Gar nicht so soziale Netzwerke?

Auch Markus Beckedahl, Initiator des bekannten Netzpolitik-Blogs und der “Digitalen Gesellschaft”, verzweifelt an der Kommentarfunktion in seinem Blog, die offenbar auch bei ihm kräfte- und nervenzehrend ist. Er fragt: “Einfach mal die Kommentare schließen?

Mit wenigen Ausnahmen ist es mittlerweile hier im Philoblog ja relativ ruhig, aber frühere Zweifel an der Kommentarfunktion durfte man ja kaum laut äußern. Insofern ist es interessant, dass sie jetzt auch an so prominenter Stelle zur Sprache kommen.

50 Jahre “Paradigmenwechsel”

John Naughton schreibt im Guardian über Thomas Kuhns Buch “Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen”, das vor 50 Jahren erschien. Dass das Wort “Paradigma” zum Modebegriff wurde, verdanken wir dem Erfolg von Kuhns Buch.
Eine eher skeptische Würdigung hat John Horgan im Scientific American veröffentlicht.

Tea-Party-Philosophie

In einer Zeit, in der der entfesselte Marktradikalismus sich als unfähig und unmenschlich erwiesen hat, wollen die Republikaner in den USA diesen Weg noch verschärfter weiter beschreiten. Aus der Unfähigkeit und dem Versagen von George W. Bush machen sie ein “Mehr davon!” In der letzten Woche hat Mitt Romney, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, seinen potenziellen Vizepräsidenten, Paul Ryan, nominiert. Ryan ist ein konservativer Hardliner, der sich in seinen Überzeugungen auf die Schriftstellerin Ayn Rand beruft, die in ihren Werken einen entschiedenen Egoismus vertritt. Was unfähig sei, müsse sich eben gefallen lassen, vom Besseren übertrumpft zu werden, lautet ihre Version des Dschungelgesetzes.

Brian Leiter fragt in seinem Blog die Leser, ob es gründliche philosophische Kritiken der Werke Rands gibt. In den Kommentaren finden sich interessante Anmerkungen. Das Problem besteht nämlich zunächst einmal darin, dass niemand außer amerikanischen Rand-Anhängern ihre Auffassung ernsthaft als Philosophie – oder Theorie oder Wissenschaft – betrachtet. Rands Strategie scheint eher darin zu bestehen, bestimmte Positionen zu beschimpfen, statt Argumente zu liefern; also angewandter Machiavellismus. Wenn irgendwo, dann ist die Bezeichnung “kruder Positivismus” bei Rand angebracht; siehe z.B. Robert Nozicks Diskussion von Rands “A ist A”-Prinzip in diesem Interview.

Corey Robin hat ein aufschlussreiches Stück über “Randologie” bei The Nation veröffentlicht, und befasst sich in seinem neuesten Buch “The Reactionary Mind. Conservatism from Edmund Burke to Sarah Palin” grundsätzlich mit dieser Art von Konservatismus.

Die Kampagne des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama hat auf die Nominierung Ryans mit diesen Informationen und diesem Video reagiert.

Bemerkenswert ist auch, dass Leute wie Paul Ryan ihr Credo aus der Populärliteratur von Ayn Rand beziehen, und weniger von den akademischen Libertariern, die aber zweifellos auch viel zu dieser Art von politischer Stimmung beigetragen haben (siehe z.B. Thomas Scanlons Bemerkung dazu.)

Update: Das Internet hat diese Art von Philosophie humorvoll auf den Punkt gebracht.

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