Nida-Rümelin im taz-Interview

In der taz gibt Julian Nida-Rümelin ein längeres Interview. Vorrangig geht es um Verantwortung in politischen Institutionen – aus Anlass der Geschichte mit Thomas de Maizière und dem gescheiterten Drohnenprojekt. Dabei gehe es auch um die Verantwortung des Tötens durch technische Systeme. Auch über das Rücktrittstheater im Allgemeinen und die Rolle der Medien wird gesprochen. Und schließlich kommt noch kurz das Thema Willensfreiheit zur Sprache.

Update: Das Interview steht jetzt auch als PDF auf der Homepage von Julian Nida-Rümelin.

Über die Rechte von Frauen im Buddhismus

In der jüngsten Ausgabe des Journal of Buddhist Ethics hat Allison A. Goodwin einen ausführlichen Beitrag über die Stellung von Frauen in buddhistischen Lehren veröffentlicht: A Reexamination of Buddhist Teachings on Female Inferiority. (Direktlink zur PDF-Datei)

Frauen haben in vielen buddhistischen Lehren nur einen begrenzten Anspruch auf Teilhabe an buddhistischen Institutionen. Goodwin argumentiert, dass dies nicht mit dem Leidvermeidungsprinzip Buddhas in Einklang zu bringen ist, und diskutiert verschiedene Texte der buddhistischen Tradition, die diese Auffassung stützen. Zudem habe die empirische Forschung gezeigt, dass Diskriminierung negative psychologische Effekte für alle Beteiligten einer solchen Kultur habe. Folglich stehe diese soziale Praxis im Widerspruch zur buddhistischen Dharma-Lehre, die dazu auffordert, schädigendes Verhalten zu unterlassen.

Colin McGinn rezensiert Ray Kurzweil

Colin McGinn rezensiert in der ‘New York Review of Books’ Ray Kurzweils Buch “How to Create a Mind: The Secret of Human Thought Revealed“. Kurzweil ist bekannt als Verfechter des Transhumanismus und Star des Singularitäts-Kults.

McGinn stellt Kurzweil vor als Computeringenieur “with a side interest in bold predictions about future machines“. Man könne folglich nur begierig sein zu erfahren, wie seine Theorie des menschlichen Geistes laute, “hoping the book will justify the hype so blatantly brandished in its title“. Kurzweil hat einige Beiträge zur maschinellen Mustererkennung geleistet. Und auch das “Geheimnis des Denkens” soll auf Mustererkennung beruhen – was McGinn allerdings (plausiblerweise) bezweifelt.

So gehe Kurzweil stillschweigend von externen Stimuli (patterns) zu mentalen Entitäten über, wenn er das ganze mentale Geschehen nach Art der Sinneswahrnehmung erklären wolle. Dabei sei schon fraglich, ob beispielsweise Farbwahrnehmung auf Mustererkennung beruhe. Seine grandiose Ankündigung breche angesichts der Vielfalt mentaler Phänomene – Emotionen, Intentionen, Kalkulationen, Stimmungen usw. – in sich zusammen.

Anschließend kommt McGinn auf das gravierende Problem des “homunculus talk” in den Neurowissenschaften zu sprechen. Wenn man sagt, “Neuronen senden Informationen”, weiß man tatsächlich nur, dass ein Geschehen auf chemischer oder elektrischer Ebene vorliegt, nicht aber, dass Informationen vorliegen und wie diese beschaffen sind. Es sei ein seit Jahrzehnten vieldiskutiertes Rätsel, wie man Informationen (mentale Zustände) eindeutig mit elektrochemischen Prozessen im Gehirn in Verbindung bringen könne. (McGinn verweist beispielsweise auf John Searles Beiträge hierzu.) Der “homunculus talk” erzeugt also die Illusion, wir wüssten, wie der Geist im Gehirn funktioniert, während wir in Wirklichkeit ratlos sind. In seiner Antwort auf die Antwort des Neurowissenschaftlers Joe Herbert macht McGinn diesen Punkt noch einmal deutlich:
All information is information — to some conscious agent. Accordingly, neurons do not, considered in themselves, process information or send signs or receive messages“.

Am Ende bringe Kurzweil dann noch Zitate von Ludwig Wittgenstein, ohne allerdings einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu seiner Theorie herstellen zu können, so McGinn. Sein Fazit: das Buch sei gelegentlich interessant, aber völlig übertrieben.

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