Bernard-Henri Lévy verteidigt Strauss-Kahn

Bernard-Henri Lévy verurteilt die Berichterstattung über Strauss-Kahn. Niemand wisse, was tatsächlich vorgefallen sei. Die geschilderten Vorgänge würden Fragen aufwerfen. Strauss-Kahn sei ein Freund von Frauen, aber vor allem seiner eigenen. Und er sei nicht das Tier, das die Boulevard-Presse aus ihm mache. Vor allem habe Strauss-Kahn den Ausverkauf schwächerer europäischer Staaten an die Interessen der Finanzwelt verhindert.

Französische Frauen haben hingegen in einer Erklärung bei Le Monde den Sexismus in Frankreich verurteilt.

Update: Es gibt auch andere Stimmen – wie Pascal Bruckner, der gesagt haben soll, Strauss-Kahn hätte man schon früher zu psychologischer Hilfe raten sollen.

Neue Zeitschrift zum Skeptizismus

Im niederländischen Brill-Verlag ist die erste Ausgabe des “International Journal for the Study of Skepticism” erschienen. Herausgeber dieser neuen Zeitschrift sind Diego E. Machuca (Argentinien) und Duncan H. Pritchard (University of Edinburgh). Zum Editorial Board gehören u.a. aus Deutschland Elke Brendel (Universität Bonn), Martin Mulsow (Universität Erfurt) und Dominik Perler (Humboldt-Universität Berlin). Die Beiträge der ersten Ausgabe können hier gelesen werden.

David Humes 300. Geburtstag – 3. Teil

Aus den zahlreichen Postings zu Humes 300. Geburtstag möchte ich noch Folgendes hervorheben:

Wie David Hume unglücklich in Mme. de Boufflers verliebt war und ihr dennoch lebenslang ein freundlicher Berater blieb.

Bei Crooked Timber nimmt Cosma Shalizi die Aufstände in Nordafrika zum Anlass, bei Hume nachzusehen.

Für das Meckern, gegen das Meckern

Vor einer Woche hielt Sascha Lobo auf Spiegel Online ein Plädoyer für das Meckern, insbesondere in der allseits geschätzten Form, wie es im Internet praktiziert wird. “Ein besseres Internet, eine bessere Welt muss herbeigemeckert werden“. Es sei die Pflicht eines jeden “vernünftigen Bürgers” sich über “störende Umstände laut zu beschweren, in meckerndem, keine Zweifel am Unmut lassenden Ton.

Zweifellos ist eine Hauptzutat dieses Lobs der “Nölpest” die Ironie, und vermutlich war es für Lobo auch nur eine Fingerübung, der als geübter Rhetoriker auf Wunsch zu einem frei gewählten Standpunkt eine unterhaltsame Rede aus den Ärmeln schüttelt. Oft gelingt ihm dies brilliant, und nicht selten kokettiert er dabei mit einer Bescheidenheit, mit der er zeigt, dass er die Fallstricke des Dogmatismus vermeiden möchte. Im Gegensatz zu vielen Lobohassern nehm ich ihm das ab – nämlich weil er es sagt.

Nur eine Woche nach dem Lob des Meckerns kritisierte er auf Spon das “Netz der Besserwisser“, wobei er von dem Prinzip “Alles zu allem und auch das Gegenteil davon” verblüffenderweise selbst Gebrauch macht. Mit seiner Kritik der “gefühlten Experten” scheint er das genaue Gegenteil des vorherigen Lobs der Meckerkultur zu behaupten: Ausgerüstet “mit der Normalimpertinenz des erfahrenen Internetnutzers” würde jedes Geschehen der Weltgeschichte “durch immense Hinterher-Klugheit” kommentiert, oft nur einen “Schritt von der Verschwörungstheorie entfernt“. Das Internet laufe Gefahr, zur Besserwissensmaschine zu werden. (Dazu passt es dann, wenn auch unfreiwillig, dass er ausgerechnet Michael Seemann als “Netzdenker” zitiert, der hauptsächlich durch selbstgerechtes Rumpöbeln und beliebiges Buzzwording auffällt, und es nicht fertigbringt, bei Sachfragen außerhalb seines vertrauten Vorurteilshorizonts im Internet zu recherchieren, geschweige denn in einem Buch wie bspw. einem Standard-Philosophielexikon nachzuschlagen.) Lobo hat völlig recht, wenn er feststellt, dass zum Suchen von Informationen auch die “Kenntnis um ihre Relativität, Subjektivität und eventuelle Falschheit” gehört.

Tatsächlich ist das Ventilieren dogmatischer Vorurteile, Rumposen und Pöbeln, das auch euphemistisch als Internetdiskurs gehandelt wird, kein guter Garant für die Wissensvermehrung. Und auch als Unterhaltungsfaktor fehlt ihm das zeitlose Etwas – wer lacht heute schon noch über Pocher und Raab? Wer nicht auf das argumentative Niveau von Sarah Palin absinken will, muss sich an anderen Kriterien orientieren: Guter Ton, Vielfalt, Sorgfalt, kritische Reflexion, und weniger Rumposen. Es ist wahr: Was Street Credibility und Ruhm angeht, sind Wirkung und Schein die ausschlaggebenden Kriterien. Wissen dagegen braucht die von Lobo zurecht hervorgehobenen epistemologischen Kriterien, zu denen auch noch ein Schuss Argumentationstheorie gehören dürfte. Insofern sind Sokrates und Aristoteles kein bisschen 350 v.u.Z. (Sagt ja auch der Lobo.)

Es ist richtig, dass die Meinungsvielfalt im Netz gut ist für eine bessere Welt – vielleicht erleben wir sie ja dereinst einmal. Das Meckerartige des Meckerns aber, nämlich Dummheit und Dogmatismus, führen geradewegs in die Hölle.

Galileos Pisa-Experiment auf dem Mond

Mit einem einfachen Experiment, das allerdings vermutlich nie real durchgeführt wurde, dafür aber ein berühmtes Beispiel für ein Gedankenexperiment ist, konnte Galileo Galilei die physikalischen Annahmen von Aristoteles über die Fallgeschwindigkeit unterschiedlich schwerer Körper als falsch erweisen. Man stelle sich auf den schiefen Turm von Pisa (der Ort wurde nur der Anschaulichkeit wegen gewählt) und lasse eine 10 Pfund schwere sowie eine 1 Pfund schwere Kugel gleichzeitig fallen. Nach Galileo haben beide Objekte die gleiche Fallgeschwindigkeit.

Der Astronaut David Scott stellte während der Apollo-15-Mission dieses Experiment auf dem Mond nach – mit einem Hammer und einer Feder. Die Bedingungen sind auf dem Mond aufgrund des nicht vorhandenen Luftwiderstands natürlich ideal. Das Ergebnis ist hier zu sehen:

Noch mehr Hume zu seinem Geburtstag

Bei Philosophy Bites gibt es einen Podcast mit Paul Russell über Humes Traktat. Es geht um die Frage, wie Humes Skeptizismus und sein Bestreben, sich positiv über die menschliche Natur zu äußern, verstanden werden können.
Ein weiterer Podcast (Direktlink zur MP3) mit dem Oxforder Hume-Spezialisten Peter Millican behandelt den Stellenwert von Humes Philosophie.

Charles Leslie Stevenson

In der Stanford Encyclopedia of Philosophy ist ein Beitrag über Charles Leslie Stevenson, geschrieben von Daniel R. Boisvert, neu erschienen. Der Artikel gibt einen guten Überblick über Stevensons Philosophie, der in den 1940er-Jahren eine wegweisende Beschreibung des Emotivismus in der Moralphilosophie geliefert hat. Seither haben Debatten um Kognitivismus und Non-Kognitivismus in der Ethik immer wieder Stevensons Thesen aufgegriffen. Neuere Positionen dazu finden sich beispielsweise im Expressivismus von Alan Gibbard und Simon Blackburn.