Zweifelhafte Meldungen in Medien

Wer sich regelmäßig am Zeitungsstand oder bei Google News einen Überblick über die Meldungen verschafft, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich das Niveau nicht wesentlich von Internetmedien unterscheidet – es geht um Sensationen, Schlagzeilen, Empörungswellen. Darin unterscheiden sich Blätter mit vermeintlich “kleinen Buchstaben” nicht von solchen mit großen. In der NZZ kritisiert Walter Krämer den “groben Unfug”, den Medien und Zeitungsredaktionen mit Statistiken anstellen. Die “Unstatistik des Monats” kürt regelmäßig schlecht konstruierte Behauptungen, die uns in den Medien oder im Internet begegnen.

Was ist eigentlich los?

Wirrnis allüberall. Ezra Klein verweist bzgl. des amerikanischen Nominierungswahlkampfs auf ein Posting von Matthew Yglesias bei vox.com. Mir fallen besonders – in hypothetisch auf demokratische Gesellschaften verallgemeinerter Form – die Punkte 7 und 8 auf:
7. Die “Linken” sind hochgradig ideologisch.
8. Die “Rechten” sind überhaupt nicht ideologisch.

Alles aua sowieso. Aber stimmt das? Irgendwie, irgendwo, irgendwann? Ich sehe den Punkt. Aber ich weiß es doch auch nicht.

Sind Moral und Vernunft nichts als hübsche Verpackung?

Dass Menschen nicht wirklich moralisch, geschweige denn vernünftig seien, ist eine These, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen (sprich: unterschiedlichen philosophischen Denkrichtungen) immer mal wieder auf den Markt gebracht wird, wo sie nicht zuletzt aufgrund ihrer Steilheit und “überraschenden” Originalität Anhänger findet.

Massimo Pigliucci beschäftigt sich (mit Bezug auf eine Rezension von Tamsin Shaw in der NYRB) mit den Positionen von Jonathan Haidt, Steven Pinker, Paul Bloom und Joshua Green. Shaw und Pigliucci identifzieren einen bekannten Fehlschluss in diesen Positionen, in deren deskriptive Theorien sich normative Prämissen einschleichen, die von den Autoren nicht begründet werden. Diese Kognitiven und Moralpsychologien seien eher ein Paradebeispiel für Bias.

Awesomeness

Being awesome – was ist das? Und braucht man das? Und das Gegenteil ist der zynische Sucker (also der miesepetrige Besserwisser, der das deutschsprachige Internet beherrscht). Und was ist (und was bedeutet) “High Five”? Nick Riggle klärt bei Aeon auf. Es geht weniger um Tugend als um Massenpsychologie. Da stellt sich natürlich die Frage, ob das immer so gut ist. Aber letzten Endes ist die Welt des Zynikers nichts anderes als ein elendes “black hole of the suckiverse” (Riggle). Dann lieber eine Ethik der Awesomeness. Nick Riggle jedenfalls ist “game”. Wäre Aristoteles das auch?