Weblog: das; eine Internetseite, der in gewissen zeitlichen Abständen Beiträge hinzugefügt werden, wobei in der Regel – was am Praktischsten erscheint – die neuesten Beiträge auf der Startseite erscheinen und die älteren in chronologischer Reihe dahinter folgen. Am häufigsten dürfte zu diesem Zweck eine Software zum Einsatz kommen, die es besonders leicht macht, Beiträge zu erstellen, zu verändern und zu löschen. Teilweise bestehen kuriose Kollektivvorstellungen derjenigen, die Weblogs schreiben oder lesen, dazu, inwieweit diese technischen Möglichkeiten – schreiben, ändern, löschen – legitim sind. Weblogs unterliegen dem Spannungsfeld zwischen privater Äußerung und öffentlichem Diskurs. Sie stellen eine neue technische Schnittstelle zwischen ursprünglich anonymer, intimer Privatheit und den sozialen Mechanismen der Öffentlichkeit dar. Daher eignen sie sich auch für Kommunikationszwecke, die auf eine größere Öffentlichkeitswirksamkeit zielen. Diese Wirksamkeit ist durch die Grenzenlosigkeit des Internets neuartig im Vergleich zu herkömmlichen Publikationsformen.
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#1 by Matthias Kiesselbach on 2007/05/03 - 10:37 pm
Diesen Eintrag nutze ich zum Bewerben eines neuen kleinen Philosophieblogs im Internet. Link oben. Guten Tag und beste Grüße aus Berlin!
#2 by Hans Atom on 2007/05/11 - 2:55 pm
Das ist erstaunlich! Sind Sie etwa einer dieser verruchten Neo-Enzyklopädisten?
#3 by Philoblogger on 2007/05/14 - 12:21 pm
Gibt es die? Ich weiß nicht, ob ich da mitmachen würde. Dieser enzyklopädische Erguss war vielmehr der xte Versuch, ein Weblog zu definieren. Mal sehen, ob weitere folgen :-)
#4 by Robert Dürhager on 2007/05/15 - 6:14 pm
Zitat: “Teilweise bestehen kuriose Kollektivvorstellungen derjenigen, die Weblogs schreiben oder lesen, dazu, inwieweit diese technischen Möglichkeiten – schreiben, ändern, löschen – legitim sind.”
Was ist hiermit gemeint? Können Sie ein Beispiel geben? Wurde die Entstehungsgeschichte des Begriffs “Weblog” extra weggelassen weil man sie überall findet und mit den heutigen Formen von Weblogs nichts mehr gemeinsam haben?
Gruß Robert
#5 by Philoblogger on 2007/05/18 - 10:35 am
Danke für die Fragen.
Die kuriosen Ansichten, ob Beiträge ediert oder gelöscht werden dürfen, finden sich seit Jahren immer wieder in den Diskussionen der Blogosphäre. Sie sind kein logisches, sondern ein soziologisches Merkmal, bzw. Folklore.
Die Frage liegt allerdings auf der Hand: Wenn man eine Software zum komfortablen Editieren von Texten hat, sollte man bereits publizierte Beiträge dennoch nicht ändern? Darf man eine umstrittene Äußerung aus dem Netz nehmen oder abändern? Muss man Aussagen, die man revidiert hat, in ihrer ursprünglichen Form für die Öffentlichkeit zugänglich halten? Usw.
Ich persönlich neige eher dazu, der Revision ausreichend Raum zu lassen.
Die Entstehungsgeschichte von Weblogs liest man ja in der Tat immer mal wieder, wobei es da wohl auch einen Ehrgeiz gibt, möglichst zu den Early-Adoptern zu gehören. Letzten Endes dürfte es schwer sein, eine scharfe Trennung zwischen Weblog und einer einigermaßen regelmäßig gepflegten konventionellen Homepage zu machen. Natürlich kann man sich per Dezision oder Konvention auf ein technisches oder anderes Kriterium festlegen (Datenbank, Kommentare etc. (s. “the writeable web”)), aber solche Definitionen decken dann eben nur den eingegrenzten Bereich. Ein kreativer oder chaotischer Autor, der sich an die festgelegten Kriterien nicht hält, kann im Zweifel darauf verzichten, seine Seite als Weblog zu bezeichnen und trotzdem so etwas tun wie Bloggen.
So ganz wichtig ist die scharfe Definition, glaube ich, auch niemandem. Kreativität und Inhalte werden von vielen Bloggern einfach sehr geschätzt.