Die Postmoderne und der Krieg


Die Postmoderne und der Krieg. Von Philip Hammond. (Ein Überblick über kulturphilosophische Thesen zu einem ganz realen Thema in den Debatten der letzten Jahre.)

Anmerkung: Krieg ist alles andere als l’art pour l’art ist. Die Gründe, Ideologien, Ziele der Kombatanten sind nach wie vor real; es sind in den westlichen Nationen nur nicht mehr die großen Ideologien, die den Weg in die Schlacht vorzeichnen. Die Welt ist nüchterner, realer geworden. Und ist eben keine Simulation, wie Baudrillard, der eher zynisch als ironisch ist (jedenfalls nach Maßstäben von Rorty oder Heine), gesagt hat. „Suchen Sie nach etwas, das man noch ernst nehmen kann? Wie wäre es mit der Macht des Bösen?“ schrieb das Magazin Time nach den Debatten um den 11. September. Die öffentliche Meinung hingegen schlingert bei den vielen kleinen und großen Konfliktereignissen irritiert zwischen Bedrohungswahrnehmung und moralischem Relativismus.

  1. #1 by mspro on 2006/07/22 - 7:00 pm

    hm. Nüchterner? Realer? Ich selber stimme Baudrillard ja auch nicht uneingeschränkt zu, aber in Anbetracht der beiden letzen Irakkriege, finde ich seinen Simulationsbegriff dann doch treffender. (Bei der jetzigen Nahost-Kriese ist die Lage natürlich wesentlich komplizierter, was auch die aktuelle Ratlosigkeit der Simulatoren in Washington gut erklärt. Wie mit einem “echten” Konflikt umgehen, dessen Inszenierbarkeit, völlig außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegt?)

  2. #2 by Philoblogger on 2006/07/22 - 8:26 pm

    Wie ihre Position zu den Konfliktparteien der letzten Jahre auch immer sein mag – die Ereignisse sind immer sehr real. Unser mainstream unterliegt da einer völligen Fehleinschätzung, die die Lage der Dinge nicht gerade verbessert.

  3. #3 by mspro on 2006/07/22 - 9:07 pm

    Die Existenz von Realität soll auch dabei nicht in Frage gestellt werden. Der Simulationbegriff dient ja schließlich mehr der Beschreibung der Unentscheidbarkeit zwischen Realität und Fiktion (Sie nennen das weniger vorsichtig “Fehleinschätzung”), dem der sogenannte “Mainstream” unterworfen ist. Ich weiß nicht welche Position Sie für sich reklamieren können, aber ich persönlich kann mich aus diesem “Mainstream” leider nicht ausschließen. Ich werde schließlich auch nur von den Medien (des-)informiert.

  4. #4 by Philoblogger on 2006/07/23 - 10:51 am

    “Die Medien” (die Intellektuelle wie sie und ich erleiden) sind auch so ein Konstrukt. Von wem werden sie außerdem desinformiert? Sind die Lettres, Magazine, Tags und Flugblätter auch “die Medien”? Jedenfalls sind die voller Desinformation.

  5. #5 by Philoblogger on 2006/07/23 - 11:16 am

    Zum Problem “Medien” (sie sind ja eins): Welche Alternativen haben wir eigentlich? Die Beschränkungen für Information, die wir beklagen, hat es immer gegeben. Auch die kollektive Meinungsdynamik. Daher braucht es zwei Voraussetzungen: einen freien Medienmarkt und Moral (auch die eigene).

  6. #6 by mspro on 2006/07/23 - 12:02 pm

    vielleicht ist auch “desinformiert” ein unglücklicher Ausdruck. Ich persönlich kann nämlich nie wissen, wann ich des- und wann ich informiert werde. Ich kann es ahnen, aber diese Ahnung gibt es nicht außerhalb einer politischen oder ideologischen Vorkonstruktion.

    Zunächst bin ich eher überinformiert, denn es gibt ein Übermaß an Informationen in der heutigen Zeit, die mir zur Verfügung stehen. Paradoxer Weise klärt mich das nicht noch besser auf, sondern tut das Gegenteil: Dieses Überinformiert-sein, bringt es mit sich, dass gewisse Informationen sich widersprechen, dass sie nicht zusammenpassen, dass Überzeugungen und Weltbilder, Lügen und Verfälschungen ein sehr heterogenes Feld von Bildern einer einzigen Situation zeichnen.
    Daraus ergibt sich wiederum eine Situation für den Menschen, die in einem alten Spontispruch am besten formuliert wurde:
    “Keiner weiß wer wen bescheißt, doch alle wissen, sie werden beschissen”.
    Das heißt: es stinkt. Was genau stinkt, weiß keiner, kann keiner wissen, aber es stinkt.
    Nun bilden sich Grüppchen, die die Wahrheit unter sich aufteilen, je nach politischem Gusto. Dabei hat keine Seite ein Problem, Informationen zu finden, die ihre Position stützen. Die Wahrheiten sammeln ihre Jünger im Glauben und bezichtigen die andere Seite der Lüge oder der Fehlinformation.
    Und dann ist da die Position des Postmodernen, der sich weigert zu glauben und stattdessen das Prinzip der Simulation untersucht. Und sich wundert, wie überzeugt manche Menschen doch eine Wahrheit vertreten, deren Wahrsein doch ganz offensichtlich einzig nur am Glauben-wollen hängt. Deren Beharren auf vermeintlich Fakten für sie eine Realtität verspricht, die mehr einem Wahn gleicht und auf dem paradoxen Phantasma beruht ALS EINZIGER wirklich informiert zu sein.

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