Weltraumforschung Marke Eigenbau

Ein Gruppe von New Yorker Freizeitforschern mit dem Namen Brooklyn Space Program steckten eine einfache HD-Videokamera (nämlich die GoPro Hero HD) in eine Styroporbox, verbunden mit einem Ballon, einem Fallschirm und Sensoren – und schickten den Ballon in die Stratosphäre. Der stieg in eine Höhe von 19 Meilen auf, bis der Ballon platzte, der Fallschirm öffnete sich und der rasante Abstieg begann – alles von der HD-Kamera festgehalten und in diesem Video kommentiert wiedergegeben. Großartig. [via]

Homemade Spacecraft from Luke Geissbuhler on Vimeo.

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Stephen Frys Sprache (animiert)

Vor ca. zwei Jahren hat Stephen Fry auf seiner Webseite einen wunderbaren Podcast über Sprache veröffentlicht. Matthew Rogers hat aus einem Ausschnitt daraus eine kinetische Typografie gemacht, die es vielleicht gerade dem Nicht-Muttersprachler noch einfacher macht, dem ohnehin schon klaren Vortrag Frys zu folgen. Der Inhalt ist inspirierend: es ist ein Aufruf zum genussvollen, schöpferischen Umgang mit Sprache.

Stephen Fry Kinetic Typography – Language from Matthew Rogers on Vimeo.

Entfaltung der Persönlichkeit trotz Internet

In Freundschaften geht man ein Risiko ein – im Internet geht dieser Aspekt realer Beziehungen verloren, schreibt Roger Scruton in “Hiding behind the screen“. Fernsehen, Facebook, Second Life, iPod – deren Dominanz reduziert die Erfahrungsmöglichkeiten, die man braucht, um Selbstbestimmung (Fichte), Anerkennung (Hegel) und Entfaltung (Marx) zu erleben. Demgegenüber wird die Entfremdung durch den Fetischismus der Massenkultur (Adorno, Horkheimer) immer subtiler – und umfassender. Es fehlt an einer kritischen Haltung, die es den Menschen erlaubt, auf reale Erfahrungen und reale Emotionen Wert zu legen. Dazu gehört das Eingehen von Risiken – auch realer emotionaler Risiken, wie sie in naturwüchsigen Beziehungen drohen. Um zu einem moralischen Wesen zu wachsen, braucht es “risk, embarrassment, suffering, and love.

Literatur, Kultur, Politik, Internet

Drei Artikel:

Die Provinz, die Schweden ist: Schwedische Kommentatoren sind mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Mario Vargas Llosa nicht einverstanden – weil er auf der falschen politischen Seite stehe. Johan Norberg wundert sich über seine Kollegen: disqualifiziert sich ein Schriftsteller, weil er einen Liberalismus in der Tradition von John Locke und Adam Smith befürwortet? Weil er sich vom Kommunismus abgewendet hat, weil er entsetzt ist über das Leid, das sozialistische Machthaber verursacht haben? “He moved on not because he was no longer able to sympathise with the poor and oppressed, but because he still did when others began to identify more with the revolutionaries than with the people in whose name they made the revolution. He saw that Castro persecuted homosexuals and imprisoned dissenters. While other socialists kept quiet and thought that the dream justified the means, Vargas Llosa began to ask himself the difficult questions about why his ideals looked more like prison camps than socialist utopias when realised.

James Buchan rezensiert beim Guardian Peter Watsons Buch “The German Genius”

Braucht Poesie Papier? Gefährdet die Veränderung der Medien den Reichtum und die Vielfalt künstlerischen Schaffens? Schrumpft der Kontext und veräbdert dadurch die Sprache, wie Don DeLillo meint?

Die Zukunft virtueller Welten

Nachdem Philip Rosedale, der Gründer von Second Life, das dahinter stehende Unternehmen Linden Lab verlassen wird (weiterer Link), um sich seiner Neugründung LoveMachine zu widmen, stellt sich für die Nutzer die Frage, wie die Zukunft virtueller Welten für sie aussehen wird. John Lester, ehemals in der Second-Life-Community als Pathfinder Linden bekannt, resümiert die positiven Aspekte kreativer Kollaboration und erinnert daran, dass “there is no fate but what we make“:
Take a long hard look at those words, and think about all the things you can control. Think about the communities you belong to that can help you. Think about how you can help others. Then stand up, crack your knuckles, and get to work making your own future.

In den Kommentaren dazu fand ich eine Aussage bemerkenswert:
virtual worlds will keep on being “reinvented” and resold as new and shiny…and each time, they will be used to make us, more like them, coded. unless we value them less than their users.
In diesem Punkt – dem Wert, oder man kann genauso gut sagen: der Würde der Benutzer sind sich der Optimist John Lester und sein Kritiker jedenfalls einig.

Über Lesters Ausführungen hinausreichend in Richtung Enhancement ist Jaron Laniers Artikel im Wall Street Journal: “On the Threshold of the Avatar Era” – eine Zukunft, die auch in Anbetracht des Enthusiasmus ihrer Protagonisten wohl Grund zur Sorge ist.

Kinofilm über Hannah Arendt

Mar­ga­re­the von Trot­ta dreht mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle einen Film über Hannah Arendt. Das Drehbuch verfasste von Trotta zusammen mit Pam Katz. Der Film ist eine internationale Koproduktion und wird unter anderem von der Filmstiftung NRW gefördert. Die Dreharbeiten beginnen voraussichtlich im Frühjahr 2011.

Benoît B. Mandelbrot gestorben

Benoît B. Mandelbrot ist am 14. Oktober 2010 gestorben.
Lange bevor das Digitale endgültig zum Ärgernis wurde verband man mit Mandelbrot das Schöne der Mathematik und der Natur, das man sich mit Hilfe zahlreicher Programme zur Generierung von Fraktalen auf die frühen Homecomputer wie C64, Atari und Amiga holen konnte. 2010 hielt er seinen letzten öffentlichen Vortrag bei der TED-Konferenz, in dem er sein Arbeitsgebiet vorstellt und wie beiläufig erkenntnistheoretische Probleme des Messens und Modellierens veranschaulicht. Am bekanntesten ist vielleicht das Küstenproblem: “Das Konzept der Länge einer Küstenlinie ist ein Trugschluss. So ein Ding gibt es nicht.

Nachrufe bei The Edge, Heise und Guardian.

Philippa Foot (1920 – 2010)

Philippa Foot ist am 3. Oktober in ihrem Haus in Oxford gestorben. Foot hat maßgeblich zur Etablierung der Tugendethik beigetragen. In den 50er-Jahren argumentierte sie gegen die Auffassung der Ethik als “privates Unternehmen” und für die rationale Fundierbarkeit moralischer Stellungnahmen. Die New York Times, der Guardian und der Telegraph haben Nachrufe veröffentlicht.

Hysterie statt Rationalität

Was ich in der letzten Zeit als lähmend empfinde, und was meines Erachtens tatsächlich auch Beobachter und Teilnehmer in verschiedenen Bereichen lähmt, ist das implizite Verbot, die “nicht-richtigen” Positionen zur Kenntnis zu nehmen, zu untersuchen und zu diskutieren – und das auf ganz unterschiedlichen Feldern der Politik, der Kultur, der Technologie. Wer es dennoch wagt, kann mit hysterischen Reaktionen rechnen.
Es ist der Mechanismus des Schulhofs, des Fanclubs, des Stammtischs, der die wichtigen Debatten prägt.