Die Kümmerform von Bildung heute

Bei den Philosophischen Schnipseln gibt es einen interessanten Beitrag zum Bildungs(un)wesen in Deutschland heute mit einem Video, in dem Julian Nida-Rümelin sich dafür ausspricht, wieder an das humanistische Bildungsideal anzuknüpfen, in dem Menschen befähigt werden, eigene Urteile zu entwickeln und die ganze Persönlichkeit zu entfalten.

Cory Doctorow: Redundanz rettet aus Information Overload

Cory Doctorow hatte neulich über die Probleme geschrieben, die die Informationsflut im Internet mit sich bringt. Jetzt schreibt er über eine mögliche Lösung: man muss nicht jeden Tropfen aus dem Ozean verfolgen, denn die Redundanz spült seine Information möglicherweise wieder nach oben: “Information overload? Time to relax then” im Guardian (Auszug bei Boing Boing).

Anthropologie des Altruismus

Das amerikanische National Humanities Center hat 2007 unter der Leitung von Martha Nussbaum die Konferenz “Autonomy, Singularity, Creativity” abgehalten. Eingeladen waren unter anderem der Verhaltensforscher Frans de Waal und der Sozialpsychologe Daniel Batson. de Waal hat viel über Empathie bei Primaten und Menschen veröffentlicht, bspw. in “The Age of Empathy” (Amazon-Link). Batson hat sich dreißig Jahre mit Altruismus beschäftigt – sein neuestes Buch “Altruism In Humans” (Amazon-Link) wird regelmäßig von Martha Nussbaum empfohlen (eine ausführliche Rezension gibt es hier.)
Die Vorträge von de Waal und Batson auf dieser Konferenz sind in diesem Google-Video zu sehen (Direktlink).
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Wahrheit und Lüge in der Demokratie

Da haben sie im Bundestag bei der Aussprache zu Guttenbergs Promotionsverhalten die moralische Latte ganz schön hoch gehängt. Dem interessierten und unparteilichen Beobachter konnte es womöglich kalt den Rücken runterlaufen. Wurde da wirklich die Moral verteidigt, oder war sie nur ein billiges Kampfmittel im unmoralischen Sumpf der Rhetorik auf allen Seiten? Glaubwürdigkeit, Wahrheit, Zuverlässigkeit wurden ins Feld geführt und trafen auf eine Realität, in der ja schon länger gelegentlich der Eindruck aufkommt, als würden diese rationalen Standards von Parteipolitikern aller Coleur nicht immer eingehalten. Gerade bei den medial hochgepuschten Skandalen haben die Lautsprecher von rechts und von links in puncto Wahrhaftigkeit und moralischer Stichhaltigkeit selten eine gute Figur abgegeben. Sollen wir also ernsthaft glauben, dass es diesmal um akademische, demokratische und moralische Standards ging?
Gewiss – Klingeln gehört zum Geschäft, und die Hoffnung auf Politik ohne Pauken und Trompeten darf man zwar hegen, aber ihre Verwirklichung wohl kaum erwarten. Man kennt das – aus dem alten Rom ebenso wie aus dem modernen, aus Washington genauso wie aus Berlin: ausufernde Polemik, bombastische Worthülsen, schmutzige Verleumdungen, populistische Übervereinfachung. In undemokratischen Systemen steht die Lüge im Rang der Wahrheit. In demokratischen ist sie wenigstens der Idee nach möglich: zahlreiche Regularien, Institutionen und formale Prozesse sorgen für die notwendigen checks and balances, um den weniger moral- und demokratiefesten Teilnehmern nicht völlig freie Hand beim Verbiegen der Realität zu lassen. Tugendlose Unholde sind recht schmerzfrei beim Treiben ihres Unwesens. Wir sollten darauf achten, dass sie es uns nicht auch noch als moralisch wertvoll andrehen. Der Fall gestern war – unabhängig vom beteiligten Personal und der gegebenen Parteienkonstellation – wieder mal einer der verdächtigen: es fielen die Stichwörter Wahrheit, Lüge und Demokratie. Deren Realisierung müssen wir verteidigen, vor deren Instrumentalisierung müssen wir auf der Hut sein.
Auch wer meint, dass es im Fall Guttenberg mit einem einfachen Kopfschütteln nicht getan ist, muss nicht der Ansicht sein, dass mit dem begrifflichen Kaliber, das hier rhetorisch abgefeuert wird, der behaupteten moralischen Sache gedient ist. Aber das war ja bei ungezählten inszenierten Skandalen zuvor auch schon so. Und das muss man nicht als gegeben hinnehmen.
Ich habe meine Zweifel, dass in Fällen wie diesen die Rede von der Zäsur, also einer Veränderung der Demokratie, der Demokratie dient, weil die Erfahrung zeigt, dass nicht jeder, der sich als Anwalt einer Sache ausgibt, diese Sache uneigennützig vertritt.

Update: Diesen Ausführungen eines Nicht-Politikers kann ich mich eher anschließen.

Nussbaum-Interview: Aufklärung im 21. Jahrhundert

Die RSA hat in der letzten Zeit Videos einiger Vorträge veröffentlicht, die im Netz viel Aufmerksamkeit fanden. Vor zwei Monaten war Martha Nussbaum eingeladen, über Aufklärung im 21. Jahrhundert zu sprechen. In den USA und Großbritannien ist ihr kürzlich erschienenes Buch “Not for Profit: Why Democracy Needs the Humanities” viel diskutiert worden, weil die Relevanz der Geisteswissenschaften in der politischen Agenda in Frage gestellt wird.
Im Video legt Martha Nussbaum einige ihrer Positionen zu Fragen der Moral und Politik in kurzer, anschaulicher Form dar. Es kann hier heruntergeladen werden (hier nur Audio).

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Charles Taylor, Religion und die New Left der 50er-Jahre

In diesem Interview erzählt Charles Taylor unter anderem von der Zeit in den 50er Jahren, als er und andere (unter anderem Alasdair MacIntyre) bei der New Left Review arbeiteten. Taylor und MacIntyre verstanden sich schon damals als religiös-christliche Sozialisten. Taylor sagt auch einige aufschlussreiche Dinge zur Frage der Moralität von Religion und Atheismus. Mit Blick auf Dawkins und Hitchens räumt er ein, dass Atheisten moralisch sein können. Die weiteren Ausführungen zu dieser Frage entsprechen weitgehend seinen veröffentlichten Thesen.

Poschenrieder und Safranski über Schopenhauer

In der Sendung “Sternstunde Philosophie” des Schweizer Fernsehens vom 26.09.2010 sprechen Christoph Poschenrieder und Rüdiger Safranski über Arthur Schopenhauer. Anlass ist die Veröffentlichung von Poschenrieders Schopenhauer-Roman “Die Welt ist im Kopf”. Die Aufzeichnung der Sendung ist im Videoportal des SF zu sehen.

Wird die Hirnforschung Psychologie und Philosophie überflüssig machen?

In Amsterdam findet vom 1. bis 3. April 2011 die Konferenz “Imaging the mind” statt. Sie soll, so Stephan Schleim, einer der Organisatoren, den aktuellen Stand der Hirnforschung ermitteln und einen Ausblick auf die Entwicklung von Psychologie, Philosophie und Hirnforschung werfen.
Die bildgebende Hirnforschung hat manche in dem Optimismus bestärkt, die letzten Fragen des menschlichen Bewusstseins klären zu können – und eventuell sogar Psychologie und Philosophie überflüssig zu machen. “Doch es häufen sich auch kritische Stimmen, welche die Erklärungskraft dieser Methoden für das Verständnis des menschlichen Geistes infrage stellen”, wie Stephan Schleim in seinem Blogeintrag berichtet.

Starke Zweifel haben beispielsweise Philosophen wie Julian-Nida Rümelin oder Ansgar Beckermann in ihren Büchern formuliert. (Links zu Amazon)

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Energie-Armut: Alter, Armut und Heizkosten in UK

Diese interessante Infografik veranschaulicht ein wachsendes Problem in Großbritannien: immer mehr ältere Menschen können sich die Energiekosten zum Beheizen ihrer Wohnung im Winter nicht leisten. 1,7 Millionen Haushalte sollen bereits in “Energie-Armut” leben.

Zahlen aus Deutschland sind mir nicht bekannt. Aber bei ständig steigenden Energiekosten wird dieses Problem auch nicht an den sozial Schwachen hierzulande vorbeigehen.