Principia Mathematica als Musical

Am 20. Februar wurde in London das Musical “Principia Mathematica” aufgeführt. Grundlage ist natürlich das berühmte Monumentalwerk von Alfred North Whitehead und Bertrand Russell, dessen dritter und letzter Band vor 100 Jahren veröffentlicht wurde. Die Principia sollten die logischen Grundlagen der Mathematik darlegen, und so ist es erklärlich, dass man sich einige Seiten hindurcharbeiten muss, um bspw. zu dem Ergebnis zu gelangen, dass 1+1=2 ist.

Dieses Werk hat Tyrone Landau nun als Musical in der Conway Hall in London, die offenbar als progressiver Veranstaltungsort der Londoner Kulturszene bekannt ist, zur Aufführung gebracht. Das Werk ist “scored for singers, dancers, musicians and philosophers” – was schon einmal vielversprechend klingt. Wenn es sich bei Tyrone Landau um den Tenor Tyrone Landau handelt, konnte möglicherweise dieser Videomitschnitt einer anderen Veranstaltung in London mit Beteiligung eines Tyrone Landau einen Hinweis darauf geben, wie man sich die musikalisch-tänzerische Darbietung der Principia vorzustellen hat:

Möglicherweise wird die oft belächelte Fähigkeit, seinen Namen zu tanzen, durch diese mathematisch-logische Musik- und Tanzperformance ja rehabilitiert. Meldungen über das Ereignis scheint es jedenfalls so gut wie keine zu geben – außer bei einem Online-Journal für Internationale Konzert-, Opern- und Balletkritiken. Dort heißt es, das Musical sei in 10 Szenen mit Gesang, gesprochenem Wort, Tanz und aufgezeichneter Violine aufgeführt worden. Anklänge von Debussy und Cabaret-Liedern seien vernehmbar gewesen. Das Werk leide aber darunter, Kurt Gödels Antwort auf Russell und Whitehead nicht berücksichtigt zu haben, zumal das Publikum es dann sicher besser verstanden hätte.

Das schöne Leben mit Computer

Das Leben mit Computer und globaler Vernetzung hat alles viel schöner und wahnsinnig intelligent gemacht.
Eddie Izzard aus Großbritannien, dem Land, aus dem die nüchternsten und klarsten philosophischen Beiträge kommen, sagt mit der ebenso eloquenten wie profunden Analyse in diesem Video eigentlich Alles, was es dazu zu sagen gibt und liefert darüber hinaus noch eine wissenschaftlich exakte rechtssoziologische Entstehungs- und Anwendungsstudie der so beliebten Teilnahmebedingungen von Onlinediensten.

Arschkalt – Ein philosophischer Film

Am vergangenen Freitag hat der Fernsehsender arte den Film “Arschkalt” von André Erkau ausgestrahlt. Ein großartiges Porträt von Zuständen und Stimmungen in der real existierenden Arbeitswelt und ein Hinweis darauf, wie man sie überlebt. Sehr zu empfehlen – die Wiederholung läuft am 21.2.2013 um 3.20 Uhr (morgens). Derzeit ist der Film noch bei arte+7 online abrufbar.

Der Film ist auch auf DVD erhältlich. Ideales Lehrmaterial also, um die jungen Studierenden auf die Berufspraxis vorzubereiten, denn auch diese Aufgabe darf im Studium nicht vernachlässigt werden.

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Ronald Dworkin ist verstorben

Vor drei Tagen, am Donnerstag den 14.2.2013, ist Ronald Dworkin im Alter von 81 Jahren gestorben. Alle relevanten großen Zeitungen und Magazine in Deutschland, USA und Großbritannien haben berichtet, und auch in unzähligen Blogs findet sich die Nachricht – was ein Zeichen für die herausragende Bedeutung des amerikanischen Moral-, Rechts- und Politischen Philosophen ist.

War es schon in der Vergangenheit oft kaum möglich, all die Anzeigen und Nachrufe aufzulisten, die beim Tod bekannter Philosophen veröffentlicht wurden, so erscheint es in diesem Fall sogar beinahe aussichtslos. Stellvertretend möchte ich daher nur einige Meldungen anführen.

Thomas Gregersen vom Blog “Political Theory” führt eine Liste mit Nachrufen auf Ronald Dworkin.

Im Deutschlandfunk wurde ein Gespräch mit Otfried Höffe über Ronald Dworkin gesendet: “Suche nach dem besseren Amerika

Der blinde Hund weist auf ein Interview hin, das das Hohe-Luft-Magazin vor Kurzem mit Dworkin geführt (hier als PDF).

In einer kurzen Notiz erinnert sich Robert Paul Wolff an die gemeinsame Studienzeit mit Dworkin.

Ein lesenswerter Nachruf ist beim Guardian erschienen.

Die New York Review of Books listet einige der Veröffentlichungen von Dworkin in der Review auf.

Die Beiträge zu Dworkin in diesem Blog aus den vergangenen Jahren findet man hier.

Joseph LeDoux interviewt Ned Block über das Bewusstsein

Joseph LeDoux, einer größeren Öffentlichkeit bekannt durch sein Buch “Das Netz der Gefühle“, hat eine Videoserie unter dem Titel “My Mind’s eye” gestartet, die einen “idiosynkratischen Blick” auf die Fragen des Leib-Seele-Problems werfen soll.

Im ersten Video der Reihe wird Ned Block interviewt, unterlegt mit anschaulichen Visualisierungen. Block erläutert allgmeinverständlich die Positionen von Dualismus und Physikalismus, tierisches Bewusstsein und Emotionen (da Säugetiere anders als Menschen bei der Wahrnehmung kaum Gebrauch vom Frontallappen machen, glaubt Block nicht, dass sich die Emotionen von Menschen und Tieren gleichen).

Zum Schluss des Videos spielt LeDoux’s Band “The Amygdaloids” (ich berichtete, z.B. hier) den Song “My Mind’s Eye”.

Das Ganze ist also intelligente Unterhaltung. Warum wissenschaftliche und philosophische Fragen so dargeboten werden? Warum nicht?!

Das Observations-Blog des Scientific American hat auch über das Video berichtet.

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Über die Kultur der Säcke

Judith Holofernes, die Heldin, die sich seinerzeit der Pfiffigkeit einer bekannten Werbekampagne nicht anschließen wollte (siehe hier, mein Hinweis dazu hier), hat in ihrem Blog einen wunderbaren Text über Bewerbungsgespräche und Business-Kultur geschrieben: “Don´t call us, we´ll call you“.

Ein adäquater wissenschaftlicher Beitrag zur “Igittness des modernen Arbeitsmarkts “.