In der taz ist kürzlich ein ausführliches Interview mit Ernst Tugendhat (English translation at signandsight or Eidos) erschienen, in dem er über seinen persönlichen Rückblick auf seinen philosophischen Werdegang und die Nachkriegsphilosophie in Deutschland berichtet. Tugendhat hat eine der interessantesten Perspektiven auf die philosophische Landschaft in Deutschland, weil er sie einerseits hervorragend kennt, andererseits aufgrund seiner Biografie und seiner philosophischen Interessen wie kaum ein anderer dazu geeignet ist, eine Außenperspektive einzunehmen. Er wird demnächst nach Brasilien umziehen (“Ich habe das Gefühl, dass für mich die Zeit des Philosophierens vorbei ist.”). Für die Philosophie erwartet er, dass Deutschland weiter ein besseres methodisches Bewusstsein und mehr Diskussionsdisziplin entwickeln muss, um an den maßgeblichen Entwicklungen teilzuhaben. Die philosophischen Ansprüche der Hirnforscher beurteilt er dagegen als unausgegoren und uninformiert – auch als Naturalist könne man nur feststellen: “was in den biologischen Wissenschaften mit Bezug auf den Menschen gemacht wird, da ist sehr wenig Sinnvolles.”
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