“America’s inequality problem — and I mean the stagnation at the lower end, not the hedge funds guys at the top — does indeed seem to stem from dysfunctional families and bad education” [Marginal Revolution]
Hat ökonomische Ungleichheit ihre Wurzeln in Erziehung und Bildung?
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#1 by fabe on 2008/03/28 - 5:47 pm
wechselwirkung, denke ich, und tradiertes verhalten.
#2 by Andre on 2008/03/29 - 4:57 pm
Wie es wohl zu “dysfunctional families and bad education” kommt? Konkurrenz ohne Verlierer? Lohnarbeit? Warenausschluss durch Geld/Preis und Staatsmacht? Die Fragestellung ist derart borniert positivistisch, dass man sich echt an den Kopf packen muss.
#3 by Björn on 2008/04/01 - 9:16 am
Das finde ich nicht, obwohl deine Fragen meiner Ansicht nach richtig sind. Wie kommt es zu dysfunctional families? Ist der Hinweis auf dysfunctional families ein relevanter Teil der Erklärung ökonomischer Ungleichheit?
Aber auch: Bleibt dieser Sachverhalt unter verschiedenen ökonomischen Randbedingungen signifikant erhalten? In diese Richtung scheint ja wohl die These zu gehen, und damit ist es keine Frage der Ideologie, sondern der Beschreibung sozialer Sachverhalte.
#4 by Andre on 2008/04/02 - 4:59 am
zu den verschiedenen ökonomischen Randbedingungen:
“and I mean the stagnation at the lower end, not the hedge funds guys at the top”
Nur lass sie alle gut ausgebildet (qualifiziert) und sozial kompetent sein: Was würde das bringen? Würde das eine ökonomische Gleichheit herstellen? Darin sind schon mind. 4 Annahmen unterstellt: dass es in dieser Gesellschaft A) zweckhaft wäre, alle Menschen gut auszubilden, B) um das Herstellen von ökonomischer Gleichheit ginge, C) die eigene gute Ausbildung auf Nachfrage trifft, und D) ökonomische Gleichheit gleichbedeutend mit einem guten Auskommen sei.
Der Witz ist schon, dass sich mit zunehmender Anzahl gut ausgebildeter Menschen der Konkurrenzdruck um wenige rentable Jobs verschärft und dabei die Löhne sinken. Die Löhne haben weniger mit der Güte einer Ausbildung ansich zu tun, als viel mehr mit ihrer Seltenheit und Nachfrage. Nur weil es mehr gut ausgebildete Leute gibt, vermehren sich damit nicht gleich die Arbeitsplätze. Es gibt außerdem gut ausgebildete Leute, deren Einsatz schlicht überflüssig geworden ist.
Ich sehe auch Punkt A nicht in der schulischen Praxis bestätigt: Dort werden bewusst Leistungsunterschiede hergestellt (Lernen unter Zeitdruck und Gleichbehandlung von Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen), messen die Abstände (Noten) und trennen von weiterer Bildung. Selbst wenn die Kinder alle mit ähnlich-guten Voraussetzungen dort sitzen würden, dürfte keine Klasse nur mit einsern nach Hause spazieren. Da bekommt der Lehrer einen über den Deckel. Immerhin geht’s u.a. um die Vorsortierung auf die Hierarchie der Berufe/Lebensläufe/Einkommen. Kann schließlich nicht jeder Pumachef werden. Einige können entsprechend früh aussortiert werden und stehen dann früher dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und sind in Lohnfragen anspruchsloser.
Das kann man alles noch weiter ausführen.
Ich denke aber eher, dass es hier nicht um sowas wie Gleichheit gehen kann, sondern vielleicht noch eher um sowas wie Durchlässigkeit. Vielleicht war das auch gemeint: Gleichheit von Chancen zwischen “lower end” und oder “hedge fonds guys at the top”…
#5 by Björn on 2008/04/09 - 9:20 am
Was deine Anmerkungen zu den Begrenzungen und knappen Ressourcen etc und die daraus entstehenden Folgen angeht, stimme ich dir wohl zu. Was die Zweckfragen angeht, bin ich skeptischer: egal ob man “der Gesellschaft” gute oder böse Zwecke unterstellt, ich kenne keine plausible Erklärung dafür.
Die Frage in dem Text ist doch, welche Motivation die Individuen haben, ihre soziale Lage zu gestalten. Es wird nicht behauptet, dass der Tisch schon gedeckt ist. Die angesprochene Frage ist zentral für die Erklärung der sozialen Ungleicheit. Es hilft doch nichts, sie zu ignorieren, indem man sagt, das sei alles positivistisch und die Gesellschaft ist an allem schuld. Das ist ein alter Reflex der Linken (und der ganz Rechten), der den Versuch einer realistischen Erklärung nicht verhindern darf.
#6 by Andre on 2008/04/11 - 7:54 pm
ich habe nicht (a) “der Gesellschaft” (b) gute oder böse Zwecke unterstellt, sondern geschrieben, dass Massen(aus)bildung nicht als Zweck in dieser Gesellschaft praktisch vorkommt – oder etwas konkreter: dass der Staat und seine Wirtschaft nun mal keine Bildungsidealisten sind und das nicht aus einer Laune heraus.
Ich finde es jedenfalls extrem verkürzt, ein gesamtes gesellschaftliches Verhältnis auszublenden und die eigene soziale Lage als das Ergebnis der eigenen Motivation auszuweisen. Sicherlich kommt nicht allzuviel dabei heraus, wenn man bestimmte Vorstellungen aufgibt, die es wohl braucht, um in dem Laden durchzuhalten. Nur gilt eben nicht der Umkehrschluss, dass allzuviel dabei herauskäme, wenn man auch den Antrieb dazu hat, sich unter den gegebenen Bedingungen anzustrengen – also das zu wollen, was man muss. Ich bestreite ja nicht, dass die jeweilige Motivation keine Rolle spiele und sie nicht zu untersuchen wäre. Aber sie als zentral für die Frage sozialer Ungleichheit darzustellen, ist für mich eben verkürzt: Das was man an der Fokusgruppe feststellt, soll schon den Grund für ihr Dasein abgeben…
#7 by Andre on 2008/04/11 - 10:31 pm
edit:
Nur gilt eben nicht automatisch der Umkehrschluss, dass schon viel dabei herauskäme, wenn man das will, was man muss. Z.B. führt der Wille zur Lohnarbeit nicht automatisch zur einem Lohnarbeitsplatz.
#8 by Björn on 2008/04/14 - 12:30 pm
Muss ja “verkürzt” sein, ist ja “positivistisch”, während man quasi durch Willensentschluss (einfach nur die richtige Kirche zitieren) der “Totalität” aller gesellschaftlichen Verhältnisse gerecht wird.
Ich habe mich echt bemüht, deinen Kommentaren noch etwas abzugewinnen, aber jetzt habe ich gerade keine Lust mehr, auf verstaubte Stereotypien zu reagieren. Die ist mir im Grundstudium Politikwissenschaft/Soziologie aufgrund einer Überdosis abhanden gekommen.
Diese arrogante Grundhaltung bestätigt auch die von dir verwendete E-Mail-Adresse. Dies hier ist kein Forum für Flames oder Fandom, sondern mein privates Weblog.
#9 by Andre on 2008/04/14 - 9:09 pm
Danke für deine Argumente zur Sache. Nun weiß ich, dass ich arrogant bin und du das Grundstudium Politikwissenschaft/Soziologie absolviert hast.
Die Linke hat Reflexe und die Dinge sind einfach mal zentral, einfach so. Dann empfehle ich wohl noch Igoranz, obwohl ich gerade die hier ankreide.
wegen meiner E-Mail-Adresse:
Spamgourmet.com ist ein Email-Dienst für Leute, die aus informationshygienischen Gründen “normale” Email-Adressen nicht jedem Unbekannten und in jedem unbekannten Ort im Web hinterlassen möchten. Ich verteile meine normalen E-Mail-Adressen im Bekanntenkreis, im weiten Internet selbstverständlich die Spamgourmet-Adressen. Spamgourmet leitet Mails dann unter bestimmten Regeln weiter. Und das ich überhaupt eine echte Adresse angebe, über die ich erreichbar bin, und keine Witzadresse wie “keine@mail.de” oder sowas, bestätigt für dich nun meine Arroganz.
Danke dennoch für den kleinen Plausch.
#10 by Björn on 2008/04/16 - 9:17 am
Der Kommentarverlauf (inkl. Mail-Adresse (ich kenne den Dienst)) spricht für sich.
Diesen Service biete ich (normalerweise) gerne.