André Glucksmann: «Nicht wegschauen»


David Signer schreibt in der “Weltwoche” einen Bericht (hier die englische Version) aus Anlass der Veröffentlichung von André Glucksmanns Autobiografie. Der heute 70-jährige Glucksmann hat sich zeitlebens engagiert zu aktuellen politischen und sozialen Fragen geäußert und dabei auf ideologische “Verpflichtungen” keine Rücksicht genommen, sondern sich unabhängig zu den brennenden Themen der Zeit geäußert. Als ehemaliger Marxist stieß er damit häufig auf Unverständnis und Kritik der Intellektuellen und der politischen Linken. “Für viele Linke wurde Glucksmann dann definitiv zur Persona non grata mit seinem Buch «Die Philosophie der Abschreckung», in dem er die Ideologie des antiamerikanistischen «grünen Pazifismus» kritisierte.” Sein letztes Buch – “Hass – Die Rückkehr einer elementaren Gewalt” – ist auch eine Kritik der Ideologie als moralischer Legitimation. “Hass in Form von terroristischer Gewalt hat nichts mit Elend und Unterdrückung zu tun. Letztere werden bloss als Vorwand genommen, um der Brutalität freien Lauf zu lassen. Im elaborierteren Falle wird eine ganze Ideologie konstruiert. Sie ist aber nie Ursache des Hasses, sondern ein nachgeschobenes Alibi.”
Glucksmann, Kind verfolgter jüdischer Eltern auf der Flucht vor den Nazis, blieb sich und seinem Anliegen, dass die Sache wichtiger ist als vermeintliche Verbündete, zeitlebens treu. Er antwortete David Signer auf die Frage nach der Essenz seines Denkens: «Nicht wegschauen.»

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