophie brach er 1992 ab, um einen Lehrauftrag an der Illinois State University anzunehmen. Einen Artikel über seinen Unterricht gibt es bei Slate.
Die Ansprüche an seine Studenten waren hoch. Die von ihm ausgegebenen Unterrichtsmaterialien enthalten Benotungshinweise, Vokabellisten, Literaturlisten und “Warnungen”. Einige dieser Unterlagen sind auf dieser Webseite einsehbar.
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