Prinzipielle Möglichkeiten, Willensfreiheit zu leugnen

October 28, 2009 | Filed Under Argumentation, Philosophie des Geistes | 6 Comments

Kevin Timpe beschreibt zwei prinzipielle Möglichkeiten abzustreiten, dass Willensfreiheit exisitiert: die kontingente und die kategorische. Ich habe die Vermutung, dass Gerhard Roths Strategie (die mich nicht überzeugt) damit noch nicht ganz erfasst ist. (Da ich gerade in meiner Frühstsückspause hier schreibe, fehlt mir die Zeit, dass durchzudenken.)

Article written by Björn

Comments

6 Responses to “Prinzipielle Möglichkeiten, Willensfreiheit zu leugnen”

  1. rotor

    Ich lehne jegliche Thesen ab, die beweisen wollen — oder auch könnten, dass ich keinen freien Willen haben könnte. Da bin ich ignorant, auf voller Linie. Und auch wenn es so wäre, was ich gar nicht zur Debatte stellen will, dann müßten wir doch so handeln als ob es sie gäbe. Wieso also trotzdem damit befassen? Ich will Romantik!

  2. rotor

    Hm, es sollte wohl eher heißen das ich mich den Thesen verschließe und sie nicht ablehne…

  3. Verständlich. Und Romantik – alle so yeaahh! Mein Reden.

  4. Willensfreiheit als empirisches Faktum kann man nicht “beweisen”, sondern aufweisen oder aufzeigen. Anders gewendet kann man deswegen bloß logisch auch nicht “beweisen”, dass etwas nicht oder doch existiert. Nachvollziehbare Beweise sind zudem immer nur innerhalb eines vollständigen Kalküls oder geschlossenen Aussagesystems möglich wie z.B. in der Mathematik…

    Was wir mit dem umgangssprachlichen Verb “wollen” anzeigen (wollen), muss aus der Verwendung dieses Wortes im Alltag erschlossen werden. Wer genauer wissen will, wie wir das machen, was “Willensbildung” genannt wird und in welchen Einzelschritten diese besteht, wird sich mit der Willens- oder Volitionspsychologie beschäftigen müssen.

    Das Wichtigste davon habe ich im ersten Text hier dargestellt, in dem ich auch angebe, wovon wir uns dabei “frei” machen: vom naturwüchsig-reflexhaften und gewohnheitsmäßigen, also unüberlegt-unbedachten Re-Agieren auf vorgegebene innere Impulse oder äußere Reize!

  5. Rein logisch argumentieren Neurowissenschaftler mit Bezug auf Willensfreiheit ja auch nicht. In ihren Argumenten stützen sie sich irgendwo auf empirische Behauptungen. Kevin Timpe hat in seinem Blog versucht zu skizzieren, wie die argumentativen Strategien pro und contra prinzipiell aussehen können. Als Anregung wollte ich hier in meinem Blog nur darauf hinweisen.
    Danke für den Link!

  6. In der Tat nehmen manche Hirnforscher wie Gerhard Roth immer wieder Bezug auf Experimente von der Art, wie sie Benjamin Libet angestellt hat, z.B. in der Überblicksdarstellung hier. (Kritik hier)

    Allerdings ist die Interpretation dieser Experimente von Anfang an umstrittenen gewesen. Sie kann seit 2005 auch als experimentell widerlegt gelten. Die breitere Öffentlichkeit wurde darüber allerdings erst vier volle Jahre nach Erstpublikation in der November-Ausgabe 2009 des Magazins Gehirn & Geist informiert – während sonst die windigsten Meldungen aus der Hirnforschung sofort in die breite Öffentlichkeit getragen werden, wenn sie sich nur reisserisch aufmachen und im Sinne der vermeintlichen Weltsensation vom Hirngespinst Willensfreiheit” deuten lassen.

    Nur wird dabei geflissentlich oder ahnungslos meist übersehen, dass jede Interpretation experimenteller Daten von Voraussetzungen ausgeht, die über ihre Deutung entscheiden. Willensfreiheit muss deswegen zur Illusion erklären, der wie Wolf Singer und Wolfgang Prinz einen wenn nicht gleich metaphysischen, so doch mindestens methodischen Determinismus vertritt und im Namen der Wissenschaft dann behauptet, „die Idee eines freien menschlichen Willens ist mit wissenschaftlichen Überlegungen prinzipiell nicht zu vereinbaren.

    Aus Prinzip ein empirisches Faktum und damit dessen Existenz zu bestreiten, dabei aber wissenschaftlich ernst genommen und hoch geachtet, ja sogar ausgezeichnet zu werden, ist heute bemerkenswerter Weise immer noch möglich – allerdings nur noch im Namen einer oder “der Naturwissenschaft”!

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