Existenzialismus im Weltraum

Existenzialismus ist, wenn du den Antrag im Mailanhang nicht öffnen kannst, weil seit dem automatischen Update das Runterscrollen durch ein Overlay blockiert wird, dessen Exitknopf außerhalb des sichtbaren Bildschirms ist. Ganz normaler Alltag eben. Technik potenziert die Sinnlosigkeit drastisch.

Daran wird sich auch im Weltraum nichts ändern, wie diese Comicepisoden über Chief O’Brien zeigen. [via]

John Searle: “Elektronische Medien verarmen unsere Sinne”

Mit über 80 Jahren hat es John Searle nicht mehr nötig, aufgeregt den neuesten Moden das Wort zu reden. Und als einer der herausragenden Philosophen in der Philosophie des Geistes, der Sprache und des Sozialen hat er eine dezidierte Meinung zu den aktuellen Entwicklungen in Philosophie, Technologie und Gesellschaft.

In einem Interview im New Philosopher hält er denn auch nicht hinterm Berg. Von dem “Unsinn”, der gegenwärtig in der Philosophie veröffentlicht wird, hält er nichts. Insbesondere wenn er über die Theorie des “extended mind” (Chalmers u.a.) liest, könne er sich übergeben. Die “overexposure to electronic media” verarme unsere Sinne. Er will noch weitere Bücher über die Philosophie des Geistes veröffentlichen, und sich insbesondere mit den Klassikern “Kant, Descartes, Berkeley, Hume, Leibniz, Spinoza” auseinandersetzen. Kant sei der vermutlich größte Philosoph und eine Obsession, aber seiner Theorie von der Unerkennbarkeit des Dings an sich liege ein Fehler zugrunde.

Kürzlich hat Searle auf der TEDxCERN-Konferenz lebhaft die ganz unmodische Auffassung vertreten, dass Menschen ein Bewusstsein haben. Das Video dazu gibt es hier.

.

. .

Martha Nussbaum über Wut

Vor einigen Tagen hat Martha Nussbaum in Chicago für Studierende einen einführenden Vortrag über Wut gehalten. Wie sie selbst zu Beginn der Aufzeichnung sagt, handelt es sich um Überlegungen, die in Vorbereitung “einer Vortragsreihe” entstanden – offenbar wohl ihrer John Locke Lectures in Oxford (die nun auch seit einigen Tagen auf der Webseite in Oxford angekündigt werden). Die Locke Lectures tragen den Titel “Anger and Forgiveness”.

In ihrem Chicagoer Vortrag argumentiert Nussbaum, dass Wut aus normativer Sicht eine schädliche Emotion ist. Sie bespricht Beispiele von Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela. In der abschließenden Diskussion macht sie auch kritische Bemerkungen zu Foucault (etwa ab 56:15min).


Direktlink

Thomas Scanlons neues Buch “Being Realistic about Reasons”

Thomas Scanlon beschreibt in seinem neuen Buch “Being Realistic about Reasons” (OUP) einen moralischen Realismus, also eine Position über die Natur moralischer Urteile. Diese Frage hat die Moralphilosophie des letzten Jahrhunderts geprägt, und Scanlons Buch ist eine Verteidigung des normativen Kognitivismus – der Auffassung, dass es normative Wahrheiten über Gründe für Handlungen gibt.

Die Beschäftigung mit dem Realismus (oder Kognitivismus) zieht sich schon länger durch Scanlons Arbeiten – siehe dazu z.B. Thomas Nagels Rezension von Scanlons Buch “What We Owe to Each Other” in der LRB aus dem Jahr 1999 (gegen Ende) oder Christine Korsgaards Bemerkung zu Scanlon in ihrem Aufsatz “Realism and Constructivism” (PDF) (ebenfalls gegen Ende)

Philosophie der Positiven Psychologie

Aus philosophischer Sicht lädt die Positive Psychologie natürlich besonders gut zu methodologischen Überlegungen ein. Dieser Umstand trifft auf ein zunehmendes Interesse daran, einen Naturalismus zu beschreiben, der sozialphilosophisch und psychologisch sinnvoll ist. Über verschiedene Bemühungen in diese Richtung habe ich in der Vergangenheit schon berichtet.

In der Tidsskrift for Norsk Psykologforening, 42/10, 2005, 885-896 untersuchen Ingvild S. Jørgensen und Hilde Eileen Nafstad philosophische und epistemologische Grundlagen der Positiven Psychologie: “Positive Psychology: Historical, Philosophical, and Epistemological Perspectives“. Sie sehen die Positive Psychologie in einem weiteren Sinn in der Tradition der eudämonistischen Sozialphilosophie der Griechen, und insbesondere in psychologischer Hinsicht durch die Entwicklungstheorie des Charakters bei Aristoteles inspiriert.

Es bietet sich an, diese aristotelische Entwicklungsperspektive in einem naturalistischen Rahmen anzuwenden. Dazu ein paar Hinweise:

Einen Überblick über den Naturalismus findet man z.B. bei Gerhard Vollmer: “Auf der Suche nach der Ordnung” und in der leider vergriffenen, aber hervorragenden Textsammlung “Naturalismus” von Geert Keil und Herbert Schnädelbach. Keils kritischen Aufsatz “Naturalismus und Intentionalität” findet man hier.

Der Naturalismus ist selbst umstritten, und in der Debatte streitet man unter anderem um das, was Karl Popper das Demarkationsproblem genannt hat: was ist noch Wissenschaft, und was nicht? (Astrologie etc.) Massimo Pigliucci und Maarten Boudry haben 2013 eine aktuelle Aufsatzsammlung dazu herausgegeben: Philosophy of Pseudoscience: Reconsidering The Demarcation Problem.

Pigliucci (CUNY) ist bekannt als Kritiker von Pseudowissenschaften (Kreationismus …) einerseits, und Szientismus andererseits. In seinem Buch “Answers for Aristotle: How Science and Philosophy Can Lead Us to a More Meaningful Life” plädiert er dafür, naturwissenschaftliche und philosophische Methoden zu kombinieren.

. .

Bücher zur Geschichte des antiken Griechenland

Für den Laien ist es nicht leicht, Bücher zur antiken Geschichte zu finden, die einen guten Überblick bieten ohne zu sehr durch die für ihn kaum durchschaubare fachwissenschaftliche Diskussion einer aktuellen Historikerkontroverse geprägt zu sein. Hier eine Auswahl von drei Büchern zur Geschichte Athens und Spartas, die dies zu leisten scheinen:

Martin Drehers “Athen und Sparta” liegt im Beck-Verlag in zweiter, aktualisierter Auflage mit 223 Seiten vor. Preis: 19,95 Euro.

Charlotte Schuberts Studienbuch “Athen und Sparta in klassischer Zeit” gibt es bei Lehmann Media (258 Seiten). Ein Buch gleichen Titels von ihr erschien 2003 im Metzler-Verlag – dies scheint also eine Neuauflage / Neuausgabe zu sein. Preis: 14,95 Euro.

Athen und Sparta” von Raimund Schulz erschien 2011 in vierter, aktualisierter Auflage mit 180 Seiten bei der WBG. Preis: 17,95 Euro.

. .

Nick Brown will es wissen

Nick Brown hat zusammen mit Alan Sokal einen Artikel veröffentlicht, in dem ein Fehler in einer psychotherapeutischen Theorie identifziert wird, die Barbara Frederickson in einem Buch über Positve Psycholgie dargestellt hat – ich habe hier und hier berichtet. Fredrickson hat klargestellt, dass dies tatsächlich ein Fehler ist – aber Nick Brown lässt nicht locker. Fredrickson ist der Auffassung, dass es weiter notwendig und erfolgversprechend sei, die Positive Psychologie zu entwickeln. Brown hingegen sei “dismissive of Fredrickson’s efforts at damage limitation“, berichtet der Guardian vor drei Tagen. Und die Veröffentlichungen der letzten Monate zeigen denn auch, dass er meint, mit seiner Entdeckung des mathematischen Fehlers in Fredricksons Buch ihr gesamtes Anliegen zu Fall zu bringen.

Hier beschreibt er selbst, um was es seiner Ansicht nach geht:

Dass Positive Psychologie für ihn so etwas wie Voodoo-Hokuspokus ist, lässt er immer mal wieder durchblicken, beispielsweise in Tweets wie diesem:

Seyla Benhabib erhält Meister-Eckhart-Preis

Die in Istanbul geborene, in Yale lehrende Philosophin Seyla Benhabib erhält den diesjährigen Meister-Eckhart-Preis, wie die NZZ berichtet. Auf der Webseite zum Preis ist davon noch nichts zu lesen.

Bisherige Träger des Preises sind Richard Rorty, Claude Lévi-Strauss, Ernst Tugendhat, Amartya Sen, Amitai Etzioni und Michel Serres.

Neue Ausgabe des Oxford Philosophy Magazine

Die Faculty of Philosophy der Universität Oxford hat die neueste Ausgabe ihres Oxford Philosophy Magazine veröffentlicht. Darin finden sich Artikel unter anderem von Ned Block und Roger Scruton sowie die Ankündigung von Martha Nussbaums John Lock Lectures 2014, die den Titel “Anger and Forgiveness” tragen.