Voltaire über Descartes’ Irrtum und Verdienst

Voltaire ist nach wie vor ein glänzender Stilist, wie es sie in der Philosophie nicht oft gibt. Und nicht selten ist es noch ein Vergnügen, seine absurdesten Behauptungen zu lesen. (Allerdings muss zugegeben werden, dass er auch manche seichten und langatmigen Stellen aufweist – insofern wäre er also völlig qualifiziert für das heutige Berufsdenken und -schreiben.) Bei einigen Punkten hat man den Eindruck, dass mit ihm die Pferde durchgehen, um anschließend zu einem umsichtigen, brilliant formulierten Urteil zu gelangen.
So schreibt er über Descartes in einem Vergleich mit Newton:

Er irrte sich, aber … er lehrte die Menschen seiner Zeit zu denken und sich gegen ihn seiner eigenen Waffen zu bedienen. Wenn er nicht mit gutem Geld gezahlt hat, dann ist es schon viel, das schlechte in Verruf gebracht zu haben.” (Philosophische Briefe, Nr. 14)

Szientismus – Wissenschaft idiotisiert

Austin L. Hughes ist Professor für Biowissenschaften. Im New Statesman hat er eine Kritik des jüngsten Szientismus veröffentlicht: “The Folly of Scientism“.
Die Erfolge der Naturwissenschaften seien so beeindruckend gewesen, dass Naturwissenschaftler zunehmend daraus gefolgert hätten, die Naturwissenschaften könnten alles klären, und die Philosophie sei überflüssig. Als Beispiele nennt Hughes den Chemiker Peter Atkins und den Physiker Stephen Hawkings. Über Karl Popper kommt er zum Abgrenzungsproblem und von da aus zu Carnap, Quine und van Fraassen. Deren Heldenverehrung der Naturwissenschaft stehe im Kontrast zu ihrer nicht immer korrekten Interpretation und Anwendung naturwissenschaflicher Ergebnisse. So seien Quines Auffassungen von den Mechanimsen des Nervensystems übervereinfacht. Auch der Rekurs auf Darwin, bei den Genannten oder in der Populärliteratur, sei oft unglücklich. “To speak of a “Darwinian” process of selection among culturally transmitted ideas, whether scientific theories or memes, is at best only a loose analogy with highly misleading implications.
Hughes geht auf viele weitere Sachbereiche und Autoren ein, so auch auf die Soziobiologie und die Evolutionäre Psychologie. Etwas ausführlicher widmet er sich Sam Harris und dessen Buch “The Moral Landscape” (2010).

Er kommt zu dem Schluss, dass Positivismus und Szientismus ihre Kompetenzen weit überschritten haben. Die Gleichsetzung von Vernunft mit Naturwissenschaft habe das genaue Gegenteil von Vernunft hervorgebracht: Wissenschaftler die glauben, eine naturwissenschaftliche Antwort auf Alles liefern zu können.
Ein solcher Szientismus sei eine gefährliche Form der Leichtgläubigkeit. Die von Szientisten reklamierte universelle Kompetenz der Naturwissenschaft werde die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft untergraben und einen radikalen Skeptizismus befördern. “Man sehnt sich nach einer neuen Aufklärung, um die Anmaßungen dieses jüngsten Aberglaubens zum Platzen zu bringen.

Austin L. Hughes, “The Folly of Scientism,” The New Atlantis, Number 37, Fall 2012, pp. 32-50.

Martha Nussbaum kommt nach Frankfurt

Martha Nussbaum wird am 13. Dezember 2012 in Frankfurt einen Vortrag über den “Capabilities approach” halten. Der Vortrag mit dem Titel “Development and Human Capabilities: The Contribution of a Philosophical Theory of Justice” wird um 19 Uhr c.t. im Hörsaal 6 des Hörsaalzentrums auf dem Frankfurter Campus Westend stattfinden.

Auch im nächsten Jahr wird Martha Nussbaum nach Frankfurt kommen. Dann wird sie die zweite Dagmar Westberg-Vorlesung an der Goethe-Universität halten.

(via “Marketing und Kommunikation” der Uni Frankfurt)

Videoeinführung in den Stoizismus

Die stoische Philosophie ist in den USA einigermaßen populär. Und so findet man immer wieder Beiträge über die Stoiker im Internet.

Philip Hansten, emeritierter Pharmazie-Professor, hat eine Videoeinführung zur stoischen Philosophie auf YouTube eingestellt, die dort in drei Teilen zu sehen ist.

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