Neue Essays zu Rawls’ “Political Liberalism”

Nachdem John Rawls mit seiner “Theorie der Gerechtigkeit” (1971) zu einer Renaissance der politischen und praktischen Philosophie beigetragen hat, veröffentlichte er 1993 “Political Liberalism“, das ebenfalls ein Klassiker ist. Martha Nussbaum und Thom Brooks haben nun einen Band mit neuen Essays zu “Political Liberalism” veröffentlicht: “Rawls’s Political Liberalism“. Er enthält u.a. Beiträge von Nussbaum, Brooks, Onora O’Neil und Jeremy Waldron. Der Aufsatz von Brooks beschäftigt sich mit dem “Capabilities Approach and Political Liberalism“, wie der Titel sagt.

Das Nobelpreis-Interview mit Alice Munro

Alice Munro bemüht keine esoterischen postmodernen, philosophischen oder politischen Theorien. Sie ist nicht nur die Verfasserin beeindruckender Kurzgeschichten, sondern auch als Schriftstellerin beeindruckend. Ihre Fähigkeit, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen, macht sie auch menschlich so besonders: eine wache, ebenso kritische wie freundliche Frau. Sie hat viel zu erzählen ohne sich durch exaltierte intellektuelle Allüren aufdrängen zu müssen. Das Videogespräch, das 2013 mit ihr anstelle der Nobel Lecture aufgezeichnet wurde, ist auf YouTube online:

Fundamentaltranszendental unterschätzt

A propos Popmusik – wir sagen gerne mal, dass Künstler oder eine Stilrichtung unterschätzt seien, was eine ganz vernünftige Aussage sein kann, die man aber im Streitfall nicht so richtig hundertprozentig wasserdicht bekommt. Denn über Vieles lässt sich streiten, und woran will man den angemessenen Grad von Wertschätzung bemessen? An der Zahl der verkauften Tonträger / Downloads, den YouTube-Aufrufen, Likes und Retweets? Oder ist es dann Wertschätzung, wenn Produkt oder Produzent aus den richtigen Gründen von den richtigen Leuten geschätzt werden, wobei Zahlen sekundär sind? Irgendwie ja und irgendwie nein. Einerseits hat Qualität, auch die der Wertschätzung, nichts mit Zahlen zu tun, denken wir. Andererseits stellen wir uns schon vor, dass sich objektive Qualität (was immer sie denn sein mag) eben auch objektiv in Zahlen ausdrückt, jedenfalls ungefähr so, dass richtig gute Musik zwei, drei Hörer mehr hat als nicht so gute.

Und da es in der Realität nicht immer so ist, hat man mit “völlig unterschätzte Musik” ein prima unerschöpfliches Thema, bei dem man seine Beschlagenheit, Coolness, Gleichgültigkeit, elitäre Versnobtheit oder sonstige Ausgeflipptheit zur Schau stellen kann.

Unterschätzte Popmusik – ein gutes Beispiel dafür sind New Musik in den frühen 80ern, die es mittlerweile sogar wieder, lang genug hat es gedauert, auf CD gibt. Ebenfalls nicht ausreichend gewürdigt sind The Bird and the Bee, von denen man keine großen Operetten erzählen muss, kann man doch auf dieses Video aus der Internetsteinzeit verweisen, das der Filmstudent Dennis Liu zu Demozwecken von einem Stück seiner Lieblingsband gemacht hat:


(Nein, das in dem Video ist nicht die Band, aber die Musik.)

Und unter anderem da es seitdem nicht zu jedem Stück von The Bird and the Bee ein derartiges Künstlervideo gibt, ist die Band wohl unterschätzt.

Und ganz ähnlich verhält es sich topaktuell mit der Gruppe “Tennis” – zwei ehemalige Musik- und Philosophiestudenten, die nach einer einjährigen Low-Budget-Segelreise damit begonnen haben, die Welt mit zauberhafter Popmusik zu beglücken. (Hier haben wir möglicherweise einen Unterschätzungsgrund darin, dass die Band einen halbwegs bekannten Sommerhit gelandet hat, und seitdem – eben – unterschätzt wird.) Das erste Stück ihrer jüngsten CD “Ritual in Repeat” haben sie bei Soundcloud abgeladen. Doch wo immer man das ganze Werk hören kann, möge man dies tun, wenn man sich die Ohren mit ätherischer Popmusik von irgendwo ganz weit draußen im Sonnenuntergang und mit betörender Stimme transzendental verkleben lassen möchte.

Gegen 10.000 Gebote – Adam Smith

Adam Smith wird immer wieder gegen Klischeevorstellungen verteidigt. Und da er weit mehr als nur der Ökonom war, wird er für eine realistischere Sichtweise in ganz unterschiedlichen Bereichen (Ökonomie, Moralpsychologie, Politische oder Rechtsphilosophie) empfohlen. Zu den prominenten Beispielen für eine solche “Wiederentdeckung” Smiths (hier des öfteren schon erwähnt) gehören unter anderem Ernst Tugendhat, Martha Nussbaum, Amartya Sen und Lisa Herzog. Das Spektrum der damit verbundenen Leitfragen erstreckt sich dabei bis weit ins Sozialdemokratische hinein.

Eine libertäre Sicht auf Adam Smith – also vom anderen Ende des Spektrums – hat der Ökonom Daniel D. Klein von der George Mason University. In diesem Vortrag will er zeigen, dass Smith schon in der Theorie der moralischen Gefühle subtil gegen Überregulierung und staatliche Eingriffe argumentiert habe.

Naturphilosophie in der Renaissance

In der Renaissance entstanden verschiedene neue Perspektiven auf die Gegenstände der Naturphilosophie. Auch das dominante aristotelische Weltbild wurde allmählich neu bewertet. Diese Entwicklungen trugen zur Entstehung der modernen Naturwissenschaften bei. Eva Del Soldato hat in der Stanford Encyclopedia of Philosophy einen neuen Artikel zur Naturphilosophie in der Renaissance veröffentlicht.

Gardiner über Bachs Persönlichkeit

Jemand, der faszinierende Werke schafft, muss deshalb als Person nicht überhöht werden. Vollkommen, “heilig”, sind die Wenigsten, ohne dass dies notwendig ihre Aufrichtigkeit oder Leistung schmälern muss (ein Argument, das man auch bei Aristoteles und Seneca findet). Im Gegenteil, gerade diese Menschlichkeit kann die Wege und die Werke von Personen besonders interessant machen – sagt im Fall von Johann Sebastian Bach der britische Dirigent John Eliot Gardiner bei Big Think.

Lisa Herzog über Märkte: Das Kriterium ist die Freiheit

3AM interviewt Lisa Herzog. Dabei geht es vor allem um die Überlegungen von Adam Smith und Hegel zu Märkten und wie diese heute noch relevant sind.

2014 hat Lisa Herzog zusammen mit Axel Honneth bei Suhrkamp eine Textsammlung zu Marktansichten vom 18. Jahrhundert bis heute veröffentlicht: “Der Wert des Marktes: Ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Dazu hat es einige Rezensionen gegeben – die informativste ist wohl die im Blog “Wirtschaftliche Freiheit“.

Elisabeth von Tadden hat Lisa Herzog im März 2014 interviewt. Ein Interview eher auf Internet-Niveau ist bei ZEIT-Campus Anfang 2015 erschienen.

Auf YouTube gibt es ein Interview mit ihr sowie eine Vorlesung über Schädigungen im Markt: