Karl Poppers Aufenthalt in Neuseeland

1937 emigrierte Karl Popper nach Neuseeland, wo er Philosophie am Canterbury University College in Christchurch lehrte. Trotz zahlreicher Lehrverpflichtungen schrieb er in dieser Zeit eifrig an zwei Büchern: “Das Elend des Historizismus” und “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“.

Von den Bedingungen, unter denen diese Bücher entstanden, hat viele Jahre später sein damaliger jüngerer Kollege in Christchurch, Colin Simkin, berichtet. Der Text ist hier online.

Rudolf Haller gestorben

Am 14. Februar ist der österreichische Philosoph Rudolf Haller (1929-2014) gestorben. Haller hat die gesammelten Schriften Otto Neuraths herausgegeben und ist durch Arbeiten zum Wiener Kreis und zum Neopositivismus in der philosophischen Öffentlichkeit bekannt. Er war Mitbegründer der Österreichischen Ludwig-Wittgenstein-Gesellschaft und gründete die “Grazer Philosophische Studien. Internationale Zeitschrift für analytische Philosophie”. Er war langjähriger Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Instituts Wiener Kreis.

Haller gehört zu der Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg die von den Nazis vertriebene und ausgeblendete Vernunft – insbesondere österreichische Philosophen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – überhaupt erst wieder zugänglich und einer breiteren deutschsprachigen Öffentlichkeit bekannt gemacht hat.

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DerStandard, ORF

via Richard Zach’s Logblog

Rationale Moral vom Feinsten – Derek Parfit erhält Rolf-Schock-Preis 2014

Derek Parfit (Oxford) erhält den Rolf-Schock-Preis für Philosophie 2014. Es ist der höchstdotierte Preis in der Philosophie, vergeben von der Royal Swedish Academy of Sciences. Zu den vormaligen Preisträgern gehören Thomas Nagel, John Rawls und W.V.O. Quine.

Parfit hat die Philosophie der letzten Jahrzehnte vor allem mit seinen beiden Büchern “Reasons and Persons” und “On what matters” geprägt. Seine Auseinandersetzung mit klassischen Positionen und Argumenten ist bahnbrechend und hat in weiten Teilen der Philosophie zu fruchtbaren Neubewertungen altbekannter Probleme geführt (und wird dies vermutlich noch auf Jahre hinaus tun).

Parfit vertritt in kritischer Auseinandersetzung mit Subjektivismus, Naturalismus und anderen prominenten Positionen eine objektive Ethik. Diese Ethik ist von unterschiedlichen Konzeptionen aus zugänglich – nämlich denen von Kant, Scanlon oder Sidgwick, die entgegen der üblichen Sicht nicht widersprüchlich zueinander sind. Kants Gesetzesformel hält er für die größte Errungenschaft seit der antiken Ethik. Die Achtung vor der Würde des Menschen und damit das Verbot der Instrumentalisierung – angelehnt an Kants Formel von der Menschheit als “Zweck an sich” – gehört zu den Prinzipien seiner Ethik.

Update: Das Preisgeld, das Michael Quante bei der Verleihung des “Deutschen Preises für Philosophie und Sozialethik” erhält (100.000 Euro) (Der blinde Hund berichtete), ist offenbar höher als das des Rolf-Schock-Preises (600.000 Schwedische Kronen, also ca. 68.000 Euro).

Pille gegen Liebeskummer?

Wer Liebeskummer hat, hätte ihn gerne nicht. Doch wen es getroffen hat, der ist oft ratlos. Liebeskummer ist eines der mächtigsten Gefühle, das enorme biografische Auswirkungen haben kann. In Situationen großer Hilflosigkeit kann professionelle psychologische Hilfe ratsam sein. Die Ohnmacht und Verzweiflung, die Betroffene empfinden, hat zweifellos auch eine neurologische Basis. Aber die ist bislang kaum bekannt. Würde man sie kennen, wäre es dann möglich, sie pharmazeutisch zu behandeln, mit dem Ziel, den Liebeskummer zu überwinden? Welche Auswirkungen hätte das auf die Psyche?

Jedenfalls betrachtet man in der Psychologie die Fähigkeit zu autonomer Rationalität als zentralen therapeutischen Wert. Zwei Artikel in einem Special des NewScientist denken darüber nach, ob es möglich und sinnvoll ist, Liebeskummer biochemisch zu behandeln: hier und hier.

Sokrates über die Debattenkultur im Internet

Die sozialpsychologischen Mechanismen der Internetkultur sind einigermaßen trivial. Um hierzu dennoch große “Netzphilosophien” und “Systemtheorien” anzubieten, muss man denn schon die schlichten Sachverhalte möglichst obskur und getragen von religiösem Bekehrungseifer darstellen.

Einen der zentralen Mechanismen der “Netzdebatten” hat Sokrates beschrieben: “Denn was nach seinem eigenen Sinn gesprochen wird, daran freut sich ein jeder, was aber aus einem fremden, das ist ihm zuwider.” (Platon: Gorgias, 512b) Und wegen dieser nüchtern-realistischen Einschätzung empfiehlt Sokrates Vernunft und Moral als einzige intelligente Option.