Bertrand Russell über Klarheit

Aristoteles hat die Suche nach Erkenntnis als eine Frage der Einstellung gesehen (Zweite Analytik, II, 19; 99b17), wobei uns die antiken Philosophen die Rationalität als Ausweg aus dem bloßen Meinen und dem gewaltsamen Übertrumpfen anempfehlen. Rationales, nachvollziehbares Argumentieren ist die demokratische, intersubjektive Methode, die von allen denjenigen, die die Welt mit ihrer Überzeugung beglücken wollen, ohne kritische Fragen zuzulassen – auch besonders heute wieder – verachtet wird.

Für die rationale Einstellung sprach sich der Pazifist, Logiker, Lebensberater, Schriftsteller, Philosoph und Nobelpreisträger Bertrand Russell aus:

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2 thoughts on “Bertrand Russell über Klarheit

  1. „Jeder Intellektuelle hat eine ganz besondere Verantwortung. Er hatte das Privileg und die Gelegenheit, zu studieren; dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder „der Gesellschaft“), die Ergebnisse seiner Studien in der einfachsten und klarsten und verständlichsten Form darzustellen. Das Schlimmste – die Sünde gegen den heiligen Geist – ist, wenn die Intellektuellen versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken. Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann. […] Was ich oben (Punkt 1) die Sünde gegen den heiligen Geist genannt habe – die Anmaßung des dreiviertel Gebildeten –, das ist das Phrasendreschen, das Vorgeben einer Weisheit, die wir nicht besitzen. Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so ‚tiefen‘ Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat.“ (Popper 1972 in der Zeit: http://www.zeit.de/1971/39/wider-die-grossen-worte )

  2. Solche altmodischen Ansichten sind ja seit Sokrates sattsam bekannt – von Leuten wie Seneca, Voltaire, Hume, Heine, Schopenhauer, Einstein usw. Was wissen die denn schon?! Außerdem empfehlen sie Freundlichkeit, Selbstkritik, argumentative Fairness – alles billige Tricks, um die wahre Wahrheit zu verschleiern.

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