Mein Eindruck von den politischen Diskussionen in der deutschsprachigen Blogosphäre der letzten vier Jahre ist eher negativ. Ich kann mich nicht an viele Beispiele einer offenen und interessierten Diskussion gegensätzlicher Standpunkte erinnern, vielmehr dagegen an Gruppen- und Grüppchenbildung um einen Standpunkt herum, wobei die Diskussion einen bestimmten Radius des sozialen Netzwerkes nicht überschritt. Mein Eindruck ist zudem, dass dies ganz gut zum Diskussionsverhalten in der deutschen poltischen Kultur außerhalb des Internets passt.
Auf Crooked Timber gibt es einen interessanten Beitrag zu “Deliberation vs. participation in blogs“. Cass Sunstein vertritt in einem Videodialog mit Henry Farrell eine eher skeptische Auffassung zum Beitrag, den Blogs zur Diskussionskultur leisten:
“Cass is pretty skeptical about the virtues of Internet communication; he believes that it is quite likely to lead to political polarization and perhaps extremism, and not to the kinds of thoughtful, deliberative exchanges between left and right that he’d like to see.“
Allerdings haben Blogs möglicherweise ein größeres Potenzial in der Frage der Partizipation, also der Mobilisierung. Politische Kampagnen könnten davon profitieren. Sie müssten allerdings vermeiden, kontroverse Debatten in ihren eigenen Foren zu führen, um nicht den gegenteiligen Effekt hervorzurufen. Kampagnen müssen ihre Anhänger mitreißen – kritische Fragen würden sie dagegen verunsichern.
Heißt das auch, dass erfolgreiche Blogs unter ihren Lesern wenig Kontroversen auslösen – oder überhaupt eher unkontroversen Mainstream produzieren?
Nachtrag: Dazu passend fragt Richard Chappell nach “Good political blogs?” Um die gepflegte Kontroverse zu entfachen, würde ich einfach mal das Antibürokratieteam ins Rennen schicken.



Das Problem bei politischen Blogs ist doch letztendlich, dass jeder Schreiber mit einer ganz persönlichen Meinung an die Sache herangeht. So ein Politikblog hat praktisch a priori schon mal eine Richtung. Und dann kommt halt der Internet-Effekt zum tragen:
An den Diskussionen beteiligen sich nur diejenigen, die den Standpunkt des Verfassers teilen und die, die ihn rundheraus ablehnen. Und das wird schlicht nichts. Ich schreibe nicht über Politik oder Weltanschauung, und zwar genau aus diesem Grund: Da haben weder meine Leser noch ich was von.
Für politische Diskussionen sind (gut moderierte und weltanschaulich neutrale) Foren wesentlich besser geeignet.
An dem “Internet-Effekt” ist jedenfalls was dran. Um so lieber sind mir die Wissenschaftsblogs.