Peter Singer hat CNN ein Interview zur Gesundheitsreform in den USA gegeben. Er trägt einige sachliche Gründe vor, die die aufgeregten Gegner der Reform beruhigen könnten, wenn sie Argumenten zugänglich wären. Besonders interessant finde ich einen Punkt, der genauso für Deutschland gilt, wie ich leidvoll selbst erfahren musste – die absurden, national unterschiedlichen Preise für manche Medikamente, die in anderen Ländern erheblich günstiger verkauft werden: “another area of saving is in the costs of pharmaceuticals. We can see the same drug that we’re buying in the United States is on sale for much less money in Britain because the British National Health Service says we will not provide that at that price.” Hier wird durch staatliche Regulierung das öffentliche Gesundheitssystem durch private Interessen gemolken, und das schlägt bei den Kosten ganz erheblich zu Buche, so dass die Versicherten Kürzungen in anderen Bereichen hinnehmen müssen. [via]
Peter Singer über die Gesundheitsreform in den USA
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#1 by Daniel on 2009/08/24 - 10:57 am
Ich weiß nicht, ob das stimmt. Medikamente sind Produkte mit sehr hohen Fix- und recht niedrigen Duplikationskosten, d.h. wenn man ausreichend Marktmacht hat, dann kann man die Preise sehr nahe an die Duplikationskosten fahren, das stimmt.
Aber das uß man erst mal machen; Medicare/Medicaid machen das in den USA ja gerade nicht, die haben in manchen Medikamentenmärkten Marktanteile von >70% und es passiert wenig, bzw. da steigen die Preise sogar …
Auf der anderen Seite dürfte das ein ziemlich böser Einschnitt für die ganze Welt sein, Singers letztes Zitat: “Well, the drugs are being developed for everyone: Canadians, Britains, and Americans. If the drug companies can sell them for less money across the border, they can sell them for less money here.” Das ist zwar richtig, aber ein Ablenkungsmanöver. Aktuell kommen weltweit mehr als 50% des Umsatzes der Pharma-Konzerne aus den USA und Gewinne werden quasi nur noch dort erwirtschaftet. Sicher, *wenn* eine Droge schon mal entwickelt wurde, dann kann man sie weltweit quasi ohne Gewinn verkaufen, natürlich auch in den USA. Das Problem ist, daß man damit *in Zukunft* viel weniger Innovation sehen wird, weil es viel schwieriger ist, die hohen Fixkosten erst mal bereitzustellen. Heute “free-ridet” die ganze Welt am amerikanischen Gesundheitssystem, aus dem der komplette Fortschritt kommt.
Abgesehen davon ist natürlich nicht jeder Gegner der Reform Argumenten unzugänglich und irgendein spinnerter Birther o.ä.
#2 by Björn on 2009/08/24 - 11:49 am
Wenn über staatliche Garantien (z.B. Verschreibungspflicht) Preise lächerlich höher sind als auf dem freien Markt, führt das zu der weiteren Regulierung, dass die Beiträge für das öffentliche Gesundheitssystem höher als der freie Marktpreis sind und vorhandene Ressourcen schlechter alloziiert werden.
Es ist wünschenswert, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung für Alle staatlich reguliert (i.e ermöglicht) wird. Dagegen ist der Missbrauch des Staates zur Aufrechterhaltung eines Feudalismus illiberal.
Update: Auch wenn es offenkundig ist, und du nur einen Schlaumeierkommentar abgeben wolltest, hier eine Veranschaulichung der Argumentationslage in den USA. Den billigen
logischenrhetorischen Trick mit “nicht jeder” kannst du doch nicht vor dem Publikum in diesem Blog anbringen.#3 by Björn on 2009/09/16 - 12:37 pm
Und hier noch mal eine Übersetzung der “Argumente”