Verwirrt mit Zizek

“Mehr Gewalt statt Budhismus” – das ist das Rezept, das Slavoj Žižek verschreibt. Das Feuilleton ist fasziniert von solcher Frische, und verwirrt.

Hier gibt es einen Auszug aus Žižeks jüngstem Buch. In der Passage, die vom Buddhismus handelt, gewinnt man den Eindruck, als würde er ihn wohlwollend darstellen; – Žižeks Fazit wurde ausgelassen. Vielleicht haben die Redakteure soweit nicht gelesen. So bemerkt denn auch gleich der erste Kommentator, dass der Ausschnitt irreführend sei. Žižeks Punkt sei das genaue Gegenteil.

Unmissverständlicher ist da schon dieser Aufsatz von Žižek im Cabinet Magazine, in dem seine sexualisierte Scheißerhetorik bewundert werden kann.

In der New York Review of Books hat John Gray über die “Violent Visions of Slavoj Žižek” geschrieben.

Bieris “Nachtzug nach Lissabon” wird mit Jeremy Irons verfilmt

Seit 2011 laufen die Planungen zur Verfilmung des Romans “Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier aka Peter Bieri. Die Dreharbeiten sollen laut Webseite zum Film bereits im Mai 2012 abgeschlossen sein, mit Jeremy Irons in der Hauptrolle des Raimund Gregorius. In weiteren Rollen sollen Bruno Ganz, Martina Gedeck und Charlotte Rampling spielen. Der Filmstart ist für 2013 angekündigt.
Auf dieser Seite gibt es eine Videoreportage zum Film, in der auch Peter Bieri zu Wort kommt.

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Ignoranz

Ignoranz ist ein großes Problem für die Menschheit – nicht nur theoretisch, sondern auch moralisch. Philosophie als sokratisches Unternehmen ist die Auseinandersetzung mit dieser Herausforderung. Wie alle ethischen Probleme bleibt die Ignoranz eine ständige Herausforderung, die nicht irgendwann einmal überwunden wäre.

Es ist nicht immer leicht, das Problem zu identifizieren, weil es psychologische Schutzmechanismen gibt, sich gegen die Kritik der Ignoranz zu immunisieren. Entsprechend stellte Bertrand Russell fest: “The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” Die philosophische Haltung ist daher eine, die eine gewisse Bescheidenheit und Offenheit praktiziert. Ignoranz ist unvermeidlich, Arroganz dagegen schon. Oder wie Alfred North Whitehead sagte: “Not ignorance, but ignorance of ignorance, is the death of knowledge.

Schon vor Russell formulierte der amerikanische Schriftsteller Josh Billings: “The trouble with people is not that they don’t know but that they know so much that ain’t so.” Er scheint das sokratische Problem verstanden zu haben, denn von ihm sind auch die Worte überliefert: “Wisdom don’t consist in knowing more that is new, but in knowing less that is false.

Aber das muss man erst einmal wissen. Warum das nicht immer der Fall ist, zeigt uns auch die Psychologie. Im Jahr 2000 erhielten Justin Kruger und David Dunning den Ig-Nobel-Prize für die Entdeckung des nach ihnen benannten Dunning-Kruger-Effekts: eine kognitive Verzerrung, “nämlich die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen” (Wikipedia). Oder, wie David Dunning sagt: “Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist.” Und deshalb kommt es eben auf eine Haltung an, die respektvoll und offen ist. Es ist sowohl aus theoretischer als auch aus psychologischer Sicht besser, eine ethische Einstellung zu eigenem Wissen und Argumenten zu haben.

Eine (gar nicht so) kurze Geschichte der Analytischen Philosophie von Stephen P. Schwartz

Stephen P. Schwartz hat eine vielversprechende Geschichte der Analytischen Philosophie veröffentlicht: “A Brief History of Analytic Philosophy. From Russell to Rawls“. Was ich bisher davon gelesen habe, bestärkt den Eindruck, dass es sich um einen gut informierten, gut lesbaren und mit realistischen Urteilen ausgestatteten Text handelt.

Ein solcher Überblick ist in der derzeitigen Spezialisierung und Zersplitterung hoch willkommen. Aktuelle Themen in der Analytischen Philosophie sind kaum länger als ein paar Jahre von Interesse, bevor sie von einem Gebirge neuer Publikationen und Forschungsprojekte begraben werden. Und es wird immer schwieriger, dem geneigten Publikum zu vermitteln, was der “aktuelle Stand der Forschung” in der analytischen Philosophie ist – sofern es überhaupt jemanden gibt, der das noch weiß. (Vielleicht will es gar niemand mehr wissen.)

Insofern ist es hilfreich, sich Gedanken über einen roten Faden zu machen, der die bisherigen Diskussionen zusammenbringt. Schwartz’s “Brief History of Analytic Philosophy” ist nicht der erste Beitrag in dieser Hinsicht, aber eben ein neuer aus Sicht des Jahres 2012. Einen ersten Eindruck vermittelt die Leseprobe auf der Webseite des Verlages, wo ein Probekapitel zur Verfügung gestellt wird.

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ARD-Sonntagsgespräch mit Rainer Forst

Am 3.6. war Rainer Forst Gast des Sonntagsgesprächs im Fernsehen des Hessischen Rundfunks. Die Aufzeichnung ist als Video in der Mediathek der ARD abrufbar.

Forst spricht über Gerechtigkeit – u.a. darüber, dass es keine separaten kulturellen Blöcke (hier westlich, da asiatisch usw.) mit widersprechenden Vorstellungen von Gerechtigkeit gibt, weil einerseits die Grundideen überall zu finden sind, und andererseits in allen Kulturen ein dynamischer Diskussionsprozess darüber schon immer stattfand. Nach seinem religiösen Selbstverständnis gefragt, bezeichnet sich Forst als Agnostiker mit Interesse an religiösen Fragen.

Martha Nussbaum in Köln vom 19. bis 21. Juni 2012

Martha Nussbaum wird als Albertus-Magnus-Professorin 2012 vom 19. bis zum 21. Juni an der Universität Köln zwei Vorlesungen und ein Seminar abhalten.

Die Vorlesungen stehen unter der Überschrift “The New Religious Intolerance: Overcoming the Politics of Fear in an Anxious Age”. Das Seminar hat das Thema “Political Emotions: Why Love Matters for Justice”.

Weitere Informationen auf der Webseite der Universität Köln.

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