Technoliberale Neocons?

Die zentralen Ideen und Argumente, die man bei Peter Thiel (im vorigen Beitrag erwähnt) findet, sind natürlich allen einigermaßen vertraut, die die Debatten um Libertäre und Neocons der letzten Jahrzehnte kennen. Ich bin zu faul derzeit mit vielen anderen Dingen beschäftigt, aber Ralf Keuper gibt einen Überblick über einige Aspekte dieser Thematik.

Peter Thiel – eher banal als genial?

Auf Deutschlandradio Kultur bespricht Johannes Kaiser das neue Buch “Zero to One” von Peter Thiel kritisch: “Banale Start-Up-Philosophie“.

Peter Thiel ist ein erfolgreicher Silicon-Valley-Unternehmer, der in den USA und den üblichen Internetforen begeisterte Anhänger hat. Er ist eloquent, und selbstbewusst. An der Stanford University hat er ein Seminar gegeben, aus dem nun dieses Buch über Start-Up-Philosophie hervorgegangen ist. Johannes Kaiser bewertet es als schlichte Küchenphilosophie.

Thiels eindimensionale Innovationsgläubigkeit vermenge sich mit banalen Weisheiten über Anzugträger und pessimistische Europäer und den üblichen politischen und ökonomischen Lehrsätzen amerikanischer Konservativer. Entgegen seinem Image entlarve sich Thiel in seinem Buch gerade nicht als Querdenker.

Weitere Artikel über Peter Thiel gab es in den letzten Tagen bei Spiegel und FAZ.

Scholastische Metaphysik und Thomismus

Bei NDPR gibt es eine Rezension zu Edward Fesers Buch “Scholastic Metaphysics: A Contemporary Introduction”. Das Buch reiht sich in die jüngsten Beiträge zu einem “Analytischen Thomismus” ein. Fesers Standpunkt richtet sich gegen den Naturalismus.

Feser hat 1999 eine Dissertation mit dem Titel “Russell, Hayek, and the mind-body problem” verfasst. In den letzten Jahren hat er die “New Atheists”, insbesondere Richard Dawkins, kritisiert, und zugleich das “Intelligent Design” abgelehnt. Er hat unter anderem Bücher zu Robert Nozick, Hayek und John Locke verafsst.

Mary und das Farbensehen

Frank Jackson beschreibt 1986 ein berühmt gewordenes Gedankenexperiment, in dem Mary keine Farben sehen kann, aber alles darüber weiß, was die Wissenschaft zu Farben herausgefunden hat. Erlebt Mary etwas Neues, wenn sie schließlich doch Farben sehen kann?

Diesem Thema hat Dorian Electra nun einen Song gewidmet und ein Video dazu gedreht:

Einige Jahre zuvor hatte sie schon eine Liebeserklärung an Friedrich Hayek vertont:

Capabilities – Ingrid Robeyns über den Fähigkeitenansatz

Vor einigen Wochen schrieb Thomas Gregersen vom Political Theory Blog, dass von Ingrid Robeyns demnächst (2014) eine Monografie zum Capabilities Approach erscheinen wird. Zuletzt hatte sie einen Aufsatz mit dem Titel “Capabilitarianism” bei SSRN hochgeladen.

Aus ihrer Rezension von Martha Nussbaums Buch “Creating Capabilities”, von der ich vor einigen Jahren schon mal berichtet habe, ist offenbar bald danach eine Rezension bei NDPR entstanden. Robeyns hält Nussbaums Version für verbesserungsbedürftig.

Update: In einem Kommentar im Political Theory Blog schreibt Robeyns, dass das Buch wahrscheinlich nicht 2014 fertig werden wird.

Buddhistische Philosophie – Die Madhyamaka-Schule

Eine der bekanntesten Schulrichtungen der buddhistischen Philosophie ist die Madhyamaka-Schule. Sie geht auf den indischen Philosophen Nagarjuna zurück und stellt einen der zwei Hauptzweige des Mahayana-Buddhismus dar. Zu ihr zählen weitere bedeutende Philosophen wie Candrakirti und Santideva. Ab dem 9. Jahrhundert prägte die Madhyamakarichtung insbesondere den Tibetischen Buddhismus.

Nun ist der Artikel zu Madhyamaka in der Stanford Encyclopedia of Philosophy gründlich überarbeitet worden.

Die Trolle nicht mehr gewinnen lassen

Kashmir Hill schreibt auf Forbes über das alltägliche Trollen, Mobben, Schikanieren und Bedrohen im Internet. Sie erwähnt aktuelle Vorkommnisse der letzten Wochen, die mit ihrer Lektüre von Danielle Citrons neuem Buch “Hate Crimes in Cyberspace” zusammenpassen – was nicht verwunderlich ist, weil Tag für Tag solche Geschichten passieren.

Erhält eine dieser Geschichten mal etwas mehr Öffentlichkeit, ist die Betroffenheit groß, aber meistens kurz. Es herrscht offenbar der Eindruck, dass es sich um Einzelfälle handelt, von denen man selbst nie betroffen sein könnte. Danielle Citron, die sich seit einem Jahrzehnt mit diesem Phänomen beschäftigt, sagt: “There’s not a week that goes by that I don’t get an email from someone saying, ‘Please help me.’

Was tun mit dem Philosophieabschluss?

Was fängt man an mit einem abgeschlossenen Philosophiestudium? Als “Netzphilosoph” oder Literaturkritikerin braucht man übernatürliche Fähigkeiten, aber für ehrliches, bodenständiges Handwerk wie in dem folgenden Video wird es wohl reichen. Wie so oft in der Philosophie fängt die Darbietung dieses Philosophieabsolventen zwar langweilig an, offenbart dann aber auf spektakuläre Weise die ganze Tiefe philosophierenden Tuns:

Intelligenztest Nettigkeit und Mitgefühl: Love is louder

Es ist wichtig, dass die Menschen ermutigt und aufgebaut werden, die sich durch aggressive, offensive, übergriffige, demütigende Äußerungen von respektlosen Trollen, Rechthabern, Wichtigtuern, und Besserwissern eingeschüchtert fühlen. Arroganz ist das Gegenteil von Intelligenz.

In den USA gibt es im Profisport gerade mehrere Projekte, die die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen wollen, dass aggressives Kommunikationsverhalten nicht akzeptabel ist. Prominent ist diesbezüglich schon seit einiger Zeit die Aktion “Boston vs Bullies”.

Vor einigen Tagen haben sich Spieler der MLS-Fußballmannschaft Chicago Fire mit einer Aktion für “Love is louder” auf Twitter und YouTube beteiligt.

Auch die Fans zeigten am Wochenende während eines regulären Ligaspiels ihre Unterstützung für die Aktion:

“Love is louder” geht auf die Initiative eines Elternpaares zurück, das seinen Sohn durch Suizid verloren hat. “Love is louder” ist ein “movement of people here to say that love is louder than any voice that causes us pain or brings us down.

Auch wenn Manche gerne das Gegenteil behaupten – nett zu sein ist definitiv intelligent. Wie erbärmlich ist es dagegen, absichtsvoll eigenes und fremdes Unglück herbei zu führen:

Adam Smith und Immanuel Kant über Glückseligkeit

1759 veröffentlichte Adam Smith seine “Theorie der ethischen Gefühle” – sein philosophisches Hauptwerk, auch nach Smiths eigener Meinung. Eine erste deutsche Übersetzung erschien erst in den 1790er Jahren.

Seine Ausführungen über die Stoa (VII,2,1) sind bemerkenswert umsichtig und einfühlsam. Er buchstabiert aus, wie es sich anfühlt, ein Stoiker zu sein. Dabei wird man an Kants “Grundlegung zur Metaphysik der Sitten” erinnert. Smith thematisiert Aspekte, die Kant in seinem später erschienenen Buch ebenfalls diskutiert. Man würde sich allerdings wünschen, Kant hätte in sprachlicher Hinsicht von Smiths Ausführungen profitieren können. Kants Sprache ist bekanntlich nicht der Inbegriff von Eleganz, obwohl man sich durchaus darin vertiefen und sie gelegentlich schätzen kann, was dann aber wohl auf Kosten der Mitteilungsfähigkeit gegenüber den Mitmenschen geht.

In einer seiner ersten Arbeiten (1756) berichtet Smith über die Literatur auf dem europäischen Kontinent. Darin bedauert er auch, dass die Deutschen so daran gewöhnt seien, in einer fremden Sprache zu sprechen und zu denken (Latein, Französisch), dass es erklärbar sei, dass “sie nicht imstande sein könnten, sich glücklich oder treffend auszudrücken, sobald es sich um Themen heiklerer oder feinerer Natur handelt.” (Theorie, Hamburg 1994, S. XV).

Es ist eine interessante Spekulation, was bei der großen Nähe Smith über Kants Buch und Kant über Smiths Buch gedacht oder beide miteinander besprochen hätten. Dass sie nie einander begegneten oder brieflich miteinander verkehrten, ist bedauerlich.