Archive for July, 2007
“Die Welt der Wissenschaft ist unendlich viel schöner als die der Religion”
In einem Interview mit der NZZ äußert sich der britische Schriftsteller Ian McEwan kritisch zur Religion, die in den letzten Jahren angeblich eine Renaissance erlebt.
“Im Gegensatz zur Wissenschaft und zum einzigartigen Projekt der Rationalität, das sich immer wieder selbst korrigiert, beruhen Religionen auf heiligen Texten, die für alle Zukunft festgeschrieben sind, und wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen, weil sie Behauptungen über die Welt aufstellen, für die es nicht die geringsten Beweise gibt.
…
Paradoxerweise haben also die Terroranschläge bei mir dazu geführt, nicht nur über den religiösen Glauben nachzudenken, sondern auch über die Alternative, die wir haben, und das ist in meinen Augen die Rationalität. Die Welt, die wir durch das Hubble-Teleskop oder durch ein Mikroskop betrachten, die Welt, die uns die Wissenschaft erschliesst, ist unendlich schöner als die Welten, die uns das Christentum, der Islam, der Buddhismus oder der Hinduismus zu bieten haben. Wir sollten anfangen, unsere Rationalität und unsere Wissenschaften als die wunderbaren Errungenschaften menschlicher Genialität zu feiern und der Arroganz derer zu misstrauen, die nicht nur behaupten, dass es einen Gott gebe, sondern uns auch noch sagen, was er denkt. Wir können Wunder und Inspiration in den Werken von Goethe und Shakespeare finden; wir können der Literatur eine moralische Orientierung entnehmen, die die Bibel nicht zu bieten hat.”
Ian McEwan auf NZZ-Online: “Wie viel Freiheit hat der Mensch?“
Aristoteles, E-Mails, Second Life und Freundschaft
Posted by Björn in Antike, Bloggen, Ethik, Moralphilosophie, Second Life, Sozialphilosophie, Technik on 2007/07/27
Tim Madigan glaubt, dass E-Mail ganz im Sinne von Aristoteles hilft, Freundschaften zu pflegen.
Ich behaupte meinen Freunden gegenüber, dass dies auch für SMS, Weblogs und ganz besonders sogar für Second Life gilt. Normalerweise glaubt mir aber niemand Letzteres, obwohl die meisten von ihnen ohne Telefon und SMS in der Freundschaft nicht auskommen.
FAZ versus Perlentaucher
Andrea Diener hat einen guten Überblick über den Streit zwischen FAZ und Perlentaucher geschrieben, bei dem in erster Instanz die Klage der FAZ abgewiesen wurde. Ich habe mich mangels Zeit bislang wenig damit beschäftigt, ich kann nur sagen, dass ich ohne den Perlentaucher wohl kaum Online-Beiträge der FAZ lesen würde.
Weiße Raben
Posted by Björn in Biologie, Naturwissenschaft on 2007/07/19
Die Daily Mail berichtet (mit Foto) von drei weißen Raben. [via]
Erklärung gegen den Israelboykott britischer Hoschschullehrer
Posted by Björn in Links, Politik, Verschiedenes on 2007/07/16
Die Scholars for Peace in the Middle East haben eine Erklärung gegen den akademischen Boykott Israels, der von britischen Gewerkschaftern gefordert worden ist (wie hier und hier berichtet), veröffentlicht. Bereits 9000 Akademiker, darunter zahlreiche Nobelpreisträger, haben unterzeichnet, dass “singling out Israelis for an academic boycott is wrong.” [via]
IBM engagiert sich weiter in 3D-Welten wie Second Life
Posted by Björn in Internet, Second Life, Virtual Reality on 2007/07/13
IBM konzentriert sich auch weiterhein “auf die Anwendung virtueller Welten in der Wirtschaft und Gesellschaft”. Das Unternehmen setzt auf diese Form der Interaktion, die, verglichen mit dem zweidimensionalen Web, noch in den Anfängen steckt, und hofft auf offene Standards. “Angesichts der Zukunft dieser Industrie glaubt IBM nicht an eine bestimmte Plattform. Second Life war ein Katalysator.” [Interview mit Ian Hughes, IBM, auf Technology Review]
Der Schriftsteller Neil Stevenson hat übrigens Vorzüge des 2D-Web gegenüber dem 3D-Web herausgestellt, die es auch weiterhin unverzichtbar machen werden:
“In vielen Fällen ist 3-D nicht sinnvoll. Die meisten Inhalte des Internets basieren auf Dokumenten wie Texten, Fotos, Videos und Audio. Die sind extrem benutzerfreundlich, so wie sie sind. Die Frage ist: Was kann eine 3-D-Landschaft anbieten, das den hohen Aufwand rechtfertigen würde? Zwei Antworten sind: Eine naturalistische soziale Interaktion und die Möglichkeit, die Warenwelt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Andere Lösungen werden mit der Zeit sicher kommen. Aber Text, Fotos, Video und Audio werden daneben bleiben.”
[Interview mit Stevenson in der Netzeitung
Privacy, Identität, Data Mining und Überwachung
Posted by Björn in Datenschutz, Internet, Persönlichkeitsrechte, Privacy, Privatsphaere, Technik on 2007/07/11
Das Softwaretool Paterva Evolution demonstriert, wie leicht es für jeden ist, gezielte Datenrecherchen im Internet anzustellen, um gebündelte Informationen über Spuren, die beispielsweise eine Person im Web hinterlassen hat, zu erhalten. Kai Raven gibt ein Beispiel für dieses Data Mining. Es vermittelt einen Eindruck von den Möglichkeiten professionellen Data Minings zum Zweck der Profilgewinnung.
Einen anderen Aspekt der Identität im Web erwähnt Michael Panzer, den er bei Danah Boyd gefunden hat, und den sie “Ephemeral profiles” nennt: Internetnutzer legen einfach ein neues Profil oder ein neues Benutzerkonto an, wenn sie ihre Zugangsdaten verloren haben.
Many teens are content (if not happy) to start over with most of their accounts in most places. Forgot your IM password? Sign up again. Forgot your email address? Create a new one. Forgot your login? Time for a change.
Noch etwas anderes: Gero von Randow vertritt in einer Diskussion auf ZEIT.de eine Gegenmeinung: Überwachung tut not. Er fordert eine nüchterne Klärung der Details.
Hans Ulrich Gumbrecht über Richard Rorty
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Leute on 2007/07/10
Hans Ulrich Gumbrecht schreibt über seine persönlichen Erinnerungen an Richard Rorty. Gumbrecht lebt und lehrt als Germanist und Literaturwissenschaftler in den USA. Vor einem Jahr erschien ein Interview mit ihm bei Telepolis. Auszüge einer Vortragsveranstaltung mit ihm gibt es auf seiner Homepage im Real-Audio-Format.
Peter Sloterdijk ist 60 geworden
Posted by Björn in Leute, Verschiedenes on 2007/07/06
Aus Anlass von Peter Sloterdijks 60. Geburtstag schreibt sein Freund Rüdiger Safranski in der WELT eine Gratulation: Meister der fröhlichen Wissenschaft. In Telepolis gibt Rudolf Maresch einen Überblick über Schaffen und Wertschätzung von Sloterdijk.