Über den Brexit

Bisher das Beste: Timothy Garton Ash.

Der Brexit ist auch ein bitterer Verlust für Europa.

Der stärkste Indikator für Leave-Stimmen? Nicht Alter, sondern Bildung:

Dass jetzt wieder in die falsche Richtung moralisiert wird (“die Alten” usw.) lässt nichts Gutes für die Zukunft dieser Auseinandersetzung erwarten.
Siehe auch Tyler Cowen zu den Gründen für das Wahlergebnis.

Über Anti-Establishment-Rhetorik:

Für Kenner der Klassiker:

Bescheidenheit, Rücksichtnahme, Freundlichkeit? Intellektuelle Tugenden auf dem Rückzug

In den Medien, der Politik und im Internet sowieso haben die intellektuellen Tugenden, die Konfuzius, Aristoteles oder Mark Aurel als Voraussetzung für durchdachte und sachliche Überzeugungen hervorgehoben haben, keinen Ort mehr. “Prahlerische Angeberei” ist eine Haltung, die zu den am wenigsten vertrauenswürdigen gehört, wenn es um die sachliche Zuverlässigkeit von Äußerungen geht; -so eine Meinung von gestern, nämlich von Aristoteles. Und doch beherrschen Blender, “Lautsprecher” und Schaumschläger den öffentlichen Diskurs. Um so wichtiger, wenn der Ort nüchternen wissenschaftlichen Nachdenkens, die Universität, davon verschont bleibt. Aber auch hier droht die aufgepeppte Fassadenrhetorik das Ruder zu übernehmen, aus verschiedenen Gründen (wie z.B. ideologische Grabenkämpfe, ökonomische Zwänge, bildungspolitische Verbesserungen usw.). Einen aktuellen Trend beschreibt Jonathan Wolff im Guardian.

Nachrufe auf Hilary Putnam: Ein Leben mit Vernunft ist verwundbar

AM 13. März 2016 ist der amerikanische Philosoph Hilary Putnam gestorben. Die ersten Meldungen dazu habe ich hier aufgeführt. Mittlerweile sind einige Nachrufe hinzugekommen, die einen Überblick über Putnams philosophisches Denken geben. Dieses Denken ist vor allem ein undogmatisches, interessiertes und rationales Denken. Putnam hat bereitwillig seine Positionen überdacht und geändert, wenn er Fehler bemerkte. Dies ist leicht anhand seiner Veröffentlichungen festzustellen, die der Philosophie viele berühmt gewordene Hypothesen und Denkfiguren gegeben haben.

Insofern – dies hebt Martha Nussbaum in ihrem Nachruf hervor – ist Putnam ein Gegenbeispiel zum dogmatischen und intellektuell unbescheidenen Typus, der heute in Politik, Medien, Publizistik, aber befremdlicherweise durchaus auch wieder in der Philosophie, anzutreffen ist.

Dies kann man auch im deutschen Feuilleton und in Kulturredaktionen feststellen. Dennoch gibt es bei Deutschlandradio Kultur, wo man das ja kaum noch erwarten würde, einen von Thorsten Jantschek verfassten Nachruf auf Hilary Putnam.

Zuverlässig erwarten kann man solche Beiträge nach wie vor bei der NZZ. Hier beschreibt der in Kent lehrende Edward Kanterian die Entwicklung von Putnams Denken.

Update:
Ein weiterer Nachruf auf Putnam von Jürgen Kaube in der FAZ.