re:publica 2011 re:view – Teil 1

Republica
Die re:publica 11 hat sich gelohnt. Es gibt, wie immer, positive und negative Dinge, die ja schon an verschiedenen Stellen erwähnt wurden. Ich denke, insbesondere das Raumproblem wird sich das Team zu Herzen nehmen (Update: erledigt :-) ). Aber es war bestimmt ein Riesenhaufen Arbeit, und die Leute vom Team vor Ort, also alle HelferInnen, denen ich begegnet bin, waren sehr hilfreich. Auf mich machte das einen menschlichen Eindruck – vielen Dank für Alles! Nettigkeit ist zwar extrem unnerdig, aber ohne steht man halt immer nur in kleinen Gruppen rum und pflegt seinen Dünkel – das sieht sehr unschick aus.

Und eine Menge tolle Leute und interessante RednerInnen waren da. Es sind ja nicht allein auf Äußerlichkeiten abfahrende Nerds, die die re:publica bevölkern. Mein Tipp für solche Veranstaltungen ist immer, dass man sich nicht so sehr an der vorgeblichen Hippness von Irgendwas orientieren sollte, sondern sozusagen abseits davon mal genauer hinschaut – sowohl im Programm als auch auf den Fluren. Es müssen nicht immer nur die Key Notes sein.
So habe ich eine ganze Reihe richtig hervorragender Vorträge gehört, und da ich nur anderthalb Tage da war und mich nicht teilen kann, nehme ich an, dass da noch viel mehr im Programm steckte. Jeanette Hoffmann über “Google Books”, Julia Probst bei “Blogger_Innen im Gespräch”, Sandro Gaycken über “Cyberwar”, der von Carolin Buchheim geleitete Workshop über Online-Lokaljournalismus mit Rainer Kurlemann und anderen – das waren einige der Sessions, aus denen ich klug wurde.

Die re:publica ist ja ein Versuch, den Spagat zwischen Nerdtum, Business und soziokulureller Realität aka Alltag hinzubekommen. Da gibt es immer Spezialisten, die glauben, es sei ihr Terrain, und insofern ist diese breite Mischung als Korrektiv natürlich gut. Wenn es sie nicht schon gäbe, müsste man sie erfinden. Themen-Pächter und Alleinvertreter haben ja immer etwas Päpstliches, das glücklicherweise von der demokratischen Realität überholt wird.

Erstaunlich, wen man so alles kennenlernt. Auf der re:publica bin ich nicht drauf gekommen, woher ich Dan Racek kenne (jetzt weiß ich es: Google Buzz), mit dem ich Würstchen und Kartoffelsalat gegessen habe, und der irgendwas mit Marketing oder so macht, aber beim Essen jedenfalls eine philosophische Ader zu haben scheint. Beim Smalltalk mit Lisa Peyer haben wir beide festgestellt, dass wir bei unseren thematischen Interessen doch unsere Vorträge gegenseitig hätten besuchen müssen; ist fürs nächste Mal vorgemerkt. Und am letzten Tag hat es dann endlich geklappt, den geschätzten und sehr angenehmen Thorstena in Ruhe zu treffen, der sich zum Glück nach meinem Vortrag am Donnerstag schon kurz zu erkennen gegeben hatte.

Mit meiner eigenen Session bin ich sehr zufrieden. Nachdem ich die Bestätigung für den Termin erst sehr kurzfristig bekommen habe (danke an Anne vom Team für die Infos), fiel die Vorbereitung etwas knapp aus (ich hatte zuvor Unmengen an Material weggeschrieben, aber noch nicht in Form), und ich konnte nicht recht einschätzen, was das Publikum von einem Ausflug in die Philosophie halten würde. Aber das Interesse während und das umwerfende positive Feedback nach der Veranstaltung haben mich beruhigt – es war wohl wie erhofft ganz informativ. Die Präsentation wird demnächst hier und wohl auch auf der re:publica-Seite zu sehen sein.

In der Oranienburgerstraße, unweit des Tagungsortes, habe ich dann noch eine sinnreiche Location gefunden, die geeignet erscheint, die Platzprobleme der diesjährigen re:publica aus der Welt zu schaffen: das ehemalige Haupttelegrafenamt Berlin, das ohnehin derzeit ungenutzt ist und im Keller nach wie vor die Reste der einst größten Rohrpostanlage Deutschlands beherbergt. Das passt thematisch natürlich glänzend. Und vielleicht ließe sich die Anlage reaktivieren, um Engpässe im WLAN zu umgehen!

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