Archive for November, 2006

Tocqueville-Biografie

Im Economist gibt es eine aktuelle Rezension der neuen Biografie “Alexis de Tocqueville: Prophet of Democracy in the Age of Revolution” von Hugh Borant. Der Rezensent empfiehlt Borants Biografie uneingeschränkt.

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“Manifest der 25″ – politisches Dokument deutscher Professoren zu Israel

Das “Manifest der 25“, das kürzlich in der Frankfurter Rundschau erschien und ein Überdenken der besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel forderte, wurde unter anderem von den Philosophen Georg Meggle (Leipzig) und Hajo Schmidt (Fernuni Hagen) unterzeichnet. Die Unterzeichner kommen zu dem Schluss, dass der Konflikt zwischen islamischer und westlicher Welt nicht weiter angeheizt werden dürfe. Das Manifest ist merkwürdig verklausuliert und in wichtigen Punkten unklar. Implizit legt es die Auffassung nahe, dass Israel, Deutschland und der Westen die Ursache für die gewalttätigen Konflikte seien und dass zu deren Beendigung der besondere Status der deutsch-israelischen Beziehungen aufgegeben werden müsse.

Über die tatsächlichen Sachverhalte, Ursachen und Imperative kann man allerdings auch anderer Auffassung sein, wie die vehemente Kritik an dem Manifest zeigt, die auch danach fragt, was die Autoren eigentlich erreichen wollten.
Henryk M. Broder beurteilt das “Manifest der 25″ recht sarkastisch:

Darfur, Nigeria, Kongo, Nordkorea und der Rest der Welt geht ihnen am Arsch vorbei. Aber wenn sie sich zu “Palästina” äußern, treten sie nicht nur aus dem Schatten der deutschen Geschichte, sondern auch aus der eigenen Mittelmäßigkeit heraus. Sie werden wahrgenommen. Ein Prof, der Unsinn redet, ist ein Prof, der Unsinn redet. 25 Profs, die Unsinn reden, sind dagegen eine “kritische Masse”. Macht nix, auch 25 Armleuchter ergeben noch keinen Kandelaber.

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Religiöse Empfindlichkeiten führen in die Katastrophe

In seinem Artikel “Freedom of Thought versus Freedom of Religion” fordert Jonathan Israel die Holländer (und Europäer) auf, sich an Spinoza zu erinnern und die konfusen und gefährlichen Absagen an das Erbe der Aufklärung, die in Politik und Feuilleton en vogue sind, zu beenden.

“To give way to claims that religious sensibilities of whatever sort are what must be chiefly respected in society is a sure path to political and social disaster.”

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Peter Bieri im Gespräch auf 3sat

Aus dem Jahr 2002 stammt ein Gespräch des Philosophen Peter Bieri mit dem TV-Magazin “Kulturzeit” auf 3sat. Es geht dabei um sein Buch “Das Handwerk der Freiheit”. Das Gespräch kann als RealVideo auf der Webseite von Kulturzeit abgerufen werden (den kleinen Link “Das Gespräch mit Peter Bieri” unter der Coverabbildung anklicken).

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Hayeks “Road to Serfdom”

Quasi das Gegenstück zum im vorigen Beitrag erwähnten Buch von Russell ist Hayeks “Road to Serfdom” (1944), in dem Hayek einen prinzipiellen Defekt aller kollektivistischen Systeme konstatiert. Informationen über Ressourcen und Bedürfnisse können in solchen Systemen nicht bewältigt werden, Planung ist notwendig unvollkommen und Zwang zur Erhaltung eines sonst nicht funktionierenden Systems die unvermeidbare Folge, die Installation eines starken Mannes an der Zentralgewalt naheliegend. Insofern gleichen sich Stalinismus und Nationalsozialismus strukturell.

Eine gekürzte englische Version gibt es hier. 1950 erschien eine stark verkürzte Cartoon-Version. Diese ist als 5-Minuten-Film hier zu sehen.

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Russells Werk über Sozialismus und Anarchismus

Den Text von Bertrand Russells Buch “Socialism, Anarchism and Syndicalism” kann man auf dieser Seite lesen.

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Videos aus / über / in Second Life

Man stößt ja nun öfter auf Videos über Second Life – PR-Material von Firmen, “weiterbildende” Berichte oder Videos von Usern mit und ohne tieferen Sinn.

So kann man hier sehen, welches Gedränge am “Geburtsort” neuer Second-Life-Benutzer herrscht – offenbar von einem erfahreneren User aufgenommen, wie die Kameraführung verrät.
Niederländische Parlamentsabgeordnete verschiedener Parteien haben kürzlich aus Anlass der bevorstehenden Wahlen an einer Tour durch Second Life teilgenommen, was man sich hier ansehen kann.
Eine eindrucksvolle Präsentation eines realistischen Modells der Saturn-V-Rakete zeigt dieses Video (mit dem Hinweis auf die bemerkenswerte Tatsache, dass fast alle Avatare von Second-Life-Benutzern unrealistisch groß sind (2 Meter und mehr)).
Dieses Video schließlich zieht alle technischen Register – schließlich geht es um Videoproduktion IN Second Life.
Was mir insbesondere bei den ausgefeilteren Produktionen auffällt, ist, dass die Perfektion keinen Eindruck mehr davon vermittelt, wie sich für den Benutzer die tatsächliche Interaktion mit der Software von Second Life darstellt, mit all den Mausklicks, Kommandos, Ladeverzögerungen etc. Realistischer ist beispielsweise ein Video über eine Aktion einer Gruppe, die sich als Befreiuungsarmee bezeichnet und für Rechte von Avataren eintritt. Diese Gruppe hat kürzlich versucht, einen Laden einer Sportartikelfirma in SL vorrübergehend lahmzulegen – was auch immer man davon halten will. Ich bin kein Freund von Defektion, denn letzten Endes sind es immer die Spinner, die sich berufen fühlen, dieses Mittel fortwährend einzusetzen, um den Gang der Dinge zu beeinflussen. Jedenfalls kann man hier sehen, wie zwei Benutzer interagieren (offenbar nicht kooperativ), wobei die Bedienung des Interfaces mit Menüs, Objektverzeichnissen und Kommandos deutlich zu erkennen ist und einen guten Eindruck vom tatsächlichen Interaktionserlebnis vermittelt – auch in harmlosen und friedlichen Umgebungen.

Eine Übersicht über Videos, die im Netz (GoogleVideo, Youtube …) über Second Life zu finden, bietet SecondLifeVideo.com (derzeit 219 Stück).

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Metaverse

Nachdem mir gestern der kleine Lapsus mit der Konfusion von “Metaversum” und “Multiversum” passiert ist, will ich nicht aufgeben, und hier ein paar Links und Infos zum “Metaversum” sammeln (als work in progress – der Beitrag wird also peu a peu ein wenig wachsen). Während mir gestern dämmerte, dass man in diesem Zusammenhang häufiger von “Meta” als von “Multi” spricht, fand ich den Begriff Metaversum auch nicht viel sinnvoller. Schließlich sind Technik, Benutzer, Bedürfnisse und Verhaltensmuster doch recht irdischer Natur, oder jedenfalls von dieser Welt. Außerdem sollen in diesen virtuellen Welten keinesfalls rein theoretische Reflexionen über Theorien von Technik, Soziologie und Kommunikation oder was auch immer angestellt werden – wofür der Term “Meta” ja gebräuchlich ist.

Solche begriffshistorischen und etymologischen Überlegungen interessieren widerum auch kaum jemanden, so dass der Begriff unbekümmert davon Verbreitung finden wird. Aber man kann ja mal drüber sprechen.

Dass der Begriff “Metaverse” aus Neal Stephensons durchaus satirischen Science-Fiction-Roman Snow Crash (1992) stammt, erfährt man aus dem betreffenden Eintrag in der Wikipedia, von wo auch der Link zu der interessanten Mauz’s Active Worlds History stammt.

Es gibt – neben den kommerziellen, proprietären virtuellen 3D-Welten, auch ein Open-Source-Projekt, dass sich naheliegenderweise Open Source Metaverse Project (OSMP) nennt.

Die Acceleration Studies Foundation betreibt eine Webseite mit dem Namen Metaverse Roadmap.

Der Metaverse Messenger möchte “A Real Newspaper For A Virtual World” sein.

Nicht zu vergessen ist natürlich das 3pointD-Weblog, das sich auf 3D-Welten spezialisiert hat und natürlich auch ein Tag Metaverse führt.

MetaverseSessions ist eigentlich ein Ableger von SecondCast, dessen Absicht es ursprünglich war, “to cover the culture and events going on in the virtual world Second Life”

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Das Multiversum, äh, Metaversum ist … oder nicht?

Ich kenne den Begriff Multiversum aus der Kosmologie, wo er für ein Viele-Welten-Konzept steht, also für die Existenz mehrerer Universen – nacheinander, zeitgleich, nebeneinander etc. In den kosmologischen und naturphilosophischen Debatten war schon oft nicht klar, was mit dem Begriff jeweils gemeint war. In der Populärwissenschaft und der Science-Fiction-Literatur wurde er dann immer mehr zu einem schillernden Schlagwort – wie geschaffen für hippe Theorien über technologische Entwicklungen. In der englischen Wikipedia gibt es deshalb wohl zwei getrennte Artikel für “Multiverse” und “Multiverse (science)“.
Weitere Verbreitung erhält “Multiversum” aktuell als Begriff für soziotechnische Interaktionsplattformen in virtuellen 3D-Realitäten (ich feile noch an einem griffigen Wortungetüm). Der Begriff begegnet einem auf fast allen Seiten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Dazu ein paar Links, die von Interesse sein könnten: Multiverse.net [via M. Breuer], Metaverse Technologies, und die Kategorie Multiverse beim 3pointD-Blog.

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Seriösität, Business und Prekariat

Einige stichpunktartige soziologische Beobachtungen:

Obwohl (oder weil) Second Life eine durchaus unseriöse Umgebung darstellt – nach Maßstäben der Hausordnung von Firmen, Büros und Akademien – darf man mit weiterem Zustrom von Unternehmen aus der Fleischwelt in die virtuelle Gummizelle rechnen. Denn Geschäfte werden dort gemacht, wo sich das Volk tummelt. So lange man für die virtuelle Firmenlobby einen Sicherheitsdienst und für die Privatinsel eine Zugangssperre hat – wo ist das Problem mit Elfen, Pelztieren, Griefern, Erotikhype, Gamern, pöbelnden Teenies etc.

Die meistgestellte Frage von “frischgeborenen” 3D-Teilnehmern lautet: “Wo / Wie kann ich zu Geld kommen.” Die lakonische Antwort lautet: “Kauf dir welches.” (1000 virtuelle Linden-Dollar sind nach aktuellem Wechselkurs für ca. 3 bis 4 reale US-Dollar zu haben (zahlbar per PayPal oder Kreditkarte)). Die solidarische Antwort lautet: Es gibt Moneytrees, Camping-Chairs und Dance Pads – da kannst du alle 10 Minuten 3 oder 4 Dollar verdienen. Oder du arbeitest als Türsteher, Tänzerin, Hostess bzw. Escort (sprich: virtuelle Prostituierte), dann bekommst du ein paar Dollar mehr, als AAA-Escort ca. 1000 Lindendollar für eine halbe Stunde, also 4 reale Euro. Wow!
(Nachtrag: *Breaking News* – Die Preise für “Escort Services” sollen angeblich steigen, weil viele neue Clubs eröffnen wollen und die Landpreise gestiegen sind. Der Second Life Herald: “can things possibly get any fucking worse!!!“)

Das virtuelle Proletariat erschafft sich neu, Kandidaten stehen Schlange und betteln um einen Job an der Dancepole oder drängeln sich um freiwerdende Campingchairs. Die virtuelle Realität hat ein soziales Potenzial, dass ausreichend Stoff für einen Charles Dickens oder John Stuart Mill, einen Bertrand Russell oder George Orwell bietet.

Die Möglichkeit, sich virtuell neu zu erschaffen und Rollen einzunehmen, die einem in der Realität verwehrt werden, ist im Übrigen faszinierend: man könnte als mittelalter männlicher Durchschnittseuropäer eine virtuelle blutjunge Edelhure spielen, oder als vermögender Manager Gefallen daran finden, als El Cheapo mit kostenlosem Basisprofil sich am unteren Ende der Sozialskala in Second Life durchzuschlagen und Kontakte zu knüpfen, die in der Realität unerreichbar sind … Nur Reichtum bleibt in der virtuellen Realität ein knappes Gut, das mit Glück oder harter Arbeit erworben werden muss.

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Habermas erwirkt Änderung der Biografie von Joachim Fest

Jürgen Habermas hat gerichtlich erwirkt, dass in der aktuellen Autobiografie “Ich nicht” des kürzlich verstorbenen Historikers Joachim Fest eine Passage auf den Seiten 342 und 343 gestrichen werden muss, in der namentlich nicht genannte Personen in die Nähe des Nazi-Regimes gerückt werden. Die Zeitschrift “Cicero” hatte gefragt, ob es sich dabei um Habermas handeln könne. Der Historiker Hans-Ulrich Wehler erläuterte, dass die Passage auf eine Anekdote zurückgehe, die sich aber zu einem nicht belegbaren Gerücht gewandelt habe. Fests Darstellung sei eine “perfide Erfindung”. Als 12- und 14-Jährige waren Wehler und Habermas bei der Hitlerjugend (SpOn). Dass sich darum spinnende Gerücht verfolgt Uwe Justus Wenzel in der NZZ in seiner Entwicklung – und kritisiert den Gesinnungsjournalismus des besagten Cicero-Artikels. Auch Jürgen Habermas hatte in einem Brief zu dem Artikel Stellung bezogen. Darin heißt es unter anderem: “Fest hat mir offenbar die Kritik an jenen Vordenkern des NS-Regimes übel genommen, die er in seinem Blatt rehabilitieren ließ.” Rüdiger Safranski kritisierte diese Äußerung von Habermas wiederum als ungeheuerlich. Sie mache deutlich, “gegen welche Wunden sich Joachim Fest gewehrt hat”, weil er immer wieder “in eine solche Ecke hineingestellt worden ist”.
Der Rowohlt-Verlag liefert bereits eine Auflage ohne die Passage aus, will aber Einspruch gegen die gerichtliche Entscheidung einlegen, da Habermas im Text nicht erwähnt wird.

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Stimmen zu Hannah Arendt heute

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Hannah Arendt (1906 – 1975) hat Tikkun verschiedene Stimmen zeitgenössischer jüdischer Intellektueller zu ihrer Person und ihrem Werk versammelt.

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